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14.06.1985 - 

Das Zusammenwirken von CCITT, ISO, IEC, ECMA und der SPAG-Gruppe:

Die Normungsgremien sind um Gleichschritt bemüht

Die mangelnde Kommunikationsfähigkeit der klassischen DV-Architekturen vor Augen, arbeiten sämtliche am internationalen Normungsprozeß Beteiligten daran, auf dem Feld der Bürokommunikation von Anfang an Inkompatibilität so weit als möglich zu vermeiden. Als gemeinsamer Ausgangspunkt dient dabei - trotz unterschiedlich gearteter Aktivitäten - die OSI-Philosophie.

Die wohl wichtigsten und einflußreichsten Normierungsinstanzen auf internationaler Ebene sind CCITT, ISO und IEC sowie die europäische Herstellervereinigung ECMA; unterstützende Funktionen auf EG-Ebene haben darüber hinaus auch die Standardisierungsorganisationen CEN und CENELEC und als Gremium der europäischen Postverwaltungen die CEPT. Zunehmende Beachtung findet schließlich die "Standards Promotion and Application Group"(SPAG) der zwölf führenden DV-Hersteller in der Europäischen Gemeinschaft mit ihren Aktivitäten.

Im Zentrum der Arbeit des CCITT, in dem alle Postverwaltungen zusammengeschlossen sind, stehen in der Anfang des Jahres begonnenen neuen Studienperiode bis 1988 neben dem Thema ISDN die Bereiche Telematikdienste, Teleservices, also standardisierte Dienste, bei denen der Dienste-Erbringer auch die Kompatibilität der Endgeräte sicherstellt (Beispiel: Teletex), und das für den Bürobereich besonders wichtige Thema "Dokument-Architektur". Mit der Empfehlung T 73 "Document Interchange Format for Telematic Services" hat der CCITT eine Regelung geschaffen, mit der es möglich ist, nicht nur Dokumente mit zeichencodierter Information, sondern auch mit einer Kombination aus konventionellem Text und Telefax auszutauschen. Da der technische Ansatz so allgemein gehalten ist, daß auch andere Informationsarten hinzugenommen werden können, soll T 73 in zwei Richtungen erweitert werden: Zum einen wird das Thema "geometrische Grafik" diskutiert, zum anderen die Möglichkeit, Dokumente auch am Empfangsort weiter zu editieren und nicht nur in endgültiger Form auszutauschen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt in der laufenden CCITT-Tätigkeit ist die weitere Arbeit an den X.400-Empfehlungen für Message-Handling-Systeme; dies gilt vor allem im Hinblick auf die "Directory Services", ohne die Message-Handling-Systeme nicht vernünftig eingesetzt werden können. Hier soll in einem beschleunigten Verfahren bereits bis Ende 1986 eine Empfehlung vorliegen.

ISA-Aktivitäten in drei Gremien angesiedelt

Im Technischen Komitee 97 der ISO beschäftigen sich die folgenden drei Gruppen schwerpunktmäßig mit Themen, die für den Office-Automation-Bereich von besonderer Relevanz sind: SC 21 "Open Systems", SC 18 "Text Preparation and Interchange" und SC 6, die sich mit lokalen Netzen bechäftigt.

SC 21 arbeitet hauptsächlich an der Konsolidierung der Arbeitsergebnisse für die oberen Schichten des ISO-Referenzmodells. Die Ebene 5 gilt als einigermaßen festgelegt, obwohl es hier offenbar noch eine ganze Reihe von Problemen gibt. Für die klassischen Anwendungen wie File-Transfer ist ebenfalls eine gewisse Konsolidierung eingetreten, beim Job-Transfer wurde ein erster Schritt mit der Veröffentlichung, eines ISO-"Draft Proposals" getan. Da es unter den Fachleuten wohl nach wie vor eine Diskussion darüber gibt, ob die Strukturierungen 5, 6 und 7 wirklich der Weisheit letzter Schluß sind, will SC 21 sich einmal grundsätzlich Klarheit über die Strukturierung der oberen Architekturebenen verschaffen. Momentan hat es den Anschein, als komme man dahin, die Ebene 7 feiner zu strukturieren. Den Anstoß dazu lieferte die Standardisierung des File-Transfers, wo man feststellen mußte, daß die Session-Ebene, wie sie heute standardisiert ist, nicht der gelungenste Wurf ist.

Im Mittelpunkt des ISO TC 97 SC 18 steht das Thema "Office Document Architecture" (ODA), wobei hier die ISO-Aktivitäten über die in der CCITT-Empfehlung T 73 hinausgehen. ODA ist objektorientiert und schreibt eine klare Trennung von Dokumentattribut und Dokumentinhalt.

SC 6 schließlich beschäftigt sich vorrangig mit dem Thema LAN und deckt die Ebenen 1 bis 4 des OSI-Modells ab wobei mindestens für die drei klassischen LAN-Typen Ethernet, Token-Bus und Token-Ring eine gewisse Konsolidierung eingetreten ist. Darüber hinaus arbeitet man hier am Thema Interworking,verschiedener Netze und Teilnetze mit dem besonderen Schwerpunkt "Erbringung des OSI-Network-Service".

