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11.12.2006

Die Nische für Unix wird kleiner

Alle Anbieter von Unix-Systemen führen auch Linux in ihrem Sortiment. Je stärker sich das quelloffene System und Microsofts Windows ausbreiten, desto mehr wird Unix zurückgedrängt.
Unix-Server machen derzeit laut IDC gut 30 Prozent vom Server-Markt aus. Wie lange noch?
Unix-Server machen derzeit laut IDC gut 30 Prozent vom Server-Markt aus. Wie lange noch?
Nach Berechnungen von Gartner strich IBM auch im dritten Quartal 2006 den meisten Server-Umsatz ein. Verantwortlich waren die Verkäufe von teuren Großrechnern und großen Unix-Systemen.
Nach Berechnungen von Gartner strich IBM auch im dritten Quartal 2006 den meisten Server-Umsatz ein. Verantwortlich waren die Verkäufe von teuren Großrechnern und großen Unix-Systemen.

Die Umsätze mit Unix stagnieren und werden bis 2010 rückläufig sein, so die einhellige Meinung der Analysten. Seit sich das Open-Source-Betriebssystem Linux aufgemacht hat, zum Verkaufsschlager für PC-Server zu werden und x86-und Itanium-Architekturen immer leistungsfähiger werden, verlieren die einstigen Sterne im Rechenzentrum an Leuchtkraft: Server mit Risc-Prozessoren vom Typ Power-PC und Sparc gelten als Packpferde, die die Last der Betriebsysteme AIX und Solaris klaglos tragen und stabil ihre Arbeit verrichten. Die Musik spielt jedoch woanders im Rechenzentrum: Blade-Server, deren Rechenpower einfach variiert werden kann und die unter Linux laufen, ziehen die Aufmerksamkeit auf sich.

Die jüngsten Marktzahlen von IDC für das dritte Quartal 2006 bestätigen, dass das Client-Server-Computing mit Unix seinen Zenit überschritten hat. Die Umsätze mit Unix-Rechnern gingen im Vergleich zur Vorjahresperiode weltweit um 1,7 Prozent zurück. Dabei wuchs der Server-Markt insgesamt aber um 7,4 Prozent. Zurzeit entfallen noch gut 30 Prozent aller Server-Umsätze auf Unix-Systeme. Das Geschäftsvolumen lag im dritten Quartal 2006 laut IDC bei knapp vier Milliarden Dollar. "Der Unix-Markt ist gesund", behauptet denn auch Karl Freund, Vice President pSeries Offering Management bei IBM in Austin. Die Umstäze stagnierten nur, weil die Preise fielen. Die Arbeitslast auf den großen Unix-Maschinen steige kontinuierlich.

Düstere Prognosen

Ganz so positiv scheint die Zukunft der proprietären Unix-Derivate jedoch nicht zu sein. Die computerwoche fragte kürzlich ihre Leser, ob Linux auf x86-Prozessoren die Unix-Derivate auf den Itanium- oder Risc-Chips verdrängen werde. 61 Prozent der abgegebenen Stimmen erwarten eine Wachablösung, 38 Prozent sind anderer Meinung. Wie schnell ein Umstieg auf eine neue Plattform vonstatten gehen kann, zeigte das Beispiel der technischen Workstations: Die einstmals teuren Unix-Geräte mit Risc-Prozessoren sind innerhalb kurzer Zeit fast völlig von x86-Maschinen abgelöst worden. Bei den Betriebssystemen setzen sich Windows, Linux und MacOS immer stärker durch, seit viele Applikationen nicht mehr ausschließlich unter Unix arbeiten.

Problem Anwendungen

"Die Anwendungen sind das Problem", beschreibt Gartner-Analyst Andrew Butler die Abhängigkeit der Unix-Nutzer von ihren Hard- und Softwarelieferanten. Doch das ändere sich gerade. Applikationen seien immer weniger abhängig an die zugrunde liegende Betriebssystem-Plattform gebunden. Virtualisierungskonzepte von VMware und anderen sowie die allerorts sichtbaren Bemühungen, zu einer Service-orientierten IT zu gelangen, ließen die Bedeutung von Betriebssystem und Prozessorarchitektur sinken.

Nach Meinung Butlers kommen die Hersteller nicht umhin, ihre Unix-Systeme von den Hardwareplattformen abzukoppeln. IBM, HP und Sun würden dabei von unterschiedlichen Interessen geleitet: "Während die Investitionen in Unix für HP und IBM eher taktischer Art sind, braucht Sun Solaris zum Überleben." Die Öffnung von Solaris und der Wegfall der Lizenzgebühren dafür waren seiner Meinung nach die ersten Schritte, mit denen Sun versucht, das Betriebssystem neben Windows und Linux als dritte Softwareplattform zu etablieren. Für Butler ist Sun eher ein Software- als ein Hardwarelieferant.

