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17.07.1992 - 

Neue Trends lassen den Markt schrumpfen

Die Mainframe-Anbieter zehren von der bereits installierten Basis

Vom Preisverfall sind heute alle Hardwarehersteller betroffen. Während jedoch im PC- und Workstation-Markt die Zahl der Anwender ständig steigt, müssen die Mainframe-Anbieter neben zunehmend niedrigeren Margen auch noch ein schwindendes Kundenklientel - verkraften. Kostenbewußtsein, Dezentralisierungs- und Outsourcing-Projekte lassen die Nachfrage sinken. Im Mainframe-Business finden primär Upgrade-Geschäfte statt, stellt Alexander Steuernagel von der Diebold Deutschland GmbH fest.

Für Janice McGinn vom britischen Infodienst "Computergram" ist es sonnenklar: Liefert ein Mainframe-Hersteller - in diesem Fall Hitachi - statt wie noch vor einiger Zeit in sechs bereits innerhalb von zwei Monaten aus, liegen die Rechner auf Halde. Was McGinn zufolge darauf schließen läßt, daß die erwartete Nachfrage ausbleibt.

Doch Hitachi ist kein Einzelfall, die Zeiten der großen Absatz- und Umsatzsprünge sind im gesamten Mainframe-Markt vorbei. "Im Großrechner-Umfeld findet derzeit Stagnation auf hohem Niveau statt," konstatiert Steuernagel, der beim "reinen Blech" noch Zuwachsraten zwischen fünf und sieben Prozent für realistisch hält. Werden Geschäfte gemacht, handle es sich überwiegend um Upgrades, das heißt, der Anwender benötige zwar mehr Leistung, kaufe aber keine neuen Maschinen mehr, sondern rüste das installierte System auf.

Rosige Zukunftsaussichten für die Mainframer spiegelt auch die Marktbetrachtung des Gartner-Group-Analysten Klaus Thomas nicht wider. "Der Mainframe-Markt hat nicht mehr die Steigerungsraten, wie noch vor Jahren", stellt Thomas fest. "Die Anzahl der Kunden ist mehr oder weniger konstant. Neue Anwender, die Großsysteme einsetzen, wird es nicht geben." Somit beschränkt sich der Kundenkreis auf die bereits installierte Mainframe-Basis, die jedoch laufend schmäler wird. Trends wie Outsourcing oder die Konsolidierungen von Rechenzentren lassen den vorhandenen Kundenstamm ständig dünner werden, wie Alfred Simmet, Marketing-Manager bei Hitachi Data Systems, in London äußerte.

Outsourcer übernehmen die RZ-Leistung zwar zunächst eins zu eins, legen dann aber die Rechenkapazität der Kunden zusammen, um mit stärkeren Systemen zu arbeiten, erklärt Lutz Martiny, Geschäftsleitungs-Mitglied bei der GAO Gesellschaft für Automation und Organisation mbH.

Demnach können die Dienstleister zwar als Stütze für die Mainframe-Anbieter angesehen werden, die in diesem Bereich noch leistungsstarke Großsysteme absetzen können, doch die Zahl der großen Maschinen insgesamt verringere sich dem Münchner zufolge durch solche Outsourcing-Projekte.

Dezentralisierung hat sich zwar zum Trend entwickelt, doch wirkt sich dieser besonders bei Großanwendern noch nicht zu Lasten der bestehenden Mainframe-Basis aus. Bis auf wenige Ausnahmen kommt Steuernagel zufolge kein Unternehmen, das Großsysteme einsetzt, auf die Idee, diese auszurangieren. "Große IBM-Anwender sind sehr statische Kunden, deren Organisationsstruktur-Konzepte eine lange Historie haben - da dauern neue Konzepte eben", erklärt der Diebold-Mitarbeiter.

Tendenz zu dezentralen Systemen

Für Martiny, der von der Anwender- auf die Anbieterseite wechselte, schlagen jedoch auch die großen Unternehmen zunehmend den neuen Kurs ein: "Die Tendenz geht eindeutig zu dezentralen Systemen, aber es geht langsam. Diese Einschätzung bestätigt auch der

Gartner-Analyst Thomas. Obwohl zwar keine bestehenden Mainframe-Applikationen verteilt würden, beobachtet er, daß "für eine andere Art von Anwendungen" mehr in PCs und Abteilungsrechner investiert wird.

Auch wenn Mainframes nicht zugunsten von dezentralen Systemen sofort über Bord geworfen werden, ändert sich offenbar das Investitionsverhalten der Unternehmen. So kam bei einer Ende 1991 von der COMPUTERWOCHE-Extra unter den deutschen Top-Unternehmen durchgeführten Umfrage heraus, daß stark in Integration, Telekommunikation und besonders im Bereich offener Systeme investiert wird. In Zeiten knapper DV-Budgets wirkt sich der Trend zur Dezentralisierung daher auf die Ausgaben im Mainframe-Sektor aus, die DV-Manager geben sich dort zunehmend kostenbewußt.

