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05.11.1982 - 

Von den IBM-kompatiblen Herstellern darf der Anwender hohe Flexibilität erwarten:

Die PCM-Industrie ähnelt einem Chamäleon

MÜNCHEN - Die PCM-Industrie geht schwierigen Zeiten entgegen. So wird den IBM-kompatiblen Herstellern von US-Analytikern insbesondere vorgehalten, sie könnten nicht vor 1985 auf die Herausforderung durch die Erweiterte Architektur (XA) reagieren. Obendrein habe IBM dann die Architektur schon wieder geändert. Trotz aller Unkenrufe bestehen aber die PCMs auf ihrer Fähigkeit, XA nach angemessener Zeit in den Griff zu bekommen. Mehr Kopfschmerzen bereiten da schon die Forderungen vom Anwender, was die Flexibilität nicht nur bei der Hardware, sondern insbesondere auch bei der Vertragsgestaltung betrifft.

Um gegenüber der IBM einigermaßen erfolgreich bestehen zu können, sehen sich die Plug Compatible Manufacturers (PCM) mit einigen Sachzwängen konfrontiert. Da ist zunächst natürlich die Forderung einer sehr strengen Kompatibilität zu IBM an den Schnittstellen von Hardware und Mikrocode. Die Hersteller werden denn auch nicht müde, diesen Punkt immer wieder besonders zu betonen. Die Vergangenheit hat gezeigt, daß der Anwender auf diesem Gebiet kaum ein Risiko mit Hardware, die nicht das IBM-Zeichen trägt, eingeht.

Soweit bislang Mikrocode in den Maschinen des Marktführers implementiert war, gelang es gleichfalls, die Kompatibilität zu gewährleisten. Ob das so bleibt (Reizwort XA) ist dagegen noch offen. Die PCMs haben es zwar durchweg verkündet, weil der Markt unter dem Druck des Ersten mittlerweile nach dem XA-Announcement verlangt. Doch einzig IBM hat, soweit bisher bekannt ist, Pilotinstallationen der erweiterten Architektur in Betrieb. Sogar ein bundesdeutscher Anwender darf, wenn die Gerüchte stimmen, daran herumprobieren.

Kühlphilosophie geändert

Erfreulicher sieht es für den IBM-kompatiblen Mitbewerb dagegen bei den Preisen aus: Das Preis-/Leistungsverhältnis ist in aller Regel besser als beim Marktführer und hat auch schon manchen Anwender überzeugt. Natürlich nicht nur das. Die PCMs können eine Reihe technologischer Leckerbissen für sich reklamieren wie die Ferndiagnose beispielsweise, die IBM erst drei Jahre nach den PCMs anbot.

Bei der Kühlphilosophie der großen Zentraleinheiten scheint dagegen eine Wandlung im Konzept der IBM einzutreten. Aus den IBM-Labors hört man mittlerweile von Versuchen, trotz Höchstintegration und damit nach herrschender Lehrmeinung auch höherer Wärmedichte die Luftkühlung zu favorisieren. Dies wäre um so erstaunlicher, als bislang die Wasserkühlung bei den IBM-Jumbos kein Diskussionsthema war.

Trübe Zukunft

Mit der Ausfallrate ihrer Hardware sahen die PCMs (und sehen wohl auch in Zukunft) bisher immer gut aus, was bei IBM schon eher mal ein Thema ist. Ähnliches gilt für die Flexibilität im Ausbau, wo mancher Anwender von blauen Rechnern das Lied vom Migrationsproblem singen kann. Dagegen läßt der Service des Stuttgarter Rechnerherstellers nur wenig Wünsche offen. Hier streben die PCMs den gleichen Ruf an (was auch gerade zur Überzeugung eines potentiellen Kunden unbedingt erforderlich ist), vor allem im Bereich Fehlererkennung und -behebung.

Soweit die Notwendigkeiten, die die PCMs heute erfüllen müssen, um zu den Produkten des Marktführers wettbewerbsfähig bleiben zu können. Beim Blick in die Zukunft haben die PCMs nun allerdings keinen Grund zur Freude.

So müssen sie zunächst ihre Aufwendungen für Forschung und Entwicklung (F&E) deutlich steigern, um IBM-Veränderungen zeitgerecht nachvollziehen zu können. Gleichzeitig müssen die R&D-Abteilungen eigene Wege des Unternehmens in Architektur und Mikrocode finden, die nun aber unter keinen Umständen die Kompatibilität zu IBM stören dürfen. An diesem Punkt stellt sich die Frage der Finanzierung: werden es die PCMs auch weiterhin schaffen, zwischen zwei Innovationszyklen genügend Maschinen abzusetzen, um die Entwicklung bezahlen zu können?

Ein Vorsprung vor der IBM läßt sich unter Umständen dadurch halten, wenn man konsequent neueste Entwicklungstrends verfolgt und daraus gewonnene Erkenntnisse auch kurzfristig in schon ausgelieferte Produkte sowie Planungen einbezieht. In diesem Punkt ist ein Monsterunternehmen wie IBM mit Sicherheit zu schwerfällig und steht angesichts der auszuliefernden Stückzahlen auch gar nicht vor der Notwendigkeit, so zu handeln.

Guter Draht zu IBM

Mit der Nutzung der jeweils neuesten Technologie haben die PCMs die Möglichkeit, auch weiterhin ein günstigeres Preis-/ Leistungsverhältnis bieten zu können. Alle Bemühungen sind jedoch umsonst, wenn es den Mitbewerbern nicht gelingt, gute Drähte zu den Denkfabriken des Marktführers zu behalten, um IBM-Pläne rechtzeitig kennenlernen zu können. Angesichts der regelmäßigen Abwerbung von blauen Spezialisten in die Reihen der PCMs scheint hier aber keine Gefahr zu bestehen.

