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17.05.1991 - 

Kommunikation im Rahmen von OS2, Teil 2

Die neuen Versionen von Netware und LAN-Manager

Mit einer erstaunlichen Vehemenz arbeitet Novell zur Zeit daran, Boden gegenüber dem Erzivalen Microsoft und der Kombination aus OS/2 und LAN-Manager gutzumachen. Nichts kann diese Kombination im Feld so sehr treffen wie eine gut ausgebaute Unterstützung des 386-Prozessors.

Erstes Element der neuen Novell-Produktfamilie ist Netware 386 3.0. eine 32-Bit-Implementierung von Netware mit dem Ziel, die Leistungsfähigkeit des 386-Prozessors von auszunutzen. Neben einer allgemeinen Performancesteigerung durch ein verbessertes Dateisystem sind es vor allem verschiedene Netzmanagement-Verbesserungen, die das Arbeiten mit der neuen Netware, angenehmer machen: vereinfachte und schnellere Installation, erweiterte Datensicherheit, dynamische

Konfigurierbarkeit der Ressourcen und verbesserte Unterstützung des Drucker-Services.

Maximal können 250 Anwender von einem Server unterstützt werden. Damit wird zum ersten Male die Schranke von, 100 Benutzern pro Server durchbrochen. Das neue Dateisystem soll bis zu 32 TB Plattenkapazität, 4 GB Arbeitsspeicher und Dateigröße, 100 000 gleichzeitig geöffnete Dateien und 25 000 gleichzeitige TTS-Übertragungen (TTS-Transaction Tracking System) erlauben. Selbst wenn in der Praxis davon nur Bruchteile genutzt werden könnten, sind dies Werte, wie sie sonst nur ein Großrechner anbietet. Diese Dimensionen sind auf absehbare Zeit sicherlich nicht vernünftig realisier- und nutzbar, aber es ist in der Praxis beruhigend zu wissen, daß die Grenzen so weit gesteckt sind.

Deutlich kürzere Zugriffszeiten

Einzelne Dateien können auf mehrere physische Laufwerke verteilt sein. Hierdurch können mit Hilfe paralleler Zugriffe auf die Segmente auf verschiedenen Laufwerken die Zugriffszeiten für große Dateien merklich gesenkt werden. Eine neue Funktion, die "Dynamik Ressource Konfiguration", führt ein automatisches Speichermanagement durch. Damit ist es beispielsweise nicht mehr nötig, wie bisher zur Änderung von Speicheranforderungs-Parametern für das Directory-Caching und Routing jedesmal den Server herunterzufahren. Das System teilt den Speicherplatz dynamisch nach Verfügbarkeit und Notwendigkeit zu.

Netware 386 V3.0 ist gemischt mit Netware 286-Servern einsetzbar und kompatibel zu Portable Netware" (wird von mehreren OEMs inzwischen angeboten), die Netware-Funktionalität, wenn auch nicht immer mit optimaler Leistung, unter verschiedenen Betriebssystemen, wie OS/2, VMS, MVS und Unix, als Gast-Anwendung bereitstellt.

Die Version 3.0 erlaubt den flexiblen Einsatz von Treibern (sogenannte Netware Loadable Modules - NLM), die gegebenenfalls die Funktionen des Betriebssystems erweitern können. So können etwa Server-Applikationen als NLMs geschrieben werden.

Auch sämtliche Server-Utilities von Netware 386 3.0 für die Installation, Systemüberwachung". Plattenformatierung und UPS-Überwachung sind als NLMs implementiert.

Netware 386 V3.0 unterstützt DOS, OS/2 und den Macintosh. Die Anbindung des Mac wird zunächst durch eine Netware-Bridge und Netware für den Macintosh realisiert 16 verschiedene LAN-Adapter werden unterstützt, darunter der Arcnet-Adapter, der IBM Token-Ring-Adaptor sowie alte und neue Novell-Adapter. Besonders sinnvoll ist der Einsatz natürlich mit Novells neuem 32-Bit-Adapter für den Microchannel bei Ethernet oder mit IBMs 4116-Token-Ring-Adapter.

