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24.06.1983 - 

Was Anwender bei Planung ihrer Inhouse-Systeme beachten sollen:

Die Netze der Zukunft sind leitungsvermittelt

Während über Viele Jahre hinweg die Inhouse-Kommunikation kaum durch Veränderungen in den öffentlichen Netzen beeinflußt wurde, trat in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre eine wesentlich stärkere Veränderung durch neue Leistungsmerkmale der öffentlichen Netze auf. Die Einführung des Hauptanschlusses für Direktruf, von Datex-L und Datex-P veränderten in starkem Maße die Struktur der Inhouse-Kommunikation, und zwar vorwiegend für den Text- und Datenverkehr. Diese Tendenz wird sich In den nächsten Jahren wesentlich verstärken.

Die Einführung von Bildschirmtext, das Angebot höherwertiger digitaler Mietleitungen (48 kbit/sec bis 2 Mbit/sec), insbesondere aber die Schmalbanddienstintegration auf dem Fernsprechnetz oder das Angebot neuer digitaler Dienstleistungen über Satellit werden, da all diese neuen Möglichkeiten anfänglich nahezu ausschließlich auf die geschäftliche Kommunikation ausgerichtet sind, die Inhouse-Kommunikation gravierend verändern.

Die Integration von Sprache, Text und Daten am künftigen ISDN hat ihr Pendant im Zusammenwuchs von Datenverarbeitung/Datenübertragung mit der Telekommunikation innerhalb der Unternehmen.

Bereits das Angebot von Btx, hier verstanden nicht als öffentlicher Dienst, sondern als Übermittlungssystem zwischen dem Terminal und dem externen Computer im Rechnerverbund, hat unmittelbare Auswirkungen auf die Kommunikationsplanung bestimmter Branchen.

Sehr viel mehr wird dies durch die Digitalisierung des Fernsprechnetzes und die Einführung von ISDN der Fall sein. Die heute getrennten öffentlichen Netze (analoges Fernsprechnetz, Datex-L, Datex-P, HfD) werden zwar noch viele Jahre Bestand haben, dennoch werden sie auf Dauer im wesentlichen im ISDN aufgehen.

Die Auswirkungen der Digitalisierung

Obwohl für die Übertragung von Sprachen bei rein digitalen Netzen Geschwindigkeiten weit unter 64 kbit/sec ausreichen würden, haben sich die internationalen Gremien wegen der in den langen Einführungsphasen erforderlichen Analog-/Digitalwandlungen für die Übertragung von Sprache auf 64 kbit/sec geeinigt.

Geht man vom Endzustand aus, so bedeutet dies, daß im Fernsprechnetz von jedem Endgerät (im einfachsten Fall Telefon) zu jedem anderen Endgerät nach dem Aufbau der Verbindung ein transparenter 64 kbit/sec-Kanal zur Verfügung steht. Da bei digitaler Übertragung eine Unterscheidung des Verkehrs in Sprache/Text/Daten auf transparenten Kanälen durch den Netzbetreiber nicht möglich und auch nicht sinnvoll sein wird, sind auch keine unterschiedlichen Gebühren je nach Nutzungsart der Leitung denkbar. Da die Sprachübertragung auch in Zukunft gegenüber dem Text- und Datenverkehr sowohl bezüglich der Zahl der Benutzer als auch bezüglich des Verkehrsvolumens weit überwiegen wird - es wird geschätzt, daß 90 Prozent des Verkehrs rein Sprachverkehr bleiben werden - heißt das, daß sich die Verkehrsgebühren in einem digitalen Fernsprechnetz und wohl auch im ISDN an den Fernsprechgebühren orientieren müssen.

Wegen des in einem rein digitalen Netz erheblich überdimensionierten Fernsprechkanals von 64 kbit/sec, bedeutet dies eine gegenüber heutigen Text- und Datenübertragungen im analogen öffentlichen Fernsprechnetz, im IDN sowie auf analogen und digitalen Mietleitungen eine beträchtliche Verbilligung, bezogen auf die übertragbaren Verkehrsvolumina. Dies wird sich ganz zwangsläufig aus der Digitalisierung des Fernsprechnetzes ergeben. Unterstellt man für den Endzustand der Digitalisierung beispielsweise die heutige teuerste Fernsprechgebühr von 0,23 Mark pro 12 Sekunden, so können über den künftigen 64 kbit/sec-Fernsprechkanal per Telefax ca. 80 DIN-A4-Seiten für 5 x 0,23 Mark = 1,15 Mark übertragen werden.

Zwar wird das in der Einführungsphase noch nicht überall möglich sein, weil die digitale Teilnehmeranschlußleitung wohl anfänglich nicht generell, sondern nur zu bestimmten Geschäfts-(Teilnehmern) geführt wird (Overlay-Strategie). Die Tendenz bei den Verkehrsgebühren auf 64 kbit/sec-Kanälen geht aber schon heute in Richtung der Verkehrsgebühren für den heutigen analogen Fernsprechkanal.