Was erwartet nun der Anwender von einem IBM-Mitbewerber? Zunächst natürlich die 100 prozentige Kompatibilität heute. Doch wichtiger ist, daß er das Risiko einer zukünftigen Kompatibilität tatsächlich abschätzen kann. Auch soll das Preis/ Leistungsverhältnis natürlich über den gesamten Einsatzzeitraum einer Anlage besser als das des Marktführers sein.

Schließlich wird vom kompatiblen Anbieter eine erheblich höhere Flexibilität erwartet als von der IBM und das nicht nur bei der Hardware. Das fängt beispielsweise mit dem Vertragsverhalten des Lieferanten bei längerer Nutzungsdauer an und verlangt vor allem Anpassungsfähigkeit an Wünsche und Gegebenheiten des Anwenders bei der Vertragslaufzeit, den Zahlungsmodi, eventueller Wandlungsklauseln und natürlich bei den Upgrade-Möglichkeiten.

Unterstützung bei der Planung

In aller Regel gibt es hier bei der IBM feste ausgetretene Pfade, die der Anwender, wenn überhaupt, nur unter Mühen verlassen kann. Allerdings ist damit zu rechnen, daß bei schwieriger werdender Marktlage auch die IBM anders reagieren wird, um keine Kunden an die Konkurrenz abgeben zu müssen. Gegen diese Forderungen im kaufmännischen Bereich (die ja auch die finanzielle Basis eines Unternehmens mitbestimmt) scheint die Hardware-Flexibilität, etwa um evolutionäre Anpassungen durchfuhren zu können, geradezu simpel zu sein.

Selbstverständlich scheint auch, kompetente Gesprächspartner zur Beratung des Kunden parat zu haben. Doch über die reine DV-Beratung hinaus erwartet der Anwender, gerade bei Investitionen, die leicht in die Millionen gehen können, sachgerechte Unterstützung bei den Zukunftsplanungen. Dies erfordert, nicht nur bei den PCMs, neben den reinen technischen vor allem auch Kenntnisse auf betriebswirtschaftlichem und organisatorischem Gebiet.

Abgesehen von den bisher genannten Punkten rechnet der PCM-Anwender natürlich mit ausreichenden Fähigkeiten seines Lieferanten im Umgang mit der IBM-Systemsoftware. Und viel eher als die IBM muß der PCM die Bereitschaft zeigen, mit anderen Lieferanten zusammenzuarbeiten. Wer sich schon auf eine kompatible CPU einläßt, nutzt in aller Regel auch PCM-Peripherie. Nicht umsonst steigen jetzt auch die letzten PCMs ins Peripherie- und damit Systemgeschäft ein. Letztendlich wird der Anwender auch einen Blick auf die finanzielle Substanz seines potentiellen Lieferanten werfen: was nutzt ein Hersteller, der in drei Jahren nicht mehr am Markt ist?

Demzufolge muß Bestandteil einer PCM-Philosophie sein, für den IBM-Benutzer eine langfristig gültige, möglichst risikolose und vor allem wirtschaftliche Alternative zu bleiben. Erreichen läßt sich das durch eine vollständig IBM-kompatible Produktpalette von Zentraleinheiten, Hauptspeichererweiterungen, Platten- und Bandperipherie, Systemen zur verteilten Datenverarbeitung sowie Programmprodukten. Als Dienstleistungen muß der PCM qualifizierten technischen Kundendienst, Systemberatung und Unterstützung, Schulung, Finanzierung und Brokerage-Geschäfte bieten.

Hohe Flexibilität gefragt

Bei der PCM-Preisgestaltung hat sich in der Vergangenheit gezeigt, daß die Produkte des IBM-Mitbewerbs in der Regel zehn bis 20 Prozent leistungsstärker als vergleichbare IBM-Erzeugnisse und gleichzeitig zwischen 20 und 30 Prozent kostengünstiger sind. Abgesehen davon, daß dies so bleiben muß, ist eine hohe Vertragsflexibilität gefragt, die beispielsweise

- Veränderung der Vertragslaufzeiten,

- Anpassung an bestimmte Budgets,

- Anmietung von Ausrüstung an Kaufmaschinen,

- Ankauf von Ausrüstung an Mietmaschinen,

- Wandlung des Mietgegenstandes,

- Vorzeitige Auflösung von Langfristverträgen ohne Strafe,

- Inzahlungnahme von IBM-Maschinen oder Maschinen anderer Hersteller sowie

- Gleitende Kaufoptionen erlaubt.

Bezüglich der Kompatibilität muß der PCM dem Kunden in einem Gewährleistungsvertrag die 100 prozentige IBM-Kompatibilität zusichern. Dazu gehört, daß

- alle Betriebssysteme und Programmprodukte, gleich welcher Herkunft, die auf einer bestimmten IBM-Zentraleinheit funktionsrichtig ablaufen, ,ohne Änderungen' auf dem gelieferten System einsatzfähig sind;

- alle Einheiten und Einrichtungen, gleich welcher Herkunft, die an einer bestimmten, IBM-Zentraleinheit angeschlossen werden können, ,ohne Änderung' am System angeschlossen werden;

- der Hersteller sich verpflichtet, für neu angekündigte Soft- und Hardwarekomponenten der IBM, die für die gleiche, bestimmte IBM-Zentraleinheit eingesetzt werden können, den Einsatz auch für die Zentraleinheit zu gewährleisten (neun bis zwölf Monate nach IBM FCS).

Dieser Bericht basiert auf Informationen der Diebold Deutschland GmbH, Frankfurt.