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30.04.1993 - 

Standard bei Multimedia-Schulungen bleibt die einfache CD-ROM

Die Photo CD von Kodak eignet sich nicht nur als Papierersatz

30.04.1993

1982 war das Geburtsjahr der CD-DA (Compact Disc Digital Audio). Im Jahr 1985 folgte die CD-ROM (Compact Disc - Read Only Memory), die eigentlich nur Daten wie Text, Grafik oder Bilder aufnimmt - auf ihr war das Speichern von Audio- und vor allem Video-Informationen zunaechst gar nicht vorgesehen. Dennoch fungiert die CD-ROM heute oft auch als Speicher fuer Audio- und DVI-komprimierte Video-Daten. Wieso das funktionieren kann - dazu spaeter mehr. Die erweiterte CD- ROM/XA ist vom Konzept her eher auf das Jonglieren mit Multimedia- Daten eingerichtet.

Weitere Mitglieder der CD-Familie sind: CDTV (steht fuer Commodores Dynamic Total Vision), eine spezielle Form der CD-ROM fuer die PCs vom Typ "Amiga" der Firma Commodore, die allerdings nur eine untergeordnete Rolle spielt. Dann gibt es die Photo CD von Kodak, die einen Standard fuer die Speicherung von Bilder mit einer Hochaufloesung setzen koennte. Zudem speichert die Photo CD auch Ton und kann als Ton-Bild-Schau genutzt werden. Schliesslich haben Philips und Sony die Compact Disc Interactive, kurz CD-I, in den Markt eingefuehrt, die eher fuer den Heimbereich bestimmt ist.

Die derzeit kommerziell wohl vielversprechendste Compact Disc duerfte die Photo CD sein, die eigentlich eine CD-ROM/XA ist. Beim Fotografieren bleibt zwar alles beim alten, doch nach dem Entwickeln gibt es etwas Neues auszuprobieren. Zur Photokina ´92 wurde sie erstmals vorgestellt und soll bis zu 100 Privat-Fotos aufnehmen koennen.

Fuer professionelle Anwendungen geeignet

Doch schon jetzt zeichnet sich ab, dass die Photo CD vor allem fuer professionelle Anwendungen geeignet ist. Schon kurz nach der Ankuendigung der Photo CD haben die wichtigsten Hersteller die Farbcodierung "YCC" und den Aufzeichnungsstandard akzeptiert: IBM, Apple, Hewlett-Packard, Sun Microsystems, Olivetti, Digital Equipment, Next Computer und Softwarehaeuser wie Adobe Systems, Aldus, Oracle werden das Photo-CD-Format in ihre Soft- und Hardware integrieren. Damit koennen Farbbilder erstmals in einheitlicher Form in Computern gespeichert und via CD oder via Datenuebertragung versandt werden. Apple beispielsweise hat das Photo-CD-Format inzwischen in die QuickTime Version 1.5 integriert - und Quicktime wiederum ist neuerdings auch unter Windows verfuegbar. Ueberdies wird der DTP-Spezialist Adobe das Photo-CD-Format in Level 2 von Postscript einbinden.

Das Speichern und die Verarbeitung von Bildern in einer hohen Aufloesung beginnt beim Fotofachhaendler. Dort wird nicht nur der belichtete Film entwickelt, auf Wunsch kann der Kunde seine Originale elektronisch auf der Photo CD abspeichern lassen. Es ist nicht notwendig, die CD auf einmal zu fuellen, der Kunde kann sie auch nach und nach mit seinen Bildmotiven bestuecken lassen. Die leere Photo CD kostet etwa 14 Mark und die Uebertragung rund 1,20 Mark je Bild.

Die Idee scheint die Konsumenten zu ueberzeugen beim Kauf eines Photo-CD-Laufwerkes zoegern viele Hobbyfotografen allerdings noch. In deren Haushalt ist meist bereits ein Audio-CD-Laufwerk vorhanden, so dass das Argument des Doppelnutzens nicht sonderlich zieht. Viele warten auf sinkende Preise, so dass die Anschaffung eines, moeglicherweise tragbaren, Zweitgeraetes erschwinglich wird.

