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22.07.1983

Die PC-Idylle bröckelt

Der Begleittext wurde analytisch: "Es stimmt ja", tönte es vorletzte Woche in Bayern über den dritten Fernsehkanal, "Computer sind eine faszinierende Schöpfung des Menschen." Dann allerdings kein "Amen", sondern: "Aber die Euphorie und Cleverness derer, die von ihm leben, geistig oder materiell, hat ihn in Mißkredit gebracht." Titel der Sendung, die unter Ausschluß der Öffentlichkeit lief (Sendezeit nach 21 Uhr): "Kinder und Computer". Schlußsentenz: Kinder fahren Rad.

Die Entschlossenheit, mit der in den Medien Vorurteile über das "Denkzeug Computer" (O-Ton-Bayern III) aufgespießt werden, ist neu. Noch vor Jahren war es bei Wissenschaftsjournalisten in den öffentlichen Rundfunk- und Fernsehanstalten überhaupt nicht üblich, vom Computer als "faszinierender Schöpfung des Menschen" zu reden. Damit hätte man ja verklausuliert ausgesprochen, was ohnehin jeder Computeranwender weiß: daß der Computer an sich, ohne Programme, absolut sinnlos ist. Nur drücken sich die Praktiker hemdsärmliger aus: Der Computer ist ein nützlicher Vollidiot.

Sendungen wie "Kinder und Computer" sind heute keine Einzelfälle mehr. Und nicht immer finden sie so wenige Zuschauer im Pantoffelkino. Sendungen wie diese, gerade weil sie das Thema Computerakzeptanz so differenziert behandeln, stellen Öffentlichkeit her, tragen dazu bei, daß sich Meinungen bilden.

Das Feindbild, das sich arrogante Über-Spezialisten machen, stimmt längst nicht mehr: Wer leichtfertig mit den Reizworten "Maschinenstürmer" oder "Computer-Analphabeten" hantiert, baut lediglich Pappkameraden auf, die bei dem geringsten Lufthauch umfallen - eines ausgewachsenen Proteststurmes bedarf es nicht, das Argumentationsgebäude (Technikfeindlichkeit etc.) zum Einsturz zu bringen.

Bemerkenswert bleibt in jedem Fall, was in dem Zitat (siehe "Mißkredit") zur Rolle der DV-Industriellen, der Brancheninsider angemerkt wird. Der Bayern-III-Redakteur rollt eine Geschichte auf, die die Branche selbst noch nicht angepackt, geschweige denn aufgearbeitet hat: den Umstand nämlich, daß Marktschreierei mit Akzeptanzförderung verwechselt wird. Zwar haben etliche DV-Experten begonnen, sich mit der Problematik auseinanderzusetzen, sich dabei jedoch bisher im wesentlichen auf Allgemeinplätze beschränkt, denn bei beruflich vorbelasteten Kritikern könnte man sich blamieren-und der Laie, so der Einwand, verstehe eh nicht, was gemeint sei.

In einem Punkt sollte man den vielzitierten "Normalverbraucher" nicht unterschätzen: Er läßt sich durch die Werbung der DV-Industrie, insbesondere für Mikros und Personal Computer, nicht besoffen machen. Immer deutlicher wird es den zukünftigen Kleincomputerbesitzern, daß es mit der Anwenderwirklichkeit in den Anzeigen der PC-Anbieter nicht weit her ist. Die Personal-Computer-Idylle bröckelt. Die "Homuters", Vater, Mutter, Sohn und Tochter, einträchtig vor dem häuslichen Mikro vereint, sind eine Erfindung der Werbebranche. Das zahnlückerte Goldköpfchen in den TV-Spots für den IBM Personal Computer wirkt ungewollt erheiternd. Je stärker die Hersteller den PC als "lieben" Haus- und Berufsgenossen herausstellen, um so unglaubwürdiger werden sie. Die meisten Jugendlichen sind gar nicht darauf aus, im stillen Kämmerlein am Personal Computer zu programmieren. Am liebsten toben sie sich draußen aus: Sie fahren Rad.

Womit wir wieder bei der Schlußsentenz des Fernseh-Features wären und ihrer versteckten Mahnung an die Computerindustrie: Verschont uns mit dümmlichen Anzeigen - so doof ist der Computer gar nicht.