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09.06.2005

Die Meta Group gibt es nicht mehr

Gartner hat den Konkurrenten vollständig integriert und will mit Consulting-Aufträgen wachsen.

Gut zwei Monate nach der Übernahme der Meta Group gewährte die deutsche Geschäftsführung des Marktforschungs- und Beratungshauses Gartner erstmals einen Blick in die künftige Marschrichtung des Unternehmens. "Das internationale Management hat Deutschland als einen von drei strategischen Märkten definiert. Ein Grund - sicher nicht der einzige - für die Akquisition war, dass die Meta Group über eine sehr gute Marktpräsenz in Deutschland verfügte", erläutert Tobias Frydman, Vice President und Country Leader bei der Gartner Deutschland GmbH in München.

Gemeinsam werde man die lokale und vertikale, also an Branchen ausgerichtete Marktforschung vorantreiben. Zudem wolle man im hiesigen Consulting-Bereich bis zum Jahresende deutlich zulegen. Genauere Angaben machte Frydman nicht, nur soviel ließ er sich entlocken: "Im Consulting-Bereich sehen wir signifikantes Wachstum. Für das gesamte deutsche Geschäft streben wir eine Zuwachsrate im deutlich zweistelligen Prozentbereich an." Wie jedes börsennotierte US-amerikanische Unternehmen geizt Gartner mit Details über lokale Aktivitäten.

Zumindest was die Meta-Group-Integration betrifft, gibt sich auch das internationale Gartner-Management sehr zugeknöpft. Das US-amerikanische Marktforschungshaus Outsell schätzt, dass Gartner weltweit 40 Prozent der Meta-Group-Analysten aussortiert hat. Auch in Deutschland wurde entlassen: Vor dem Merger beschäftigte Gartner hierzulande rund 80 Mitarbeiter, die Meta Group hatte 55 Experten in Lohn und Brot. "Wir haben in Deutschland über 100 Beschäftigte. Nicht jeder Mitarbeiter wollte den Wandel mittragen", erläutert Frydman.

Die verbliebenen Angestellten sollen den weltweiten Jahresumsatz 2005 auf bis zu einer Milliarde Dollar hochschrauben. Im vergangenen Jahr beliefen sich die Einnahmen von Gartner auf 894 Millionen Dollar, die Meta Group zählte zum Jahresende rund 141 Millionen Dollar in den Kassen.

Damit bestätigt sich die schon Anfang des Jahres von vielen Marktbeobachtern geäußerte Einschätzung: Gartner kauft Umsatz, Marktanteile und Kunden, denn das Angebotsspektrum wurde mit der Akquisition kaum erweitert. "Für jedes andere IT-Research-Haus wäre die Meta-Group-Übernahme ein strategischer Schritt gewesen", schrieb im vergangenen Januar der US-amerikanische Online-Dienst "The Industry Analyst Reporter". "Für Gartner war es eine taktische Entscheidung." Der Name Meta Group wird nicht mehr weitergeführt.

Doch Gartner konnte das Portfolio immerhin aufwerten. "Meta war sehr stark in den Consulting-Bereichen Utility, Security sowie Enterprise Planning and Architecture Strategy. Andere Segmente werden wir gemeinsam neu aufbauen", kündigte Frydman an. Welche Meta-Group-Produkte hingegen eingestellt werden, ist noch nicht klar. Die Marktbeobachter von Outsell sahen die Meta Group zudem sehr gut in den Branchen Versicherungen und öffentliche Hand aufgestellt. Außerdem verfügte der übernommene Anbieter über attraktive Kapazitäten in Großbritannien und Deutschland.

Fortschrittlicher zeigte sich die Meta Group auch im Benchmarking-Sektor. Während Gartner überwiegend Kostenanalysen betrieb, bot die Meta Group den Kunden das Price-Benchmarking für IT-Services an. Dieser kleine Unterschied ist vor allem für Kunden wichtig, die vor einer Outsourcing-Entscheidung stehen, und die intern erbrachten Leistungen mit externen Diensten vergleichen möchten. "Die Modelle ergänzen sich", behauptet Lutz Peichert, Ex-Meta-Group-Berater und heute als Vice President Consulting bei Gartner tätig. "Wir haben in den vergangenen Jahren immer wieder auf Outsourcing-Kunden eingewirkt, Benchmarking-Klauseln in ihre Verträge aufzunehmen. Jetzt kommen die Vereinbarungen zum Tragen, und wir profitieren von der Arbeit der vergangenen Jahre."

Deutschland-Chef Frydman zufolge konnte der Consulting-Bereich von Gartner auch in den vergangenen Jahren deutliches Wachstum vorweisen. In Zeiten hohen Kostendrucks bei den Anwenderunternehmen waren die Benchmarking-Dienste gefragt. Grundsätzlich teilt Gartner die Projekte in taktische und strategische Consulting-Aufgaben ein. Zur letzteren Kategorie zählen Kundenprojekte, in denen Gartner mit Fragen konfrontiert wird, ob ein Unternehmen auslagern soll und wie die IT-Organisation die Geschäftsziele am besten unterstützen kann. In taktischen Vorhaben definiert Gartner zusammen mit den Kunden Service-Level-Agreements im Outsourcing und übernimmt das Partner-Management.

Dabei können die Berater auf das Know-how der Analysten bauen, denn durch ihre Recherchen kennen die Consultants die Stärken und Schwächen der Anbieter. Während die Analysten in ihrer Advisor-Rolle strategische Grundlinien und langfristige Marktentwickungen aufzeichnen, ist es Aufgabe der Consultants, aus den Erkenntnissen der Marktforscher die individuelle IT-Strategie der Anwenderunternehmen auszuarbeiten und sie in der Entscheidungsfindung, der Umsetzung und der Argumentation gegenüber den Fachabteilungen und Vorständen zu unterstützen. "Mittlerweile sind die meisten IT-Organisationen sehr effektiv aufgestellt", erläutert Dück. "Nun droht die Gefahr der Überoptimierung." Kollege Peichert ergänzt: "CIOs brauche oft Hilfe, um den Wert der IT für das Geschäftsmodell darzustellen. Vielleicht ist es bereits wieder sinnvoll, in IT zu investieren, um einen Wettbewerbvorteil im Kerngeschäft zu erzielen."

Derartige Hilfestellung können Anwenderunternehmen auch von anderen IT-Beratungshäusern wie Accenture, Capgemini, Bearingpoint und IBM erwarten. Gegenüber Gartner haben diese Anbieter den Vorteil, den Kunden auch Lösungsvorschläge zu unterbreiten und die Vorhaben mit eigenen Mitarbeitern und Produkten zu implementieren. Die Gartner-Consultants vertrauen auf ihre Unabhängigkeit: "Unser Alleinstellungsmerkmal ist, dass wir keine Produktbindung haben", bekräftigt Peichert. "Unsere Berater kommen allesamt aus der Praxis und habe zumeist mehr als 15 Jahre Berufserfahrung und liefern umsetzbare Vorschläge". Dieses Angebot hat seinen Preis - Gartner gilt als Apotheke der Branche. "Wer in einem Beratungsprojekt lediglich klären möchte, welche LAN-Komponente er seinem Netzwerk einsetzen soll, ist bei uns an der falschen Adresse", räumt Dück ein. "Diese Frage könnten wir zwar auch beantworten. Für diese Aufgabenstellung allein sind wir aber zu teuer."