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17.06.1988 - 

Der MlPSe im Abteilungsbereich können nicht genug sein:

Die Mikros treten den Profis auf die Zehen

* Horst-Joachim Hoffmann ist freier DV-Fachjournalist in München.

Von Horst-Joachim Hoffmann *

Die Lücke zwischen Personal Computing und "Work Group Computing" wird immer kleiner, sowohl was die Hardware-Basen als auch was die Anwendungen anbelangt. So sind auf der Seite der Hardware in den letzten Jahren 32-Bit-Chips und damit bestückte Mikrorechner auf den Plan getreten, deren Leistungsfähigkeit noch zu Beginn der Dekade jedem Supermini zur Ehre gereicht hätte.

Dem entsprechen softwareseitig immer komplexere Anwendungen, zum Teil unter Multitasking-Betriebssystemen und mit einer Tendenz auch zum Multiuser-Betrieb. Droht den Abteilungsrechnern Konkurrenz durch die Super-PCs?

Die Domäne, in die der Mikro aufbricht einzudringen, ist klar umrissen. Zur Aufgabe im neuen Job nach der Beförderung gehören last but not least Support der angeschlossenen Arbeitsplätze, die Netzwerkversorgung zum Host und die Verbindungssteuerung zum gleichrangigen Nachbarn oder der Welt durch postgestützte Dienste wie E-Mail oder Telefax.

Technik und Verwaltung trennen (Rechner-)Welten

Das große Problem, mit dem die Unternehmen heute heftig kämpfen, läßt sich auf einen Buchstaben beschränken: "1", wie "Integration". Die Verbindung zwischen - simplifiziert - technischem und kommerzielladministrativem Sektor eines Produktionsbetriebes jeglicher Couleur wird mehr durch Inhalte denn durch die Hardwaretechnik problematisch. Berechnungskomplexität, im CAD-Bereich der Griff zum Pixel, schafft zwei Welten, zwischen denen reines "Datenschaufeln" gar nichts bringt. Entsprechend unterschiedlich sind auch die Anforderungen an die Rechner, Betriebssysteme und die Software.

Haben sich auf technisch-wissenschaftlichem Gebiet die Minis, Super-Mikros und Workstations etabliert, so ist der kommerzielle Sektor von auf die PC-Schiene eingeschwenkt und nutzt Leistungssteigerung und Miniaturisierungstechnik.

Aber - auch im Bereich der Technik und der Wissenschaft ging es rechnermäßig sprunghaft aufwärts; parallel stiegen die Anforderungen der User.

Zur Definition einer Workstation, die als Rechnerspezies in diesem Sektor durchaus Furore machte, galten noch bis vor wenigen Jahren die aus den USA importierten "5 Ms": 1 MIPS (Million Instructions per Second), 1 Megabyte Arbeitsspeicher, 1 Million Bildpunkte auf dem Grafikbildschirm, 1 Megabyte pro Sekunde zur Datenübertragung und die Multi-Window/Multi-Tasking-Technik. Experten sprechen allerdings von einer zwischenzeitlichen Steigerung dieser Eckwerte um den Faktor 10.

Als Betriebssystem für diese Rechner - fast schon als Standard ähnlich MS-DOS im Mikrosektor - zählt Unix zu den Favoriten. Ausgehend von der Multiuser/Multitasking-Fähigkeit könnte sich Unix auf dem PC in Abteilungsrechnerfunktion etablieren; dies sei aber problematisch, so meinen Experten, denn Unix habe doch einen sehr großen Overhead. Zuviel Kapazität müsse dann zur Verwaltung des Betriebssystems bereitgestellt werden. Doch auch Betriebssysteme wie Prologue sind für Mikros überdenkenswert.

Eine weitere Alternative stünde mit PC/MOS-386 zur Verfügung, meint Karl Heinz Rinscheid von der Adcomp GmbH aus München. Dieses Multitasking-Betriebssystem nützt den 386-Chip - der, wenn überhaupt, von der Größenordnung her als Basis eines PC-Abteilungsrechners in Frage kommt - recht gut aus. Unter diesem Betriebssystem können mehrere verschiedene DOS-Tasks gefahren werden. Das Betriebssystem sei sogar schon so ausgegoren, daß von Absturz und Warm-Boot eines Tasks die anderen unberührt bleiben.

Auch OS/2 ist für diesen Bereich in Zukunft nicht uninteressant, wobei auch Fachleute sich derzeit mangels konkreter Facts noch nicht eindeutig über die Leistungsfähigkeit dieses Newcomers im Abteilungsrechnereinsatz äußern möchten. Hoffnungen, SO/2-Maschinen schafften den Sprung in Leistungsklassen, die bislang größeren Maschinen vorbehalten waren, werden jedoch allerorts gehegt. Dennoch, die Faszination, mit der auf OS/2 geschaut wird, wirke wohl auch hemmend, meinen Insider - die Entscheidungsträger warten ab, was IBM und Microsoft denn nun wohl noch aus ihrem OS/2-Hut ziehen werden. Unternehmensentscheidungen, die heute eigentlich schon realisierbar wären, würden dadurch blockiert, aber auch Hersteller hielten mit guten, aktuellen Neuprodukten auf heutiger Basis hinter dem Berg.

Die Technik an sich sei nicht mehr das Problem, erläutert Wolfgang Roblick, Leiter Zentrales Marketing der Stollmann GmbH aus Hamburg. Es gebe bereits eine ganze Reihe Mikros, die in ihren Leistungsmerkmalen über der oben erwähnten 5M-Regel in ihrer ursprünglichen Ausführung liegen. Add-on-Karten können hier sogar zusätzliche Kapazität schaffen. Es bleibt die Frage, ob die Software diese Hardware-Power letztendlich unterstützt, etwa zum Beispiel MS-DOS in der Lage sei, eine Karte, die den Mikro auf 800 mal 600 Bildpunkte hochfährt, korrekt und schnell abarbeiten kann.

