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Anforderung an Speditionssoftware:

Die Module müssen noch besser parieren

07.09.1984

MÜNSTER - Flexibilität, Aufrüstung nach dem Baukastenprinzip und die Integration von verschiedenen Informationsbereichen sind die Hauptanforderungen an Softwarepakete für Speditionsbetriebe, die auf dialogorientierten Computersystemen laufen. Zu diesem Ergebnis kommt der geschäftsführende Gesellschafter der Orga-Soft Münster, Josef Nordhoff, bei einer Bestandsaufnahme der DV-Situation im, Transportverkehrswesen.

In weiten Bereichen der Verkehrswirtschaft ist das Wort "Liberalisierung" inzwischen zum Reizwort geworden. Eine kaum noch zu übersehende Zahl von wissenschaftlichen und sonstigen Darstellungen zum Thema "Logistik" erschien auf dem Markt. Auf vielen Verbandstagungen ist das Thema "Verkehrsmärkte im Umbruch - Chance und Risiko der modernen Spedition" ausführlich diskutiert worden. Wie im Speditions- und Transportgewerbe hat sich auch im Bereich der Datentechnik in den letzten Jahren ein Wandel vollzogen.

Mit dem Wechsel von stapelverarbeitenden Systemen zu Dialog-Computersystemen hat sich für die Softwarehersteller eine erheblich erweiterte und differenzierte Aufgabenstellung ergeben. Programmpakete von gestern bestanden in der Regel aus Programmen die man mehr oder weniger zeitkritisch nacheinander abarbeiten mußte; hierbei von den Programmen festgestellte Fehler wurden in Fehlerprotokolle geschrieben, die im Anschluß wieder zur Korrektur erfaßt wurden. Die Programme waren in der Regel nicht modular aufgebaut, das heißt, es gab nur in sich abgeschlossene Systeme.

Mit den Dialog-Computersystemen veränderte sich das dargestellte Anforderungsprofil elementar, denn Dialogverarbeitung bedeutete plötzlich fast die "Umkehrung' der bisherigen Anforderungen. Zu den Aufgaben, die eine "qualifizierte" Speditionssoftware übernehmen sollte, gehört heute unter anderem die sofortige Durchführung von Prüfungen, die sofortige Fehlerkorrektur und die Durchführung aller Verwaltungsarbeiten im direkten Dialog.

Vielfach wurde versucht, die bestehenden Stapelverarbeitungsprogramme um dialogorientierte Elemente zu erweitern. Programmsysteme wurden modifiziert und in Richtung Dialog angepaßt. Diese veränderten Programmlösungen konnten sich am Markt nicht durchsetzen.

Ruf nach Standardprogrammen

Ein Anwender erwartet eine möglichst seinen Anforderungen entsprechende Softwarelösung. Dieser Forderung kommt eine individuell für ihn erstellte Lösung am nächsten, die allerdings mit erheblichen Kosten verbunden ist. Um eine preisgünstige Lösung anbieten zu können, muß ein Branchen-Standard-Programm erstellt werden, das für die Branche eine möglichst repräsentative Lösung darstellt. Branchen-Standard-Programme dienen dem Zweck, mit einem oder einer Vielzahl logisch zusammenhängender Programme eine Aufgabenstellung so zu lösen, daß der Anwender entsprechend seinem Anforderungsprofil eine optimale Lösung erhält. Hierbei liegt die Schwierigkeit für den Programmersteller darin, Möglichkeiten zu schaffen, über verschiedene Module und Parametersteuerung die in Frage kommenden Programme in Hinsicht auf die möglicherweise firmenspezifisch unterschiedlichen Anforderungen anpassen zu können. Branchen-Standard-Programme haben den entscheidenden Vorteil, bereits in der Praxis eingeführt zu sein. Der Anwender kann in der Auswahlphase prüfen, ob seine Anforderungen mit den Programmen abgedeckt werden können.

Baukastenprinzip senkt Kosten

Bezogen auf ein Branchen-Standard-Paket besteht immer die Notwendigkeit, das Programmsystem im Bedarfsfall um einzelne Programme oder logisch zueinandergehörende Programmbereiche erweitern zu müssen.

Aber auch die Möglichkeit der Absplittung von Modulen sollte gegeben sein, damit der Anwender "seine" Lösung zusammenstellen kann. In einem solchen Falle muß nicht das gesamte Leistungspaket auf einmal in Betrieb genommen werden, da das Programmsystem durch weitere Module entsprechend dem Bedarf des Anwenders aufrüstbar ist. Für den Anwender bringt eine gezielte Programmauswahl beziehungsweise Programmaufrüstung eine beachtliche Kostenminimierung.

Ein Problem für Informationssysteme aller Art ist die Integration der Informationen zu einer brauchbaren Gesamtaussage für das Unternehmen. Mit der Lösung dieser Frage stehen und fallen Wert und Brauchbarkeit eines Informationssystems. Es ist daher zwingend notwendig, daß die einmal eingegebenen Daten allen anderen Bereichen zur Verfügung gestellt werden - hier insbesondere der Kostenrechnung und den Führungszahlen.

Neben die Notwendigkeit zur Integration von Informationen tritt besonders die Forderung nach einer Weiterentwicklung der Branchensoftware unter Berücksichtigung der Gegebenheiten auf dem Speditionsmarkt. Hierzu ist es notwendig, daß zwischen den Anwendern, den Berufsverbänden, Unternehmensberatern und den Software-Häusern eine ständige Kommunikation stattfindet. Die Wünsche und Anregungen müssen dann im Software-Haus durch die Branchenspezialisten in Programmverbesserungen umgesetzt werden. Dadurch ist die finanzielle Belastung für den einzelnen Anwender bei den standardisierten Programmen gegenüber einer Individual-Programmierung erheblich geringer. Zu den Aufgaben des Software-Hauses gehört auch die Pflege des Ortswerkes und aller gängigen Tarife.