Dies zeigt sich bereits sehr deutlich in dem von der Bundespost für Ende 1983 vorgesehenen 64 kbit/sec-Modellnetz. Es handelt sich praktisch um einen Vorläufer von ISDN, nämlich um ein leitungsvermitteltes, flächendeckendes digitales Netz (es sind 1 - 4 mal 64 kbit/sec möglich), das sich im wesentlichen nur durch seine Größe (erste Ausbaustufe ca. 4000 Anschlüsse) und seinen Signalisierungsteil für den Verbindungsaufbau von einem künftigen digitalen Fernsprechnetz unterscheidet.

Zwar wird noch mit einer hohen Grundgebühr von 2500 Mark pro Monat gearbeitet, aber die Verkehrsgebühren für den 64 kbit/sec-Kanal sind nur das 2,5-fache der Gebühr für den heutigen analogen Fernsprechkanal (0,23 Mark für 5 Sekunden beim Modellnetz gegenüber- 0,23 Mark für 12 Sekunden beim analogen Fernsprechnetz).

Das Modellnetz soll, wenn auch wegen der hohen Grundgebühr anfänglich nur für Großkunden, die gesamten Möglichkeiten von transparenten digitalen Kanälen mit mindestens 64 kbit/sec bieten, insbesondere auch die multifunktionle Nutzung (Sprache/Text/Daten) als Vorläufer des ISDN stimulieren. Darüber hinaus ist das Modellnetz mit seiner Flächendeckung - jeder kann unabhängig von seinem Standort einen Anschluß an das Modellnetz ohne Standleitungen erhalten - modellhaft für die erwartete Einführungsstrategie bei der Digitalisierung des Fernsprechnetzes und bei ISDN. Durch eine Overlay-Einführungsstrategie, unter Umständen ergänzt durch den deutschen Fernmeldesatelliten, wird für die interessierten Kunden sehr schnell ein flächendeckendes, leitungsvermitteltes, digitales Overlay-Fernmeldenetz zur Verfügung stehen.

Die weltweit beschlossene Digitalisierung der Fernsprechnetze und die Schmalbanddienstintegration durch ISDN führt wegen der Größe und Flächendeckung der Fernsprechnetze zu folgenden grundsätzlichen Aussagen:

- Die öffentlichen Netze der Zukunft sind leitungsvermittelt und nicht paketvermittelt.

- Paketvermittelte Netze können wegen bestimmter, nicht in leitungsvermittelten Netzen möglichen Leistungsmerkmale als Inseln in den öffentlichen Netzen bestehen bleiben, mit Zugang zum leitungsvermittelten Netz.

- Im Mittelpunkt der künftigen öffentlichen Netze stehen die digitalen Vermittlungsstellen, an die die Teilnehmer in Sternstruktur angeschlossen bleiben.

- Mietleitungen und HfD werden in ihrer Bedeutung im Bereich der heutigen Nutzungsschwerpunkte, das heißt, bis maximal 144 kbit/sec. erheblich abnehmen. Sie werden sich in diesem Geschwindigkeitsbereich auf Sonderfälle mit besonderen Anforderungen reduzieren. Es werden neue Nutzungsarten für Mietleitungen mit höheren Geschwindigkeiten bis 2 Mbit/sec entstehen, die dann eventuell wieder an einem vermittelten Breitbandnetz (Glasfaser oder Satellit) aufgesogen werden.

Im Mittelpunkt steht die Nebenstellenanlage

Die Inhouse-Kommunikation wird genau dem Trend der öffentlichen Netze folgen beziehungsweise ihn zeitlich sogar vorwegnehmen. Dies bedeutet:

- Im Mittelpunkt der gesamten Inhouse-Kommunikation wird eine digitale Fernmelde-Nebenstellenanlage stehen, die ebenso wie die heutigen analogen Nebenstellenanlagen auf das öffentliche Netz, nämlich dann auf das ISDN, abgestimmt ist. - Die Mehrzahl der internen Teilnehmer wird weiter in Sternstruktur an diese Nebenstellenanlage angeschaltet bleiben.

- Nach außen werden die ISDN-Nebenstellenanlagen Zugang zu allen öffentlichen Netzen haben, die in der Übergangszeit weiterhin bestehen werden (analoges Fernsprechnetz, digitales Fernsprechnetz oder ISDN, Datex-L, Datex-P).

- Nach innen werden diese Nebenstellenanlagen Eingänge für alle vorhandenen internen "Inseln" haben. Dies sind analoge und digitale Unteranlagen, Local Area Networks, interne paketvermittelte Netze und DV-Strukturen wie SNA und Bussysteme verfügen diese Anlagen natürlich über analoge und digitale Fernsprechapparate, Text- und Datenendgeräte zur Übertragung auf transparenten Kanälen und multifunktionale Endgeräte.

Da die Festlegung der technischen Kriterien und die Realisierung in den öffentlichen Netzen, aufgrund der dort vorhandenen Hardware-Volumina zeitlich mehrere Jahre auseinanderklaffen müssen, kann man jedoch folgende Aussage treffen: Die Inhouse-Kommunikation der Zukunft wird geprägt durch die Festlegung der Entwicklung der öffenltichen Netze. Zeitlich gesehen wird jedoch die Inhouse-Kommnunikation in gewissem Umfange die Entwicklung der öffentlichen Netze vorwegnehmen.

*Dr. Ing. Franz Arnold, vormals Ministerialdirektor im Bundespostministerium, ist Mitglied der Geschäftsleitung des SCS Scientific Control Systems GmbH in Köln.