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02.04.1993 - 

Gurus auf der Tools-Konferenz in Versailles

Die Objekttechniken sind reif fuer den kommerziellen Einsatz

Die Entstehung einer neuen Industriesparte prophezeite Jon Kanegaard, Vice-President von Sun Microsystems: "Sobald Standard- und Kompatibilitaetsprobleme ausgemerzt sind, sind Voraussetzung fuer die Entstehung einer Industrie gegeben, die auf das Design und den Verkauf von Softwarekomponenten baut." Ausserdem versprach er, dass die Wiederverwendbarkeit von Code eine Steigerung der Entwicklerproduktivitaet, kuerzere Time-to-Market-Zeiten und eine Verbesserung der Qualitaet ermoeglichen werde. Auch blieben den Programmierern in Zukunft aufwendige Systemprogrammierungen - wie das Threading in verteilten Umgebungen - erspart.

In diesem Zusammenhang fuehrte Kanegaard aus, dass Objekttechniken den Trend zur verteilten Datenverarbeitung unterstuetzten. Diese erlaube jedem Andwender die Kontrolle ueber die saemtliche Ressourcen im Netz - auch wenn die Koordination, Synchronisationskonstrukte und Kommunikationsaenderungen noch problematisch seien.

Auch Brad Cox, Autor grundlegender Werke ueber Objekttechniken, verstand es, seine Zuhoerer zu fesseln. Er ging der Frage nach, welche Konsequenzen objektorientierte Programme fuer den Vertrieb von Software haben koennen. Cox sieht Softwarekomponenten als zukuenftige "Pay-per-use"-Systeme, bei denen der Anbieter nur fuer den Zeitraum bezahlt wird, in dem ein Anwender die Applikation ueber ein Netz laedt und ausfuehrt. Die Abrechnung koennte dann ueber die CPU-Zeit erfolgen. Entsprechende Vermarktungsgesellschaften muessten lediglich Softwarezaehler nach dem Vorbild der Stromzaehler installieren.

Eine Binsenweisheit der Objekttechniken wurde auch auf der Tools- Konferenz immer wieder hervorgehoben: Objektorientierte Technolgie erfordert einen radikalen Bruch bei der Software-Entwicklung. Als eine der von der Gartner Group ausgemachten fuenf Schluesseltechnologien vertraegt sie sich - wie andere neue Vorgehensweisen - mit den bisherigen Konzepten der Software- Entwicklung nicht. Die revolutionaer neuen Moeglichkeiten erfordern auch eine neue Denk- und Arbeitsweise. Tueftler und Einzelgaenger, so die einhellige Meinung, die sich nicht an den Anwenderinteressen orientieren wollen oder koennen, werden sich schwertun.

Darueber hinaus wurde mit dem oft gehegten Mythos aufgeraeumt, Objektorientierung sei ein Mittel zur Produktivitaetssteigerung. Diese Behauptung sei nur in ganz allgemeinem Sinne richtig. Objekttechniken sind vor allem ein Mittel zur Bewaeltigung der Komplexitaetsschranken, die grosse Projekte immer seltener meistern.

Neben dem Grundsatz, dass die meisten Softwareprojekte doppelt so lange dauern, doppelt soviel kosten und nur halb soviel leisten wie versprochen wurde, kommt noch hinzu, dass immer weniger Projekte tatsaechlich fertiggestellt werden. Dass das anders werden wuerde, versprachen jedenfalls einhellig die vortragenden Herstellervertreter - und die Anwender schienen gewillt, es zu glauben.

Durch die Trennung in Tutorien und Konferenzen konnten die unterschiedlichen Interessen der Teilnehmer beruecksichtigt werden. Neben klassischen Einfuehrungen gab es Vortraege zu wiederverwendbaren Klassenbibliotheken, zur Verbindung der Kognitionswissenschaft mit der Objektorientierung, zur Unternehmensmodellierung, zum Einsatz von Objekttechniken bei formalen Methoden oder bei wissensbasierten Systemen. Einzelvortraege wurden zu den Themen Modellierung, Implementation, Anwendungen und Erfahrungen, Methoden, Werkzeuge sowie Distribution-Concurrency gehalten. Um ein breiteres Publikum zu erreichen, haben sich die Veranstalter zudem entschlossen, die Konferenzunterlagen beim Prentice-Hall-Verlag unter dem Titel "Tools 10" zu veroeffentlichen.

* Gerd Rimek ist Fachjournalist in Essen