Die Anwendungsmöglichkeiten moderner Informations- und Kommunikationstechniken im inner- und überbetrieblichen Datenaustausch werden in der heutigen Zeit noch zu wenig genutzt und führen damit zu einem schwerfälligen Informationsfluß, hemmen eine optimale Disposition und verzögern den Warenfluß nicht unerheblich. Durch den Einsatz neuer Techniken im Datenaustausch sind beträchtliche betriebswirtschaftliche Verbesserungen zu erreichen.

Informationsfluß ist noch schwerfällig

Speditionsprogramme müssen heute in der Lage sein, Auftrags- oder Versanddaten per Telex oder Datenübertragung per Telefon aufzunehmen und zu verarbeiten. Der Vorteil für den Versender und den Spediteur liegt im Dispositionsvorsprung. Die Dispositionszeiträume werden länger; die Mehrfacheingabe von Daten wird verhindert. Dies trifft auch zu bei der Kommunikation Spediteur - Spediteur.

Neben den allgemeinen Anforderungen muß eine praxisgerechte Software für das Speditions- und Transportgewerbe alle Bereiche eines Unternehmens erfassen.

Neben den allgemeinen Anforderungen muß eine praxisgerechte Software für das Speditions- und Transportgewerbe alle Bereiche eines Unternehmens erfassen.

Über die Verarbeitung aller Tarife und Hausfrachten und über die Erstellung des Speditionsbuches hinaus, müssen praxisgerechte Speditions-Programme folgende Anforderungen erfüllen:

Die Konditionierung muß verschiedene Bedingungen, wie Gewichts -und/oder KM-Staffelung oder Ortsstaffelung unter anderem unter Berücksichtigung von Zusatzberechnungen, unteranderem Nebengebühren, KM-Abrechnung umfassen. Diese Art der Konditionierung muß sowohl für Rechnungen als auch für Gutschriften möglich sein.

Die Angebotsbearbeitung muß - unter Einbeziehung der oben erwähnten Konditionsverarbeitung - frachtoptimierte Angebote im Dialog errechnen. Die Ausrechnung sollte auf Wunsch in einzel-, reihen- und sternförmiger Berechnung gegenübergestellt erfolgen.

Die Touren-Kalkulation als Vor- oder Nachkalkulation muß unter Berücksichtigung von Werten, die in der Kostenrechnung ermittelt werden, eine schnelle Information über die Kosten einer bestimmten Tour geben. Diese Kosten lassen sich durch Fix- und variable Kosten pro Tag und/oder Fix- und variable Kosten pro Kilometer zuzüglich diverser Nebenkosten ermitteln.

Die Disposition muß eine Dialogerfassung aller Aufträge möglich machen. Darüber hinaus besteht die Anforderung, daß Zugriffsmöglichkeiten auf diese Sendungen nach unterschiedlichen Kriterien, wie Auftragsnummer, PLZ-Gebiet und Absender vorhanden sind. Eine Zuordnung von Kundenaufträgen zu Fahraufträgen muß aus und mit dem System erfolgen können. Der Transfer von disponierten Aufträgen in das Abrechnungssystem muß jederzeit möglich sein.

Die Kostenrechnung muß als integrierbares Modul im Gesamtkonzept vorhanden sein. Die Daten aus allen angrenzenden Programmen müssen das für die Kostenrechnung relevante Datenmaterial bereitstellen. Die, individuelle Auswahl von Kostenstellen und Kostenträgern, wie Ladungsklassen, Großkunden, Relationen, Fahrzeug-Nummern, Vertriebsbereiche, Tarifentfernungen, Gewichte etc. ist Kriterium für die Ermittlung von Kalkulationsgrundlagen. Durch diese individuelle Auswahl ergeben sich aussagefähige Ergebnisse , wie

- Kosten pro Kilometer,

- Kosten pro Einsatzstunde,

- Ertrag pro Relation und

- Ertrag pro Kunde.

Unter der Vorgabe, daß Daten nur einmal im System erfaßt werden müssen, soll dem Anwender die Möglichkeit gegeben werden, Statistiken und Führungszahlen für individuell zu bestimmende Bereiche des Unternehmens im Dialog und/oder als Liste zu erhalten. Die Lagerwirtschaft sollte durch ein Lagerplatzoptimierungssystem bis zur Hochregallagersteuerung ergänzt werden. Bei der Werkstattabrechnung kommt es darauf an, daß auch eine Abrechnung für Fremdreparaturen möglich ist. Und was schließlich die Tankdatenerfassung betrifft, so sollte diese direkt an das Computer-System angeschlossen werden können. Praxisgerechte Speditionsprogramme als Informationssysteme sind nicht Selbstzweck, sondern tragen nachweislich zur Steigerung der Rentabilität der Wissenschaftlichkeit, der Flexibilität und dadurch der Produktivität der Unternehmen bei. Praxisgerechte, moderne Speditionsprogramme helfen entscheidend mit, die Wettbewerbs- und Konkurrenzfähigkeit der Unternehmen zu steigern. Praxisgerechte Speditionsprogramme sind ein Instrument, daß die Unternehmensführung in die Lage versetzt, sich rasch auf Veränderungen einzustellen.

Aufgabe in naher Zukunft wird es sein, bei den Unternehmensleitungen die Einsicht zu verstärken, daß insbesondere in den Bereichen Disposition, Kostenrechnung und Datenaustausch mehr, bessere und schnellere Informationen notwendig sind, um sich überhaupt im nationalen und internationalen Markt behaupten zu können.