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21.07.1978

Die Minis sind erwachsen geworden

Während der Universalrechner-Park schrumpft (CW-Nr. 29 vom 14. Juli 1978), vermelden die Minicomputer-Hersteller Installationsrekorde. So wuchs der weltweite Minicomputer-Bestand amerikanischer Hersteller im vergangenen Jahr (Stichtag 1.1.77 und 1.1.78) von 244 000 auf 317 000, wie die neueste IDC-Statistik ausweist (Quelle: IDC-EDP Industrie Report, 19. Mai 1978, Vol. 13, NR. 20 & 21). Noch werden die meisten Minicomputer nicht als "Prozent"-Rechner, sondern als "Prozeß"-Rechner eingesetzt.

Doch zwölf Jahre nach dem Erscheinen der ersten Minicomputer fühlen sich Hersteller wie DEC, Data General, Hewlett-Packard oder Prime stark genug, die Vormachtstellung der Mainframer in der kommerziellen Datenverarbeitung zu brechen. Dabei bleibt offen, ob diese Aufmüpfigkeit bloßes Vertrauen in die eigene Stärke ist oder durch die Zahnlosigkeit der Universalrechner-Hersteller provoziert wurde - wofür immerhin einiges spricht.

Fest steht: Die Minis sind ganz und gar nicht mehr "mini". Und so werden auf Minicomputern immer mehr Anwendungen gefahren, für die vor Jahren noch Universalrechner-Typen mit dreistelligen Modellbezeichnungen herhalten mußten. Ausgefuchste Anwender haben sich daran gewöhnt, in integrierten DV-Systemen Minicomputer-Hardware verschiedener Hersteller gemischt einzusetzen - sei es nun als Teile von Distributed-Processing-Netzen, als Front-End-Prozessoren zur Entlastung des Zentralrechners oder für interaktive Programmentwicklung.

Minicomputer sind sehr leistungsfähig und billig - zumindest, was das blanke Blech angeht. Die optimistischen Prognosen der Mini-Maker gehen so weit, daß sie - auf bestimmtem Märkten (siehe oben) - einen Durchmarsch der robusten Kompaktrechner ankündigen. Hier mag Wunschdenken - sprich "self-fullfilling prophecy" - im Spiele sein. Noch aber müssen sich die Minicomputer-Produzenten gefallen lassen, als Lieferanten "nackter" Hardware "bloßgestellt" zu werden. Oder sollte die Frage "Wie steht's denn mit der Software?" nicht mehr unter die Haut gehen?

Wie reagieren die so Attackierten? Sie betonen stereotyp, wie leistungsfähig ihre Realtime-Betriebssysteme seien - als ob das den Anwender mit "Nixdorf-Vergangenheit" interessierte.

User-Profis wird doch eher stutzig machen, daß hochempfindliche Timesharing-Operatingsysteme für vergleichsweise läppische kommerzielle Anwendungen mißbraucht werden. Wozu also die Interrupt-Freudigkeit, wenn dieser Vorteil für primitive "Commercials" sogar eher hinderlich Ist? Ein Eigentor? Sicherlich. Doch die Minicomputer-Hersteller können es verkraften: Cobol und Basic schaffen Ausgleich. Es ist schon erstaunlich, in welch kurzer Zeit Hochsprachen-Compiler entwickelt wurden, die das Vordringen der Minis in traditionelle Universalrechner-Märkte ermöglichen. Zudem können die Großen der Mini-Branche heute bereits Software-Tools zur Entwicklung, zum Testen und Pflegen von Programmen bieten, die vergleichbaren Produkten der Mainframer in nichts nachstehen - sie im Einzelfall auch schon mal übertreffen.

Nicht schlüssig ist, warum "Mini-Cobol-Compiler nicht gleich Mini-Cobol-Compiler ist" (die Gretchenfrage nach der "Portabilität") - wobei dieses Argument die "andere Seite" (IBM, Honeywell Bull, Siemens, Univac etc.) genauso trifft. Vorteile haben die Spätstarter auf dem Gebiet der Anwendungs-Programmierung: Sie können die Fehler vermeiden, die andere beim Design von Standards bereits gemacht haben. Und: Keine Batch-Tradition (Betriebssystem-Antiquariat) belastet die Entwicklungsarbeit.

Auch wenn's einige Mainframer nicht wahrhaben wollen: Die Minis sind erwachsen geworden.