Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

Kurze Innovationszyklen bedrängen CAD-Konstrukteure


30.11.1990 - 

Die Outsourcing-Unternehmen haben den CAD-Markt entdeckt

MÜNCHEN (CW) - Konstrukteure und CAD-Designer stöhnen unter immer rascher werdenden Innovationszyklen. Um hier Entlastung zu schaffen, sollen diese Bereiche ausgelagert werden. Die hierzulande noch nicht allzu erfolgreichen Outsourcer wollen über die CAD-Branche in den Markt der mittelständische Betriebe einsteigen.

"In den kommenden drei bis vier Jahren wird Facilities Management rund 15 Prozent des CAD/CAM-Marktes ausmachen", spekuliert Klaus-Dieter Gronwald, Geschäftsführer der Advanced Graphics Systems AG, Bern. Allein für Deutschland erhofft er sich deshalb ein Marktpotential bei CAD-Anwendern von 330 Millionen Mark. Für denselben Zeitraum erwarten die Branchenbeobachter von IDC Deutschland allerdings nur ein Marktvolumen von 140 Millionen Markt für den gesamten Bereich des Facilities Management.

Gronwald verteidigt seine mehr als optimistische Prognose mit dem Hinweis, daß immer kürzere Innovationszyklen die Hersteller zwingen werden, neue Möglichkeiten für die rasche Konstruktion neuer Produkte zu finden. So habe Professor Hans-Peter Wiendahl vom Institut für Fabrikplanung an der Universität Hannover ermittelt, daß in der Konsumgüterindustrie spätestens nach zwei Jahren die gesamte Produktion umgekrempelt sei. In der Elektronikbranche werde sogar jährlich umstrukturiert.

Facilities Management ist nach Ansicht von Gronwald der beste Weg, um diesem raschen Wechsel auf der planerischen Seite gerecht zu werden. Grund genug für ihn, sein Unternehmen und das objektorientierte CAD-Werkzeug "Visionael" als Outsourcing-Service für überlastete CAD-Unternehmen anzubieten.

Der Schweizer steht mit seinem Optimismus nicht allein. Auch die General Motors Tochter EDS bemüht sich zur Zeit intensiv um den CAD-Markt. Dafür hat das Unternehmen für seine bisher zwölf Kunden ein eigenes Engineering-Zentrum aufgebaut. Darunter befinden sich Firmen wie Porsche und die Flugzeugmotorenbauer BMW-Rolls-Royce GmbH. Zielgruppe für diesen Service sind allerdings die mittelständischen Unternehmen.

Wie Gronwald rechnet auch EDS-Geschäftsführer Gräber mit der gespannten Lage bei den CAD-Designern. Vor allem die Zulieferfirmen werden immer stärker in die Produktentwicklung eingespannt. Dabei gibt jeder Auftraggeber seine internen Standards vor. Hier springt EDS ein. Gräber: "Wir stellen dem Kunden jede gewünschte Hard- und Software zur Verfügung, schulen seine Mitarbeiter und übernehmen eventuell anfallende Formatänderungen bei der Übertragung der Konstruktionszeichnungen zum Auftraggeber."

Der Vorteil eines solchen Rundum-Services, der wie Gräber einräumt, alles andere als billig sei, liege für den Kunden nicht in der Senkung der DV-Kosten. So zählt zum Beispiel für Reiner Thiele, Geschäftsführer der gleichnamigen Automobil- und Anlagenbau-GmbH, die Fähigkeit, flexibel auf die im Konstruktions-Bereich besonders vielfältigen Anforderungen zu reagieren: "Wir können jetzt von der Zeichnung bis hin zum Modellbau alle Aufgaben termingerecht ausfahren, auch wenn wir zur Zeit des Auftragseingangs das dafür nötige Equipment und Know-how noch nicht im Haus haben."

Thiele bestätigt damit die Argumente von Gerhart Peleschka, dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Motorenwerke Mannheim AG (MWM). Dort wurde nicht nur der CAD-Bereich, sondern gleich die gesamte DV ausgelagert, um, so Peleschka, "ständig auf dem neuesten Stand zu sein". Beide Manager betonen, daß Innovationsschübe in ihren Verträgen mit dem Serviceunternehmen vorgesehen und damit kalkulierbar seien.

Peleschka nennt aber auch einen Pferdefuß des Outsourcing. Wer sich für eine andere als die vom Dienstleister empfohlene Soft- und Hardware entscheidet, muß deutlich tiefer in den Geldbeutel greifen.

Auf die Frage, wo bei diesem Dienstleistungsumfang für mittlere Unternehmen der Profit für EDS herkomme, antwortete Geschäftsführer Gräber ausweichend: "Wir behandeln unser Mittelständler nicht nur genauso wie unsere Großkunden, wir verlangen prozentual auch die gleichen Preise." Er räumt allerdings ein, daß die erlösten Beträge in absoluten Zahlen gemessen weit voneinander abweichen.

Insgesamt schreibt EDS nach Angaben von Gräber schwarze Zahlen. Im vergangenen Jahr betrug der Umsatz der 1200 Mitarbeiter starken deutschen Niederlassung 325 Milliarden Mark. Der Löwenanteil von 85 Prozent wird dabei allerdings durch Aufträge der Konzernmutter General Motors erwirtschaftet. Aber auch ohne diese Aufträge, insistiert der EDS-Geschäftsführer, wäre sein Unternehmen profitabel.