Das neugegründete IEC-Gremium TC 83 beschäftigt sich ebenfalls mit den lokalen Netzen, ein weiteres wichtiges Thema ist zudem die Arbeit am "Office Technology Interface" (OTI). Bemerkenswert ist dabei, daß hierin nicht nur die Datenverarbeitung und die Telekommunikation einbezogen werden, sondern auch der ganze Bereich der Heimelektronik - und damit auch wieder Thema "Breitband-ISDN". Diese Aktivitäten stehen jedoch noch ganz am Anfang.

Bei der ECMA, der Vereinigung europäischer DV-Hersteller, gibt es im Hinblick auf den Bürobereich zwei wichtige Technische Komitees: TC 29 "Text Preparation and Interchange" und TC 32 "Communication Networks and Systems Interconnection". TC 29 knüpft an die Arbeit von ISO TC 18 an; auch hier heißt das Schlagwort ODA, wobei sich der ECMA-Ausschuß aber nur auf diesen Aspekt beschränkt.

ECMA TC 32 ist in etwa ein Korrespondenzgremium zu ISO SC 21 und SC 6 und beschäftigt sich mit allen sieben Ebenen des Referenzmodells. Eine der wichtigen Aktivitäten ist hier die Standardisierung von PABX-Schnittstellen auf der Terminalanschlußseite und auf der Rechnerseite. Die Vorstellung hier: Man verwendet eine Nebenstellenanalge, in die einiges von dem, was heute in Front-End-Prozessoren abläuft, verlagert ist, und bindet damit Terminals an einen Rechner an. Die Basis dieser ECMA-Arbeiten sind wiederum die CCITT-Empfehlungen zu ISDN. Die Ratifizierung der Vorschläge findet in diesen Tagen statt.

Das DIPE-Projekt der ECMA

Ein weiterer Bereich des ECMA TC 32 ist das Thema "Distributed Interactive Processing Environment" (DIPE). Ziel ist hier die Unterstützung der Programm-Programm-Kommunikation mit dem Design-Kriterium Performance. Hier wird der Versuch gemacht, sogenannte "Common-Application-Service-Elements"-Dienste (kurz: CASE-Dienste), die eigentlich der Schicht 7 zuzuordnen sind, zu definieren und die Protokolle dafür herzuleiten.

Diese Arbeiten haben eine große Ähnlichkeit zu dem, was die IBM unter LU 6.2 APPC versteht. Da das ISO-Modell derzeit etwas Vergleichbares nicht enthält und diejenigen ECMA-Mitglieder, die sich in Richtung OSI festgelegt haben, trotzdem auch mit der SNA-Welt sich auseinandersetzen müssen, ist man wohl bereit, hier gewisse Anleihen bei Big Blue zu machen, zumal LU 6.2 APPC allem Anschein nach ein strategisches Produkt für IBM ist. Ein entsprechender Technical-Support steht ebenfalls in diesen Tagen zur Abstimmung in der ECMA an.

Neben diesen offiziellen oder im Fall von ECMA quasi-offiziellen Normierungsbemühungen ist im März 1984 die SPAG-Gruppe der zwölf europäischen Hersteller mit ihrer OSI-Initiative auch auf den Plan getreten. Drei Elemente kennzeichnet diese Erklärung:

1. Aus den damals bereits bestehenden oder sich abzeichnenden Normen und Standards wurden rund 40 ausgewählt und - ein Novum - bestimmte Funktionen zu einem Bündel zusammengefaßt, während die ISO bisher jeweils schichtweise standardisiert hat. Gleichzeitig hat die Zwölfer-Gruppe erklärt, diese Standards beginnend ab 1985 in ihren Produkten zu implementieren, hier insbesondere im Office-Automation-Bereich.

2. Man entwickelte Produkte, in denen OSI realisiert ist, und weist nach, daß diese geeignet sind, Multivendor-Systeme aufzubauen.

3. OSI soll zum Gegenstand öffentlicher Ausschreibungen gemacht werden.

Nach mehreren Abstimmungsrunden mit den europäischen Normungsinstanzen CEN und CENELEC, die die Vorschläge in den jeweiligen nationalen Gremien zugeleitet haben, sind von den 40 Standards

rund 30 übriggeblieben und im "Harmonization Document 40 001" festgeschrieben worden. Diese könnten als "European Norms" (ENs) verabschiedet werden und damit gemäß den EG-Verträgen nach einer gewissen Übergangsfrist auch nationale Normen werden.

Funktionale Standards ergänzen Basisnormen

Darüber hinaus kam die Zwölfer-Gruppe zu der Erkenntnis, daß wenn man wirklich Interworking und Multivendorsysteme anbieten will - die Möglichkeiten, die die internationalen Standards zulassen, noch zusätzliche Festlegungen nötig machen, um zu wirklich kompatiblen

Implementierungen zu kommen. Das Konzept hieß daher: "Bündelung von Basisnormen und Zusatzfestlegungen hinsichtlich Parameter und Optionen, sogenannte Funktionale Standards. Eine Art Vorläufer dieser Standards war der Ende letzten Jahres erstellte "Guide to the Use of Standards".

Die ersten "Functional Standards" sollen - so die Planungen der beteiligten Hersteller - Ende dieses Jahres verfügbar sein. Nach dem gegenwärtigen Stand umfassen sie die Blöcke Kommunikation über ein paketvermitteltes Netz, (Ebenen 1 bis 4), Kommunikation über LANs (Ebenen 1 bis 4), Harmonisierung X.3, X.8, X.29 und PAD-Zugang, sowie Message-Handling, Ebenen 5 bis 7.