Novell hat einige gute Eigenschaften von Microsofts LAN-Manager übernommen. Paßwörter werden wie bei Microsoft verschlüsselt, bevor sie über die Leitung gehen, um so das Ablesen von Benutzer-Paßwörtern am Netz-Monitor zu unterbinden. Weiterhin gibt es eine neue Struktur für die Vergabe von Zugriffsrechten.

Eine äußerst angenehme Eigenschaft der Version 3.0 ist es, daß Dateien auf der Festplatte nicht dann gelöscht werden, wenn man das Kommando dazu gibt, sondern üblicherweise erst dann, wenn die Festplatte von ist und das System neuen Platz braucht. Gelöschte Dateien behalten ihre Sicherheitsparameter, bis sie vollständig aus dem System entfernt werden. Dies bedeutet, daß nur berechtigte Benutzer irrtümlich gelöschte Dateien wiederherstellen und weiterverarbeiten können. Man kann vermuten, daß es bald möglich sein wird, mit Hilfe dieser Optionen und einem Bandlaufwerk den Dateiraum praktisch ad infinitum zu vergrößern. Von SFT Netware 2.15 wurden die Fähigkeiten zur Fehlertoleranz übernommen: Plattenspiegelung, Duplex-Plattencontroller und Transaction-Tracking.

Eine weitere Verbesserung, ebenfalls vom LAN-Manager abgeschaut, betrifft die Flexibilität des Print-Services. Ein Server kann nämlich jetzt nicht nur auf Drucker zurückgreifen, die unmittelbar an ihn angeschlossen sind, sondern auch auf solche, die irgendwo im Netz an anderen Servern oder Workstations angeschlossen sind. Zusätzlich wurde die Warteschlangenverwaltung um variable Prioritäten und das Drucken auf spezielle Formularen erweitert.

Netware 386 V3.0 läuft auf gängigen 386-Rechnern (IBM PS/2, Compaq, Kompatible), die mindestens 2, besser 2,5 MB Speicher haben sollten. Bestehende Benutzeroberflächen unter Netware 286 können weiterbenutzt werden.

Novell kündigt sozusagen fast wöchentlich Erweiterungen an, besonders im Hinblick auf die IBM-Connectivity. So -kann zum Beispiel ein Netware-Server einem Netview-Management-Programm auf einem IBM-Mainframe Auskunft über den Status des LAN-Subnetzes geben.

IBM hat angekündigt Netware zumindestens in den Vereinigten Staaten zu vertreiben. Dieser Dolchstoß in Richtung Microsoft führt nach meiner Ansicht mittelfristig dazu, daß über Netware Loadable Modules für eine DOS/Windows. Workstation via Netware Server die gleichen Möglichkeiten zur Verfügung stehen wie im Rahmen einer OS/2 EE/LAN-Server-Kombination - was letztlich wiederum die Frage nach dem Sinn von OS/2 aufwirft.

Der LAN-Manager 2.0:

Für die Version 2 4 0 des LAN-Managers hat Microsoft folgende zusätzliche Eigenschaften versprochen:

- Volle Unterstützung des Codes der 80386 und 80486-Rechner: Die Unterstützung des 32-Bit-Formates wird zunächst nur für den File-Service, die Ein-/Ausgabe und die Bustreiher realisiert. Der Datentransport im Rahmen der Anwendungsverarbeitung verbleibt im 16-Bit-Format. Die Version 2.0 kann auch auf 286-Systemen laufen, ist also wohl nicht wie Netware 386 für die 386-Maschinen optimiert. Das HPFS (High Performance File System) der OS/2-Versionen 1.2 (SE und EE) wird jedoch -unterstützt und beim Einsatz auf einem 386er automatisch benutzt. - Unterstützung mehrerer Prozessoren: Grundsätzlich ist es möglich, einen Doppelprozessor zu benutzen. Das Schreiben entsprechender Treiber bleibt jedoch den OEMs überlassen. Dies führt zu unterschiedlichen Versionen des LAN-Managers. So soll die Compaq-Version schon heute auf Grund der besonderen Architektur der Deskpro-Systeme mehr als zwei Prozessoren unterstützen. Man kann hier nur eingeschränkt von einer generellen Eigenschaft des LAN-Managers sprechen.

