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13.11.1987

"Die Menschlichkeit muß erhalten bleiben"

Mit Dr. Werner Marzin, Hauptgeschäftsführer der Münchener Messe- und Ausstellungsgesellschaft mbH, sprach CW-Redakteurin Beate Kneuse

- Wenige Wochen vor Eröffnung der Systems ist bekannt geworden, daß die Messe in den neunziger Jahren nach München-Riem auf das Gelände des heutigen Flughafens umziehen wird. Können Sie schon etwas über den genauen Zeitpunkt, über die Größe des Geländes und über die anfallenden Kosten sagen?

Die Initiative, einen neuen Messestandort zu finden, ist bereits im Jahr 1985 eingeleitet worden. Ich hatte damals Gelegenheit, das Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofes einzusehen, das ja nach vielen Unruhen und Debatten den Bau des Großflughafens München II (Erding) endgültig billigte und damit Riem für eine neue Nutzung öffnete. In Riem wiederum sah ich eine große Chance für den Bau eines neuen internationalen Messegeländes, was mich veranlaßte, mit entsprechenden Vorschlägen an alle relevanten Vertreter unserer Gesellschaft und politischen Persönlichkeiten des Freistaates Bayern sowie der Stadt München heranzutreten. Nach monatelangen Diskussionen ist schließlich entschieden worden, daß in Riem ein modernes internationales Messegelände gebaut werden soll; allerdings mit der Auflage, daß das Messegelände

auf der Theresienhöhe nicht vollständig aufgegeben wird. Zumindest die neuen südlichen Hallen 23 bis 25 die erst 1983 in Betrieb genommen wurden und eigentlich ein kleines Messegelände für sich darstellen, sollen für einen bestimmten Übergangszeitraum ab "Indienststellung" des neuen Messegeländes für kleinere Messen genutzt werden. In Riem werden wir nach dem heutigen Stand der Dinge vorerst über eine Hallenfläche von 140 000 Quadratmetern verfügen, die sich aber bis auf 200 000 erweitern laßt. Damit werden von insgesamt 400 Hektar rund 80 Hektar für das Messegelände genutzt. Der Baubeginn ist für das Frühjahr 1991 geplant, die Fertigstellung beziehungsweise Inbetriebnahme für 1995. Über anfallende Kosten kann ich zum jetzigen Zeitpunkt jedoch nichts sagen, da die Detailplanungen noch nicht vorliegen.

- Welche messepolitische Bedeutung hat die Vergrößerung des Messegeländes?

Unsere Messepolitik geht schon seit Jahren in Richtung Vollständigkeit des Angebotes. Das bedeutet: Internationale Marktveranstaltungen müssen immer weiter wachsen, weil nur ein international vollständiges Angebot eine international relevante Nachfrage auslöst, seien es Hochtechnologie- oder Investitions- oder Konsumgütermessen. Mit dem Messegelände auf der Theresienhöhe jedoch können wir der tendenziellen Vergrößerung, auch unter dem Aspekt der Erklärungsbedürftigkeit der Produkte, mittelfristig gesehen nicht mehr Rechnung tragen. Nahezu alle unsere Messen haben Wartelisten. Selbst mit Maßnahmen wie der freiwilligen Standbegrenzung zum Beispiel auf der Systems ist diesem Problem nicht mehr beizukommen. Außerdem gibt es Messen, auf denen Standbegrenzungen nicht möglich sind. Dadurch laufen unsere Ausstellungen Gefahr, nur noch Teilmärkte abzudecken und damit das Interesse und die Akzeptanz zu verlieren. Hinzu kommt, daß wir in bezug auf Terminänderungen, wie etwa bei Konsumgütermessen häufig der Fall, nicht mehr reagibel sind weil unser Messegelände zu klein und zu häufig ausgebucht ist. Auch sind die Umbauzeiten zu knapp, was sich gerade bei Hochtechnologiemessen wie etwa der Systems ungünstig auswirkt, weil Auf- und Abbau der Geräte viel Zeit in Anspruch nehmen das Personal vor Ort geschult werden muß und ähnliches Deshalb brauchen wir ein größeres Messegelände.

- Stichwort Standbegrenzung: Kann man davon ausgehen, daß derartige Maßnahmen aufgehoben werden, wenn Ihnen mit dem neuen Messegelände doch sehr viel mehr Platz zur Verfügung steht?

Ich gehe davon aus, daß die Standbegrenzung auch für die Zukunft Bestand haben wird. Schließlich haben wir diese Maßnahme schon zu Zeiten eingeführt, als noch genügend Ausstellungsfläche zur Verfügung stand. Natürlich hält das größere Gelände neue Möglichkeiten bereit, so daß sich in dieser Hinsicht sicherlich eine gewisse Lockerung ergeben wird. Dennoch geht es uns in erster Linie darum, Wartelisten abzubauen und auch wieder eine verstärkte Ausstellerwerbung betreiben zu können. Darüber hinaus glaube ich, daß die steigende Zahl von Messen vor allem die Großen der DV-Branche zu einem verstärkten Kostendenken zwingen wird. Dies allein wird der Größe von Ausstellungsständen mehr und - mehr eine natürliche Grenze setzen.

- Schon anläßlich der Systems 1983 haben Sie gesagt, daß sich die Münchener Messegesellschaft gegen jede Art von Messe-Gigantismus wehre. Gehen Sie aber mit dem neuen Messegelände nicht genau in diese Richtung?

Keineswegs. Schließlich werden wir mit dem neuen Gelände in Riem unter den fünf größten bundesdeutschen Messegesellschaften von der Fläche her immer noch auf Platz 4 liegen - etwas vor Düsseldorf, aber noch weit hinter Hannover, Frankfurt und Köln. Dies ist auch gut so, denn die Menschlichkeit einer Messe muß erhalten bleiben. Andererseits wird ein Messebesucher nie das gesamte Ausstellungsangebot besichtigen, ganz gleich, ob er zur Systems, zur Modewoche oder zur ispo geht. Aber er verlangt natürlich das Komplettangebot - ähnlich wie der Gast eines 5-Sterne-Hotels, der Swimmingpool und Sauna erwartet, obwohl er beides aus Zeitgründen nicht benutzen kann.

- Abschließende Frage: Glauben Sie, daß Sie mit Ihren Messekonzepten auch in Städten erfolgreich wären, die nicht solch eine Attraktivität aufzuweisen haben wie München?

Sicherlich läßt sich nicht leugnen, daß München eine schöne Stadt ist. Hinzu kommt, daß München eine außerordentlich leistungsfähige Hotellerie und Gastronomie sowie auch gute innerstädtische Verkehrsverbindungen hat. Wesentlich entscheidender sind jedoch das Konzept, die technisch-organisatorischen Rahmenbedingungen und die Infrastruktur. Gerade hinsichtlich der Infrastruktur erwarten wir durch den neuen Flughafen eine wesentliche Verbesserung, wenn dann nämlich der gebrochene Flugverkehr bei Interkontinentalflügen über Frankfurt oder auch Düsseldorf weitgehend eingedämmt sein wird. Darüber hinaus haben heutzutage lokale oder überregionale Überlegungen, wie etwa Nord-Süd-Gefälle im Messewesen, keine Berechtigung mehr: Wir sind einfach als Messeplatz Bundesrepublik Deutschland gut.