Leasingverträge über 54 Monate

"Wir wechseln jetzt zu gebrauchten Rechnern, eventuell japanisches Blech", erklärt ein DV-Manager, der seit Jahren least. Mit dieser Strategie zählt der IS-Fachmann nicht zu den Ausnahmen. So verzeichnen Leasingunternehmen eine steigende Nachfrage - auch nach Gebrauchtmaschinen. "Heute leasen wesentlich mehr Unternehmen als früher", bestätigt Thomas. Auch die IBM zieht Steuernagel zufolge einen Großteil der Einnahmen aus dem Miet- und Leasing-Business.

Doch mittlerweile behalten die DV-Leiter ihre Rechner länger als bisher. So erachten manche IT-Manager Vertragslaufzeiten von 54 Monaten für ausreichend, statt wie noch vor einiger Zeit, den Rechner nach 36 Monaten auszutauschen. Was die IBM nicht freut, wie ein DV-Leiter aus dem Rhein-Main-Gebiet meint: "Die Leasingverträge auf 54 Monate auszudehnen, ist heute normal. Aber Big Blue versucht das wohl mit der Ankündigung zu unterbinden, daß bald kein Upgrade von 1370 auf 1390 mehr möglich ist.

"Die Maschine muß nicht mehr alle eineinhalb Jahre ausgewechselt werden, weil sie an der Kapazitätsgrenze angestoßen ist", bemerkt auch der kostenbewußte DV-Leiter eines großen Maschinenbau-Betriebs, der seit Jahren mit gebrauchten Systemen arbeitet. "Solche Anwendungsexplosionen gibt es nicht mehr, außerdem nehmen PCs - richtig genutzt - dem Host eine Menge Arbeit ab." Verzeichneten die Unternehmen noch von einigen Jahren einen Kapazitätszuwachs um 30 bis 40 beziehungsweise manchmal sogar 50 Prozent jährlich, liegen die Steigerungsraten heute zwischen 20 und 30 Prozent. Via Feldaufrüstung läßt sich so ein vorhandenes System meist länger betreiben.

Gegen eine neue Maschine spricht aus Sicht der DV-Manager oftmals auch die geänderte Lizenzierungspolitik für Software, die eine genaue Kosten-Nutzen-Rechnung erfordert.

Lizenzkosten nicht aus der Portokasse

Anders als früher hängt der Preis für die Softwarelizenz heute von der Rechnergröße ab. Ein Systemwechsel in eine höhere Klasse läßt sich daher kaum mehr aus der Portokasse finanzieren. "In der jetzigen Gruppeneinteilung schlagen die Lizenzkosten beträchtlich zu Buche, da sind statt 1 Million Mark schnell 1,8 Millionen Mark Lizenzkosten fällig", verdeutlicht der IT-Verantwortliche eines Fertigungsunternehmens.

Im Gegensatz zu den Anwendern sind die Hardwarehersteller den Analysten zufolge nicht daran interessiert, die Lizenzgebühren zu senken. IBM und Co. hoffen durch höhere Einnahmen für Dienstleistung und Softwarelizenzen den Umsatzschwund im Hardwaresektor zu kompensieren, äußert Thomas. Big Blue sei hier gegenüber den PCMern jedoch deutlich im Vorteil, da diese bekanntermaßen mit der proprietären IBM-Software arbeiten müßten und daher kaum eigene Softwareeinnahmen hätten. Die PCM-Anbieter sind also hauptsächlich vom Hardwareumsatz abhängig, womit sich die Branchenflaute für sie ungleich schwieriger darstellt.

"Die PCMer haben einen Nachteil: Sie verkaufen einzig über den Preis", erklärt der Frankfurter Marktbeobachter. Dies war zwar immer schon so, doch mittlerweile ist das Geschäft noch härter geworden ist. Neben Amdahl, Comparex, HDS und Olivetti nimmt nämlich seit einiger Zeit mit der IBM ein übermächtiger Gegner am Preiskampf teil. "Der PCMer ist sehr gefährdet", warnt Steuernagel. "Die IBM läßt sich seit rund zwei Jahren nicht mehr bieten, was die PCMer im Markt machen und möchte sich keine Marktanteile abnehmen lassen. Deswegen haben die Armonker zwar noch Listenpreise, aber danach wird nicht mehr vermarktet."

Preisnachlässe zwischen 30 und 50 Prozent seien nicht mehr ungewöhnlich, äußert Arno Lutz, DV-Leiter der LVM Versicherung. Wie im Versicherungsbereich üblich, leasen die Münsteraner aus steuerlichen Gründen nicht, weil Leasingkosten in die Gewinnermittlung einfließen, der die Prämienberechnung zugrunde liegt. Um günstiger kalkulieren zu können, werden die Rechner bei den Versicherungen gekauft und im Anlagevermögen geführt. "Heute kann man mit der IBM durchaus über Neugeräte verhandeln", freut sich Lutz.

Früher diktierte Big Blue die Marktpreise, die Verhandlungsspielräume waren gering, berichtet Thomas. Und auch der Comparex-Pressesprecher Gunter Wolf erinnert sich an bessere Zeiten. Wolf: "Uns überrascht die Schärfe, mit der IBM heute agiert. Früher hat uns die IBM auch einmal einen Kunden überlassen, doch heute ist das anders."