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Interview


21.11.1997 - 

"Die OMG konkurriert nicht mit Microsoft"

CW: Sie stehen jetzt an der Spitze der Standardisierungsorganisation Object Management Group (OMG). Was haben Sie vor?

SOLEY: Insbesondere werden wir darauf achten, Anwender für die Organisation zu werben, sowie auf Infrastruktur-Spezifikationen für kritische Märkte.

CW: Was meinen Sie damit?

SOLEY: Vor wenigen Wochen haben wir unseren ersten vertikalen Standard verabschiedet. Dabei handelt es sich um ein Audio-Video-Streaming-Control für die Telekommunikationsbranche, mit dem sich eine kontinuierliche Übertragung von Multimedia-Daten gewährleisten läßt. Noch in diesem Jahr soll ein weiterer Telco-Standard für Topologie-Management folgen. Außerdem stehen Standards für Patienten-Informationssysteme, Währungs-Management und Versicherungsverträge kurz vor der Fertigstellung. Insgesamt arbeiten neun verschiedene Gruppen an solchen Branchenlösungen.

HOFFMAN: Aus den Anwenderunternehmen kommt auch schon jetzt unser Mitgliedszuwachs. Von den 215 neuen Mitglieder der vergangenen elf Monate stammen 65 Prozent aus End-User-Firmen.

CW: Kritik erfährt die OMG wegen zu langwieriger Standardisierungsprozesse.

SOLEY: Die Kommerzialisierung unserer Spezifikationen soll sich beschleunigen. Wir müssen unseren Herstellern klarmachen, daß wir die Standards schnell wieder fallenlassen, wenn sich keine Implementierungen abzeichnen.

CW: Neulich haben Sie eingeräumt, daß die OMG sich etwa bezüglich des Dokumentenstandards "Opendoc" verrannt habe. In welche Fallen sind Sie noch getappt?

SOLEY: Glücklicherweise mußten wir nicht allzu viele Fehlschläge verbuchen. Nur zwei von 30 oder 31 Prozessen müssen wir in diese Kategorie einordnen. Außer Opendoc, nebenbei bemerkt eine ziemlich gute Spezifikation, die jedoch Marktakzeptanz vermissen ließ, gibt es nur noch eine mißlungene Definition: bezüglich persistenter Speicherung.

CW: Welche Maßnahmen plant die OMG, um künftig nicht am Markt vorbei zu entwickeln?

HOFFMAN: Wir können nicht vorhersehen, wohin sich der Markt entwickeln wird.

SOLEY: Ihre Frage zielt darauf, ob wir Verträge aushandeln können, die die Hersteller an unsere Spezifikationen binden. Verträge solcher Art funktionieren nicht, weil Hersteller ihre Produktstrategien ändern. Außerdem wären sie kartellrechtlich illegal.

CW: Im vergangenen Jahr übernahm Softbank Comdex weltweit die Konferenzmesse Objectworld von der OMG. In Frankfurt wurde damals überlegt, ob damit auch Microsoft die Veranstaltung nutzen wird. In diesem Jahr hielt Microsoft-Chef Bill Gates eine der Keynotes in Frankfurt. Die OMG rückte in den Hintergrund. Sind Sie mit dieser Entwicklung zufrieden?

SOLEY: Absolut.

CW: Warum? Die OMG propagiert mit der Common Object Request Broker Architecture (Corba) einen offenen Standard, Microsoft aber versucht, mit dem Component Object Model (COM) ein Gegenmodell zu etablieren.

SOLEY: Ich persönlich habe eine Menge Zeit darauf verwandt, das OMG-Mitglied Microsoft zu überreden, an der Objectworld teilzunehmen. Softbank Comdex ist dem Hersteller offenbar neutral genug. Im übrigen konkurrieren wir nicht mit Microsoft.

CW: Das ist die offizielle Version. Tatsächlich sieht das anders aus.

SOLEY: Sicher konkurrieren OMG-Mitglieder mit Microsoft, doch nicht die OMG selbst.

HOFFMAN: Nicht jedes unserer Mitglieder unterstützt alle unsere Standards. Microsoft akzeptiert etwa die Modellierungsnotation Unified Modelling Language (UML), nicht jedoch Corba. Und ich sehe keine Veranlassung, über die Gründe zu spekulieren.

CW: Mit der Programmiersprache Java entsteht ein neuer Industriestandard. Wie steht die OMG dazu?

SOLEY: Wir glauben an offene Spezifikationen.

CW: Sun läßt das nicht zu?

SOLEY: Sun nimmt lediglich Vorschläge seiner Partner entgegen, wie Microsoft für COM. Außerdem beschäftigt sich die OMG nicht mit Sprachstandards.

HOFFMAN: Aber man weiß ja nie.

SOLEY: Ja, man weiß nie. Außer der Sprache selbst gehören zu Java auch noch die Java Virtual Machine (JVM) und Java-Klassen.