- Verwaltungsaspekte: Systemadministratoren können eine Gruppe von Server-Maschinen als Domäne definieren und sie dann zusammenfassend verwalten. Die Benutzer benötigen nur noch ein Paßwort für die logischen Systemressourcen und nicht mehr eine Menge von Paßwörtern für Verschiedene Server. Eine globale Namensverwaltung wird dies noch vereinfachen.

Der Administrator kann seinerseits Aufgaben delegieren. Benutzer- und Gruppenkonten, Druckerwarteschlangen, Kommunikationsschlangen, spezielle Server-Dienstleistungen und die Verteilung von Server-Betriebsmitteln, wie Dateien und Verzeichnisse, können von sogenannten "Operateuren" verwaltet werden.

- Peer Services: Auch Workstations werden untereinander Dienste anbieten können. Unter der Beschränkung, daß zu einer Zeit immer nur der eigentliche Benutzer der Workstation und ein einziger anderer "Peer" arbeiten können Workstations Dateibereiche, Drucker und Kommunikationseinheiten gemeinsam benutzen. Der praktische Wert dieser Einrichtung ist ziemlich gering, die Möglichkeiten zum Unterlaufen von Datenschutz- und Sicherheitssystemen dagegen unverhältnismäßig

high, so daß ich hoffe, es handelt sich bei den Peer Services um eine lecre Drohung, die nie in Serie geht.

- Datenschutz: Auch das verbesserte Sicherheitssystem des LAN-Managers Version 2.0 ist nur eine Untermenge der von Netware bereitgestellten Möglichkeiten. Man kann eine minimale Paßwortlänge vorgeben, periodische Paßwortänderungen erzwingen, das Login auf bestimmte Workstations beschränken, die Benutzung zeitlich einschränken, das Benutzerkonto beschneiden, und versuchen, Eindringlinge zu entdecken. Letzteres geschieht jedoch nur dadurch, daß das System für zwei bis drei Sekunden Pausiert, falls ein falsches Paßwort eingegeben wurde.

- Dateireplikation: Es ist möglich innerhalb einer Domäne Dateien selektiv und regelmäßig von einem Server auf einen anderen zu Überspielen. Dadurch können ohne großen Aufwand bestimmte Dateien auf allen Servern gleichzeitig konsistent gehalten werden.

- Fehlertoleranz: Der LAN-Manager V. 2.0 wird Spiegeln und Doppeln von Platten ermöglichen. Außerdem ist im Rahmen des HPFS für 386 ein Hot-Fix (Zwischenablage für Dateien ohne Eingliederung in das Dateisystem) vorgesehen.

- Weitere Eigenschaften: LM 2.0 unterstützt ununterbrechbare Stromversorgung (UPS), Remote Initial Programm Loading einschließlich Fernbooten sowie eine reduzierte Größe für die DOS-Shell auf den Workstations (93 statt 149 KB).

Sicherlich wird der LAN-Manager Version 2.0 bis zur Freigabe noch einige weitere Eigenschaften bekommen.

Manches jedoch vermißt man jetzt schon, wie etwa die Einbindung in eines der wichtigen Netzmanagement-Konzepte,

Unterstützung der TCP/IP oder OSI-Protokollstacks oder Unterstützung der Apple-Welt.

Der LAN-Manager 2.0 liegt in seinen grundsätzlichen Fähigkeiten zwischen Netware 286 und Netware 386. Da er aber im Gegensatz zu Netware von einigen Dutzend Herstellern unterstützt, erweitert und vertrieben wird, werden die ausgelieferten Versionen letztlich Erweiterungen erhalten, die LM 2.0 mit Netware 386 3.x vergleichbar machen. Allerdings darf man nie vergessen, daß der LAN-Manager mit vielen Funktionen näher am Systemkern liegt als Netware. In einer Client-Server-Umgebung wird sich das praktisch kaum bemerkbar machen; Anwendungen mit wirklich verteilter Verarbeitung im Netz werden jedoch davon profitieren.

