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26.10.1990 - 

Unix International erweitert Softwarebasis

Die OSF beginnt jetzt mit der Auslieferung von OSF/1

FRAMINGHAM/LONDON (IDG/CW) - Die Open Software Foundation (OSF) nimmt ab sofort Bestellungen für ihr langerwartetes Unix-Derivat OSF/1 entgegen. Ab November 1990 tritt die Organisation an, um den Vorsprung, den sich die konkurrierende Unix-Organisation Unix International mit dem Beriebssystem Unix System V erarbeitet hat, aufzuholen.

Als eine Art "Unix System V.5" bezeichnet Ira Goldstein, Vice-President der OSF, die Unix-Variante OSF/1 in einem Gespräch, das der englische Informationsdienst "Computergramm" veröffentlicht hat. Der OSF-Sprecher will mit dieser flapsigen Aussage die Überlegenheit des OSF-Unix-Version gegenüber der konkurrierenden AT&T-Variante Unix System V.4 zum Ausdruck bringen. Das neue System verfüge über Eigenschaften des symmetrischen Multiprocessing, biete das sogenannte Multithreading und stelle zudem einen weitaus höheren Sicherheitslevel zur Verfügung.

Unix V.4 stand nach Einschätzung des OSF-Sprechers schon während seiner Entwicklung unter dem Druck der bevorstehenden konkurrierenden OSF-Variante und sei zu früh ausgeliefert worden. Die Folge: Das von Unix International unterstützte System V.4 sei fehlerhaft, unvollständig und nicht in dem einst angekündigten Funktionsumfang lieferbar,

Diese Statements können Marktbeobachter aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß die OSF, von Kritikern bisweilen boshaft als "Unix-Verzögerungsorganisation" bezeichnet, die Auslieferung ihrer Unix-Variante immer wieder hinausschob. Bereits für Ende letzten Jahres war eine erste Version von OSF/1 angekündigt worden. Da sich die Organisation um IBM und DEC aber für eine andere Version auf der Basis des von Carnegie Mellon entwickelten Mach-Kernels entschied, mußten sich die Anwender gedulden.

Auch jetzt müssen die Interessenten mindestens noch sechs Wochen auf die Auslieferung des Source-Codes warten: So lange braucht die OSF, um sich zu vergewissern, daß die jeweiligen Kunden mindestens eine Lizenz für AT&Ts Unix System V in der Version 2.0 oder höher besitzen. Trotz des anderen Kernels und trotz neuer Eigenschaften wie das symmetrische Multiprocessing basiert auch OSF/1 nach wie vor auf dem AT&T-Unix.

Aus diesem Grunde denkt die OSF bereits vor der Auslieferung von OSF/1 an die nächste Version, an OSF/2. Dann, so hofft Goldstein, wird die Organisation ein Produkt liefern, das weitgehend frei von AT&T-Code ist. Dieses Betriebssystem soll eine hochmodularisierte Variante von OSF/1 auf der Basis des sogenannten Microkernels sein.

An einem solchen Kernel entwickeln derzeit Carnegie Mellon, Chorus Systems und das Amoeba Project. Die OSF interessiert sich laut Goldstein für den Mach3-Kernel von Carnegie Mellon, will aber möglicherweise einige Ideen von Chorus und Amoeba übernehmen.

Während die OSF noch die Auslieferung ihrer Unix-Variante vorbereitet, kümmert sich Unix International seit Mai dieses Jahres um ein breiteres Software-Angebot für das von AT&T entwickelte Unix System V.4. Mehr als 200 sogenannte Independent Software Vendors (ISV) sind derzeit damit beschäftigt, ihre unter MS-DOS oder unter proprietären Betriebssystemen lauffähige Software auf System V zu portieren. Sie werden unterstützt von Mitgliedsfirmen wie AT&T, Sun Microsystems oder NCR.