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14.09.1990 - 

Strategisches Management im mittelständischen Unternehmen

Die meisten Manager können Wesentliches nicht erkennen

97 Prozent aller mittelständischen Unternehmen mit bis zu 500 Mitarbeitern praktizieren kein "Strategisches Management". Die drei Prozent, die ihr Unternehmen mittel- und langfristig planend führen, erzielen im Vergleich zu den anderen Firmen 46 Prozent mehr Gewinn. Diese bessere Gewinnsituation ist nach Ansicht von Josef Schmidt* eindeutig auf vorausschauende Betriebsführung zurückzuführen.

*Josef Schmidt ist geschäftsführender Gesellschafter der Josef Schmidt Colleg GmbH, Bayreuth; die Zahlen beruhen auf seinen Ermittlungen.

Will man einen Unternehmer dazu ermuntern, strategische Management-Programme zu entwickeln, so kann man es nur, wenn er sieht, daß sich mittels einer gutgeplanten Unternehmensführung Probleme lösen lassen. Die drei häufigsten Management-Fehler sind:

1. Unternehmer und leitende Angestellte lassen sich zu sehr von den täglichen Routineaufgaben verschleißen.

Dieser Management-Fehler, den fast alle Unternehmer begehen, ist zugleich Grundlage für andere Management-Fehler. Als Beispiel sei das Problem der sogenannten Rückdelegation genannt. Mitarbeiter delegieren dabei ständig und immer wieder Aufgaben an die Unternehmensleitung zurück.

Nach einem oft umfangreichen Gespräch lautet die Aussage des Vorgesetzten dann häufig: "Lassen Sie dies oder jenes mal da, ich mache das schon" oder "Ich komme wieder auf Sie zurück." Häufig läßt sich dann der Unternehmer von diesen Aufgaben verschleißen. Es ist eine bekannte Tatsache, daß ein derartiges Management - man kann es auch "Management by Gelegenheit" nennen - sehr häufig das Unternehmen und damit auch viele Arbeitsplätze gefährdet.

2. Unternehmer lassen dem Mitarbeiter zuwenig Zeit, vorhandene Unternehmensziele zu realisieren.

Das bedeutet, daß der Unternehmer ständig neue Dinge in das Unternehmen einbringt in der Absicht, das Ergebnis zu verbessern. Was er damit verursacht, ist nichts anderes als Widerstand beim Mitarbeiter. Dieser Management-Fehler bewirkt, daß neue Ideen und Ziele nicht selektiert und in vernünftige Pläne umgesetzt werden, um sie so den Mitarbeitern verständlich und plausibel zu machen.

3. In der Führung passieren viele Fehler.

Und die zwei größten Mängel sind hier, daß Vorgesetzte ständig andere verändern wollen, aber auch viel zuviel beim Mitarbeiter an Informationen und Wissen voraussetzen.

Welches sind nun die Hauptaufgaben eines Unternehmers?

Die erste und wichtigste Hauptaufgabe ist Findung und Beschreibung der lang-, mittel- und kurzfristigen Unternehmensziele. Schon der Koran sagt dazu: "Wer das Ziel nicht kennt, für den ist kein Weg der richtige."

Die zweite Hauptaufgabe besteht darin, das Unternehmen so zu führen, daß mit dem geringsten materiellen Aufwand die gesetzten Ziele erreicht werden. Dazu gehört, daß das Kommunikationssystem funktioniert, das alle Schwächen, aber auch alle Stärken des Unternehmens transparent macht.

Die dritte Hauptaufgabe lautet, die zur Realisierung der Ziele notwendigen Mitarbeiter auszuwählen, zu führen und zu motivieren. Karl H. Liebknecht schrieb dazu einmal in "Blick durch die Wirtschaft": "Viele Manager beherrschen ihr fachliches Metier hervorragend, sind geachtete Spezialisten. Nur eines können sie nicht genug: führen, also das Wesentliche erkennen, planen, Prioritäten setzen und Ziele vorgeben, Mitarbeiter motivieren und Leistungen kontrollieren."

Eine andere Publikation stellte nach einer großen Umfrage fest, daß die Leitenden und Unternehmer in den 90er Jahren besonders das Führen lernen müßten. Dies sei - so hieß es wichtiger als Weiterbildung in fach- und sachbezogenen Bereichen.

Hauptaufgabe vier heißt: Prüfung, ob und wie das gesetzte Ziel erreicht wird beziehungsweise wurde. Dazu ist selbstverständlich ein gutes Controlling im Unternehmen notwendig.

Diese vier Hauptaufgaben eines Unternehmens kann man in Beziehung setzen zu einem Zitat der russischen Philosophin Ayne Rand. Sie emigrierte 1934 in die USA und schrieb dort einen Roman mit dem Titel: "Atlas wirft die Welt ab." Eine ihrer Grundaussagen enthält folgenden Satz: "Es gibt im Leben nur zwei Sünden: Zu wünschen, ohne zu handeln, und zu handeln ohne Ziel." Und gerade letzteres wird sehr häufig in der Unternehmensführung praktiziert: Es wird viel gearbeitet, aber es fehlt sehr häufig die Ausrichtung auf Ziele.

Wie wichtig ein gutes, zielgerichtetes Management jedoch ist, brachte Robert S. McNamara so zum Ausdruck, "Das Management ist die schöpferischste aller Künste; es ist die Kunst, Talente richtig einzusetzen."