Nicht außer Acht lassen sollte man, daß es den LAN-Manager auch in einer Unix-Version gibt: LMIX ist das strategische Produkt zur Verbindung der immer preiswerter werdenden Unix-Rechner mit PC-Netzen (Beibehaltung der MS-DOS-Umgebung auf den Workstations).

Die Novell-Unterstützung von Unix-Systemen beschränkt sich auf Portable Netware. Dabei sind Leistungseinbußen hinzunehmen, die sich allerdings durch einen entsprechend schnelleren Rechner leicht wieder ausgleichen lassen.

OS/2 SE auf der LAN-Workstation bedeutet für die Kommunikation gegenüber DOS/ Windows praktisch keinen Gewinn, weil die Funktionenvielfalt von der LAN-Umgebung und dem Server abhängt. OS/2 EE allerdings bringt auf der Workstation dann Vorteile, wenn eine intensive Zusammenarbeit mit dem Host gewünscht wird.

Sowohl OS/2 SE als auch OS/2 EE sind eine geeignete Basis für LAN-Server, wenn man den LAN-Manager beziehungsweise den IBM LAN-Server als Netzwerkbetriebssystem einsetzen möchte. Es stellt sich jedoch die Frage, ob Netware von Novell oder Vines von Banyan für die gewünschte Anwendungsumgebung nicht die geeignetere Wahl sind.

Sachlich ist dies kaum zu entscheiden: Bis vor kurzem war ein grundsätzlich gemeinsamer Weg von IBM und Microsoft strategisch vorgezeichnet. Kaum wird Software-Krösus Bill Gates frech, wirft IBM sich Novell an die Brust, einer Firma, deren Produkte ein braver IBMer noch vor drei Jahren nicht mal mit der Zange angefaßt hätte.

Es gibt offensichtlich kein Patentrezept für den Umgang mit der Kommunikation unter OS/2.

Mein Rat in dieser Situation: LAN-Manager, LAN-Server, OS/2 SE und EE, Netware und Konsorten sind WEGWERFSOFTWARE. Ihr Lebenszyklus entspricht in etwa dem anderer PC-Software. Also ist es unsinnig, ewig strategische Entscheidungen zu treffen, wie sie etwa im Rahmen eines Großrechnerbetriebssystems notwendig sind.

Alle diese Programme bieten viele Funktionen für sehr wenig Geld. Entscheidend ist, welche Anwendungen man einsetzen will. Diese Anwendungen sollte man dahingehend prüfen, welche Voraussetzungen sie im Netz brauchen. Und wenn auf einer schönen Anwendungssoftware als Voraussetzung Netware steht, ist es unsinnig, darüber nachzudenken, ob man seine Unternehmensstrategie nun auf den LAN-Manager aufbauen soll und nicht.

Die populären Pakete laufen auf praktisch jeder gängigen Hardware. Es gibt wahrlich dringendere Probleme - etwa das des Datenschutzes oder, trivialer, der Verkabelung - über die man nachdenken sollte. Und wenn einem die gewählte Netzbetriebssoftware nicht mehr gekrallt, wirft man sie weg.

Für ganz Unentschlossene besteht ja immer noch die Möglichkeit, auf ihrem Server alles mögliche zu installieren. Besonders die Super-Server wie Netframe oder Compaq Deskpro bieten hierzu vielfältige Möglichkeiten.

Für anspruchsvollere Umgebungen im Rahmen der IBM-Welt dagegen ist ohnehin das System/6000 in vielen Fällen die richtige Wahl, denn der Sprung von einem aufgeblasenen PS/2 unter OS/2 EE zu einer kleinen RS/6000 unter AIX 3 ist wahrhaftig nicht sehr weit. Und X/Windows befreit dann völlig von den Niederungen der LAN-Software...

Literatur:

Göhring, H.-G., Kauffels F.-J Token Ring, Grundlagen, Strategien, Perspektiven; Datacom Verlag Bergheim 1990.

Kauffels, F.-J.: Personal Computer und Lokale Netze, 5. Aufl.; Markt & Technik Verlag, Haar 1991

Kauffels, F.-J.: Vom File-Server zur Verteilten Datenverarbeitung Serie in der Zeitschrift PC-Netze, bislang 16 Folgen