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08.08.1997 - 

Object World geht in Comdex Enterprise auf

Die Microsoft-Gegner verheiraten Java und Corba

"Die Object World ist ein Opfer ihres Erfolgs", erklärt Chris Stone, CEO der Object Management Group (OMG), die Entscheidung der Veranstalter, das Treffen künftig unter der Bezeichnung "Comdex Enterprise" stattfinden zu lassen. Seit die Verwendung von Objekten zur Mainstream-Technik geworden sei, habe eine Technologieveranstaltung zu dem Thema ebensowenig Sinn wie eine zu Software allgemein.

In dasselbe Horn stieß John Slitz bei seinem letzten öffentlichen Auftritt als IBM-Manager: "Corba spielt für unternehmensweite DV eine ebenso wichtige Rolle wie Windows am Desktop." Dieser von der OMG geschaffene Middleware-Standard sei das bislang geeignetste Instrument, die weltweit einem Gegenwert von rund neun Billionen Mark entsprechenden Software-Installationen der Anwender zu schützen. Mit Corba ließen sich Mainframe-, Unix- und Windows-Programme objektorientiert ummanteln, so daß sie alle in gleicher Weise behandelt werden könnten.

Tatsächlich haben Corba und die objektorientierte Programmiersprache Java die diesjährige Veranstaltung dominiert. Daher wird die Comdex Enterprise im nächsten Jahr mit Suns Anwenderkonferenz Java One zusammengelegt. Microsoft hatte - wie auf den meisten Objektmessen - auch auf dieser Veranstaltung wenig zu melden. Unter Entwicklern gilt sein Distributed Common Object Model (DCOM) für heterogene Umgebungen nach wie vor gegenüber Corba als nicht ebenbürtig.

Unklar ist, wieweit die technisch durchaus begründbare Spaltung in Microsoft- und OMG-Techniken nicht Ausdruck einer ideologischen Auseinandersetzung ist. So war die Object World ursprünglich eine Veranstaltung des Microsoft-Konkurrenten OMG, der sie allerdings im vergangenen Jahr an den Messespezialisten Softbank Comdex Inc. abtrat. Dies geschah nicht zuletzt, um Microsoft geneigt zu stimmen, sich stärker für offene Objektstandards zu engagieren. Bislang hat sich die Gates-Company jedoch allen Avancen der Standardisierungsorganisation widersetzt.

Auf die Gefahren einer Polarisierung wies insbesondere Bill Coleman, CEO des Transaktionsspezialisten Bea Systems, hin: "Es könnte zu einer Schlacht zwischen Unix und Windows NT kommen, die Microsoft wahrscheinlich gewinnen würde." Damit spielte er auf die Pläne der Gates-Company an, das Objektlager mit eigenen, auf Windows-Plattformen besonders leistungsfähigen Java-Techniken zu spalten.

Diese nachdenklichen Töne hinderten die Besucher der Object World jedoch nicht daran, Corba und Java als ideales Paar zu feiern. Auf der Messe in San Franzisko gingen Hersteller und Anwender davon aus, daß beide Techniken in spätestens zwei Jahren nicht mehr unterscheidbar sein werden. So teilte etwa die IBM mit, daß der C++-Code des "CB Connector Object Request Broker" derzeit durch Java ersetzt werde. Als einziges Hindernis bei der von allen gewünschen Liebesheirat gilt Brautvater Sun Microsystems. Er kann sich offensichtlich nicht von seinem bislang unbegrenzten Einfluß auf Java trennen. Bisher habe man sich jedoch immer einigen können, so Corba-Vater Stone.

Es gibt allerdings auch Kritiker an einer zu engen Verbindung der beiden Techniken. So sieht Ionas Cheftechniker Annrai O'Toole die Gefahr, daß eine Java-Ausrichtung die prinzipelle Sprachunabhängigkeit von Corbas Schnittstellen-Definition (Interface Definition Language = IDL) zerstören könnte. Gerade in heterogenen Systemen, in denen Corba seine Stärken ausspiele, sei manchmal eine hardwarenähere Programmierung etwa in C++ angebracht.