Ingo Frobenius, Product Marketing Manager Midrange und Enterprise Server bei Sun, räumt ein, dass die Geschäfte mit x86-Hardware zur Zeit gut laufen. Sun habe im letzten Fiskaljahr rund 600 Millionen Dollar mit dem Verkauf von PC-Servern eingenommen, die einen Opteron-Prozessor von AMD enthalten. Das rüttle aber nicht an der Sparc-Architektur. Die Opteron-Maschinen stellten für Sun "ein inkrementelles Geschäft dar. Diese Umsätze addieren sich zu unserem klassischen Sparc-Umsatz und nehmen ihm nichts weg", behauptet der Produktmanager. Tatsache ist, dass Sun seinen Anteil im Server-Markt gesteigert hat. Dazu dürften die hauseigenen Sparc-Systeme "T1", die unter anderem wegen ihrer Stromspareigenschaften geschätzt werden, einen nennenswerten Beitrag geleistet haben. Tatsache ist aber auch, dass sowohl die Opteron- als auch die Sparc-basierenden Systeme unter Solaris angeboten werden.

Von Linux auf Sparc-Servern will Frobenius nichts wissen: "Solaris ist besser als Linux." Er führt eine Reihe von technischen Vorzügen der hauseigenen Software gegenüber den quelloffenen System an. So sei die Fähigkeit zu Multithreading und Skalierung viel größer, File-System und ein Volume-Manager gehörten zum System, das Programm sei ausfallsicher und verwalte mit dem neuen File-System "ZFS" auch Speicher-Pools konsistent. Neben der technischen Reife von Solaris kommen seiner Meinung nach für den Anwender auch Vorteile beim Handhaben zum Tragen. Entscheide sich der nämlich für Linux, müsse er eine bestimmte Distribution wählen - und die sei nicht kostenlos, zumindest wenn er dazu auch den Service buche.

Kosten für Linux

"Einige Anwender nutzen Debian, da für diese Distribution die geringsten Kosten anfallen und der Service meist durch eigene Mitarbeiter erbracht wird." Das macht es laut Frobenius aber kompliziert, wenn es um die Unterstützung von Anwendungen geht: "Will der Anwender dann Oracle nutzen, ist er gezwungen, ein anderes Linux, zum Beispiel das von Oracle angekündigte "unbreakable Linux", zu verwenden - das aber wiederum nicht SAP unterstützt", beschreibt Frobenius das, was seiner Meinung nach zu hohen Verwaltungskosten führt.

Bei Solaris kümmert sich Sun um die Zertifizierung der Anwendungsprogramme. Für die Softwareanbieter sei dieses Verfahren kalkulierbar, weil sie ihre Programme nur einmal für das Sun-System zertifizieren müssten. Komme für das Betriebssystem ein neues Patch-Paket, dann garantiert Sun, dass die Anwendung weiterhin läuft. Das hat sich auch durch die Öffnung von Solaris nicht geändert.

"Hewlett-Packard hat Unix von der Hardwareplattform von allen Anbietern am weitesten entkoppelt", meint Gartner-Analyst Butler. Das Unix-Derivat HP-UX ist für die Risc-Prozessoren PA-Risc genauso verfügbar wie für Intels Itanium und die von Digital Equipment entwickelten Alpha-Prozessoren. "Unsere Itanium-Strategie funktioniert, und wir nehmen dem Wettbewerb Anteile weg", behauptet Klaus Rumsauer, Director Enterprise Server und Storage Business Unit bei HP in Böblingen. HP hatte vor Jahren die Entwicklung der hauseigenen "PA-Risc"-Prozessoren zugunsten von Intels-Itanium-Architektur aufgegeben.

HP-UX versus Linux

Allerdings stellt Rumsauer eine Bewegung von HP-UX zu Linux fest, während die Umsätze mit Windows stabil seien. Derzeit entfallen bei HP aber immer noch rund 50 Prozent der Server-Einnahmen auf die Unix-Plattform und nur zehn Prozent auf Linux.

Was HP schon gut gelungen ist, steht nach Ansicht von Butler der IBM noch bevor: die Abkopplung des Unix-Betriebssystems AIX von der Power-Architektur. Das Unix-Derivat ist nur für die Risc-Plattform zu haben, und daran soll sich auch nichts ändern, sagt IBM-Manager Freund. Eine Portierung der Plattform etwa auf AMDs Opteron-CPU sei nicht geplant.

IBM glaubt an AIX

Das starke Engagement von IBM für Linux bedeute keineswegs, dass sich Big Blue von AIX verabschieden wolle. "Durch die enge Kooperation der Entwicklungsmannschaften für AIX und Power können wir Hardwareerrungenschaften zunächst für AIX umsetzen, weil wir das Betriebssystem kontrollieren. Danach geben wir die Entwicklungen an die Open-Source-Gemeinde weiter, und die entscheidet dann, welche Vorteile sie wann und wie umsetzen will", beschreibt Freund die Vorgehensweise. "Anwender, die die Hardwareverbesserungen sofort benötigen, entscheiden sich für AIX, wer warten kann, nimmt Linux."