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03.01.1997 - 

Mobile Kommunkation/Sind dedizierte Netze erforderlich? Die Contra-Position

Die Nische für Datenfunk wird kleiner

Vor wenigen Jahren galten noch klare Abgrenzungen im ohnehin kaum als freien Markt zu bezeichnenden Umfeld für die mobile Kommunikation. Fünf Kategorien von Netzen beziehungsweise Diensten differenzierten sich primär aufgrund technischer Gegebenheiten: Es gab den klassischen Mobilfunk für die Telefonie, den Funkruf (Paging), den Bündelfunk, den Satellitenfunk und schließlich den Datenfunk. In jedem dieser Bereiche erteilte das zuständige Ministerium im Rahmen der Deregulierung unabhängig voneinander Lizenzen und Betriebsgenehmigungen, die sich wiederum vor allem an technischen Kriterien wie Netztechnik, Frequenzen und geografischer Abdeckung orientierten. Diensteorientierte Kriterien gab es nicht. Ein eigener autonomer Markt mit spezifischen Anwendungen und eindeutigem Kundennutzen wurde nicht definiert.

Es kam, wie es kommen mußte. In den fünf eigentlich separaten Mobilfunkkategorien ergaben sich erhebliche Überschneidungen. Schnell zeigte sich, daß GSM andere Dienste verdrängen würde, weil sich nicht nur schmale Überlappungen am Rand der jeweiligen Dienstespektren abzeichneten, sondern die Betreiber auch Zielgruppen der anderen Funkservices adressierten. Außer dem Satellitenfunk leiden alle mobilen Dienste unter dem GSM-Erfolg, der im wesentlichen auf der Integration von Sprach- und Datenübertragung basiert.

Alle denkbaren massenmarktfähigen Datenfunkdienste lassen sich heute oder in Kürze durch GSM-Netze abdecken. Dabei können die Betreiber mit allen Vorteilen eines De-facto-Weltstandards kalkulieren, beispielsweise mit den in Massenfertigung billig hergestellten Geräten oder der internationalen Verfügbarkeit.

Hinzu kommt die Bedrohung des dedizierten Datenfunks durch den regionalen Bündelfunk. Ebenbürtig sind sich beide Dienste, wenn man das Kriterium der internationalen Anbindung betrachtet: Bei beiden Angeboten existiert sie praktisch nicht. Der Bündelfunk kann jedoch kostengünstiger klassische Datenfunkanwendungen wie Telemetrie- oder Fernwirkdienste anbieten. Im Vergleich zum GSM leidet der Bündelfunk darunter, daß die Standardisierung zu langsam vor sich geht. Aus diesem Grund hapert es bei der grenzüberschreitenden Kommunikation und der Massenfertigung der Endgeräte. Wer also internationale Datenfunklösungen sucht (typisch ist diese Anforderung für große Speditionsunternehmen), ist beziehungsweise war mit dem Modacom- oder dem GfD-Netz nicht gut bedient, sondern sollte auf GSM oder auf die vorhandenen und bewährten satellitengestützten Systeme zurückgreifen.

Welche Kundschaft bleibt dem Datenfunk? Sicher ist, daß sich der klassische, dedizierte Datenfunk auf Nischen spezialisieren muß. Vor allem komplexe Systemlösungen für größere Anwendungen, bei denen sich der Aufwand individueller Planungen lohnt und langfristige Investitionsrechnungen Sinn machen, können sich zur Domäne des Datenfunks entwickeln. Die beschriebene Nische kann DeTeMobils Modacom-Dienst gut abdecken, so daß einem zweiten Datenfunkanbieter kaum genügend Marktpotential bleibt. Netzinfrastruktur und Dienste sind zu investitionsträchtig, als daß sich das Engagement eines Konkurrenten derzeit lohnen würde. Die GfD hat folgerichtig das Ende mit Schrecken dem Schrecken ohne Ende vorgezogen.

Gegenüber dem reinen Datenfunk bietet der Bündelfunk des weiteren einen klaren Mehrwert ohne nachhaltige Mehrkosten, weil er Sprache und Daten integriert. Außerdem kann das Übertragungsverfahren regionale Datenfunklösungen übernehmen Bündelfunk wird also vom Einbruch des klassischen Datenfunks profitieren.

Die Zahl der reinen Datenfunkanwendungen mit nationaler Ausdehnung - dem einzigen deutlichen Vorteil des dedizierten Datenfunks gegenüber Bündelfunk - ist eher gering. Schließlich könnte sich der Bündelfunk in seiner digitalen Variante allein aufgrund des Bedarfs von Behörden und Unternehmen mit Sicherheitsaufgaben etablieren.

Für die internationale oder globale Datenkommunikation dürften Satelliten das wichtigste Transportmedium sein. Dedizierte Datenfunknetze im Stil von Modacom oder Mobitex wird es in absehbarer Zeit auf internationaler Ebene nicht geben: Der Markt hat sich andere Wege gesucht.

*Diplomvolkswirt Mathias Plica ist Inhabe der Plica Marktforschung Analyse in München. Diplomkaufmann Bernd Schulte* ist freier Berater Telekommunikation.