Ein Schlenker zu den Prozessoren: Fachleute sind sich einig, daß der Mikro in der neuen Aufgabenwelt ein 32-Biter sein sollte. Intels 80386 ist wegen der Möglichkeiten bei MS-DOS, OS/2 und Unix fast automatisch ein Favorit, Motorolas 68xxx wegen seines Einsatzes mit dem VME-Bus ebenfalls. Ein 286er dagegen sei in der Regel überfordert. Mit Windows und Anwendungen haben schon die 32-Biter alle Hände von zu tun.

Medienübergänge gestalten Netzeinbindung kompliziert

Der Griff ins hohe Regal der echten Workstations ß la Sun oder Apollo ist also nicht mehr unbedingt vonnöten, dafür erfordert aber die Glättung und Einbindung in das neue Aufgabengebiet vorerst erhöhten Aufwand. Medienübergänge mögen hier als Schlagwort dienen.

Das ISDN-Umfeld bietet sich in diesem Kontext für Hersteller geradezu an, etwas zu tun - denn eine Aufgabe des PC in Abteilungsfunktion ist wie erwähnt der Brückenschlag nach draußen.

So wird beispielsweise eine Karte angeboten, die eine erste Trägerplatform für den Anwender bedeutet. Vereint werden auf solch einer Karte der digitale Telefonteil und Aspekte der Emulationswelt, also der Datenkommunikation.

High-end-PCs eignen sich für Gateway-Funktionen

Mit entsprechenden Interfaces, die Codes "nach oben" durchreichen können, um sie auf einer entsprechenden Programmierebene sinnvoll zu verarbeiten, bietet sich schon heute ein mächtiges Organisationsmittel an. Dienste, die entweder in der Datenwelt, der Netzwelt oder der Nebenstellentechnik liegen, können so schon kombinatorisch bearbeitet werden - Stichwort: Aufgaben eines Abteilungsrechners.

Die Hersteller dieser und ähnlicher Produkte setzen auf den PC; er wird

vordergründig als Arbeitsplatz aufgewertet. Zur Beförderung zum Abteilungsrechner fehlen dann noch die Dienstfunktionen. Sollen Gatetway-Arbeiten übernommen werden, eignet sich auch ein größerer PC; für andere Fälle empfiehlt sich eventuell ein dediziertes System in Kopplung beispielsweise mit einer PABX-Maschine.

Harmonisierung heißt hier das Gebot der Stunde. Experten kritisieren, daß reine Workstations allzuleicht in eine bestimmte Ecke gedrängt werden - CAD oder jetzt Desktop-Publishing. Allgemeingültiges falle dabei oft unter den Tisch.

Benutzerkomfort verlangt hohe Rechenleistungen

"Der MIPSe können nicht genug sein", wünschen sich die Praktiker. Betriebssysteme wie OS/2 oder Bildschirmmanager aller Art fressen Rechen- und Speicherkapazität en masse. Je einfacher die Bedienung und das lnterface für den Benutzer sein soll, desto mehr ist für den Power-Overhead Sorge zu tragen.

Letztlich entscheidend für den Einsatz eines traditionellen Abteilungsrechners wie des Nixdorf 8870 oder des IBM 9370, einer Workstation ß la Sun oder Apollo, eines 32-Bit-PCs oder der Kombination der Komponenten für "departmental tasks" ist immer noch die Anwendung.

Die klassischen Workstations sind heutzutage wohl im CAD/CAM- oder DTP-Einsatz zu finden, tatsächlich aber drückt der Schuh des Anwenders im, datenverarbeitenden Alltagsgeschäft. Sun und Apollo als Vertreter der Workstation-Szene bieten einen bestimmten Scherenschnitt an Funktionalität in einem Marktsegment, klassische Abteilungsrechner ß la Nixdorf/IBM den anderen, Mikros nun den Dritten.

Verfechter der Workstation-Lösung verweisen gern auf Vorteile dieser quicken Rechner - in MIPS-Stärken bis zu 100 für die nahe Zukunft wird geschwelgt. Display-Management, Window-Technik, Unix-Tools und Grafik-Shells werden ebenso wie Netzwerk-Handlingfähigkeiten als positiv ins Feld geführt. Auch Gateways zu den populäre

Protokollen sind durchwegs realisiert.

Neutrale Spezialisten allerdings sehen in Zukunft Vermischungstendenzen im Funktionalitätsbereich, in denen auch der Mikro seine neue Rolle hat.

Für jede Betriebsstruktur das passende Rechnerkonzept

Eine Zwei-Wege-Strategie schlägt Berater Dr. Ullrich Schedl, Geschäftsführer der ubs GmbH aus München, vor. Unternehmen, die stark im CAD-Bereich Aktivität entfalten wollen, und ganz am Anfang der Entscheidung stehen, sollten in Richtung "Workstation-Lösung" denken; sind allerdings PCs vorhanden und schon eingefahren, empfiehlt sich doch der Schritt zum klassischen Abteilungsrechner mit PC-Anschluß der Office-Arbeitsplätze.

Als echter "departmental proc" steht der PC noch nicht an erster Stelle, zeigt aber steigende Tendenz in dem Bereich. Die Grauzonen der Funktionalität und Aufgabenbereiche vermischen sich, die Herausforderung an die Hersteller verlagert sich zum Integrations-"I". Der Mikro als Abteilungsrechner ist hardwaretechnisch kein Problem, betriebssystemspezifisch auch nicht mehr - Interfaces sind gefragt.