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15.10.1993

Die Mittel heiligen die Mittel

Die Interaktionsmodelle objektorientierter und konventioneller Programme widersprechen einander diametral: Waehlt der Anwender prozedural programmierter Applikationen zunaechst eine Funktion, um dann die damit verbundenen Daten abzurufen, so entscheidet sich der Nutzer von OO-Anwendungen vorrangig fuer ein Objekt und erst im folgenden fuer die darauf anzuwendende Methode. Offenbar ist die letztgenannte Vorgehensweise nicht allen Betroffenen einsichtig. Jedenfalls erreichte uns kuerzlich der Hilferuf eines Stuttgarter EDV-Profis, den wir Ihnen nicht vorenthalten wollen:Kam doch neulich eine Kollegin in unsere Abteilung: ... dass unsere Programmiertechnik veraltet sei, unsere Funktionen fuer den Anwender nur Zwangsjacken, dass die Fackel der Erkenntnis hier nur spaerlich leuchte, dass man uns ein Licht aufstecken werde, jedem armen Leuchter einzeln. Kurz: dass die Welt aus Objekten be- und eine Goetterdaemmerung bevorstehe...!Was war geschehen? Objekt- orientierte Softwareentwicklung! Unsere Relationenmodelle, eben noch begriffliches Bargeld schlechthin, waren ueber Nacht zu falschen Fuffzigern geworden.Objekte! Objekte der Begierde? Wenn es nach der DV-Industrie geht, mit Sicherheit! Aber die Dinger sind weniger Objekt als vielmehr Quelle - staendigen Aergers naemlich, und das mit Methode! Anno tobak, als die Leute noch mit Gruenmonitoren arbeiteten, war das ungefaehr so: Man waehlte ein Programm aus und rief eine Funktion auf, mit der man dann einen ganzen Stapel gleichartiger Dinge erledigte, zum Beispiel Briefe schreiben.Nun ist das aber laut den Verfechtern der Objektorientierung etwas, was in natura gar nicht vorkommt (die Stapelverarbeitung jedenfalls). Dort greift man naemlich nicht erst nach dem Werkzeug, und arbeitet dann eine Anzahl gleichartiger Objekte ab, sondern man geht genau umgekehrt vor. Bei objektorientierten Programmen ruft man also nicht das Programm auf und laedt dann den Brief, sondern man laedt den Brief und der ruft dann das Programm auf.Im Klartext: Nicht mehr das Werkzeug steht im Vordergrund, sondern das Objekt. Eigentlich logisch! Frueher schaltete die Sekretaerin ja auch nicht die Schreibmaschine ein, um alsdann einen Briefbogen nach dem anderen damit zu bearbeiten. Vielmehr nahm sie ein Blatt Papier, wickelte eine Schreibmaschine drum und legte los. Bei allzuviel Tippfehlern konnte Sie den Brief jederzeit - Netzstecker ziehen - wegwerfen und sich einem anderen Objekt zuwenden.Boese Zungen koennten nun behaupten, nicht das Objekt, sondern das Individuum sollte in einer humanen Arbeitsumwelt im Vordergrund stehen. Doch auch in dieser Hinsicht kann der objektorientierte Alltag ueberzeugen: Hierarchische Firmenstrukturen gibt es nicht mehr: Es denkt nicht mehr einer fuer viele, sondern jedes Objekt (vielleicht sogar jedes Individuum) hat seine eigene Intelligenz. Hoffentlich. Ihr Ansgar Engelbart