Jedes Bild ist auf der Photo CD von Kodak nicht bloss einmal, sondern in fuenf verschiedenen Versionen abgelegt. Die ersten vier dienen zur Abbildung auf Computer- und TV-Bildschirmen, einschliesslich des zukuenftigen HDTV. Fuer die elektronische Abbildung hat die Photo CD allemal genug Darstellungskraft. Die hoechste Aufloesung benoetigt man fuer die Papier- oder Filmkopien im Profi-Bereich. Sie betraegt 2048 x 3072 Bildpunkte. Das entspricht einem Datenvolumen von rund 18,5 MB. Die Fotos werden etwa auf ein Viertel der urspruenglichen Informationsmenge komprimiert, damit um die 100 Motive auf der Photo CD Platz finden. Fuer 1993 hat Kodak die "Pro Photo CD" angekuendigt, die die Beschraenkung auf das Kleinbildformat ueberwindet. Auf der Pro Photo CD koennen auch Bilder von einem 120 Millimeter breiten Film beziehungsweise im Format 4 x 5 Zoll untergebracht werden. Die Aufloesung solcher Bilder betraegt 4096 x 6144 Bildpunkten, bei einer Farbtiefe von 24 Bit und einer unkomprimierten Datenmenge von 72 MB. So bietet die Pro Photo CD Raum fuer 25 komprimierte Profi-Bilder.

In vielen Entwicklerkuechen und Systemhaeusern wird bereits heftig an Rezepten geruehrt, deren Hauptwuerze der neue Bilder-Standard ist. Ein Systemhaus fuer Banken verwendet die Bilder als Hintergund fuer Praesentationen auf Multimedia-Terminals. Fernsehstationen spielen die digitalen Bilder bei Dokumentationen, Magazinen und Nachrichtensendungen ein und versenden Standfotos platzsparend und rationell an Programmzeitschriften. Der Redakteur einer Programmzeitschrift holt sich das Bild von der Photo CD, die sich im CD-ROM/XA-Laufwerk seines Computers befindet und baut das Bild gleich selbst in die Zeitung ein.

Problematisch bleibt die Echtfarbdarstellung am PC

Juergen Reichelt, Geschaeftsfuehrer von Mediaspektrum, hat sich kurzerhand ein Laufwerk von Toshiba fuer seinen 486-PC besorgt, als er das Potential der Photo CD erkannt hatte. Die Installation nahm allerdings geraume Zeit in Anspruch. Was naemlich ein CD-ROM/XA- Laufwerk ist, hat sich noch nicht bei allen Fachleuten herumgesprochen. "Geliefert wurde ein altes Laufwerk, das nur Single-Session-faehig und nicht Multi-Session war", erinnert sich Juergen Reichelt. Eine Photo CD kann in mehreren Aufzeichnungen beschrieben werden, ein Single-Session-Laufwerk ist allerdings nur in der Lage, die Bilder aus der ersten Aufzeichnung zu lesen, fuer die weiteren ist es sozusagen blind. Multi-Session-faehige Laufwerke gibt es in der DOS-Welt von Philips, Toshiba und Pioneer. Bei Apple ist inzwischen das "CD 300i"-Laufwerk verfuegbar, das aehnlich wie die anderen Systeme zwei Lesegeschwindigkeiten hat (neben 150 KB pro Sekunde auch 300 KB).

Mit dem entsprechenden Laufwerk versehen, konnte Reichelt seinen ersten Versuch unternehmen: "Wir waren positiv ueberrascht. Mit Photostyler oder Pagemaker klappte die Bilduebernahme auf Anhieb, bei Corel Draw 3.0 raetseln wir allerdings noch etwas herum." schildert Reichelt seine ersten Erfahrungen. Wobei die Bilduebernahme im Augenblick noch von von keiner Software direkt geleistet werden kann. Zum Zugriff auf die Photo CD liefert Kodak die Photo-CD-"Access"-Software fuer 129 Mark aus. Sie erlaubt den Zugriff und das Abspeichern im Computer in einem der gebraeuchlichen Grafikformate. Bei IBM-kompatiblen Computern sind dies beispielsweise TIFF, RIFF, BMP, PCX oder RAW. Beim Macintosh sind es zum Beispiel TIFF, PICT, EPS oder RAW.

Toshiba liefert das CD-ROM-Laufwerk mit "Photovision" aus, eine Software, die aehnlich zu Kodaks "Photo Edge" (229 Mark) einfache Bildverarbeitung erlaubt, wie die Schaerfe verbessern, Belichtung und Kontrast veraendern. Professionelle Bildverarbeitungsprogramme wie Aldus´ "Photostyler", Micrografx´ "Picture Publisher" oder "Photo Paint" von Corel - sowie Adobes "Photo Shop" beim Macintosh - lesen die Bilder ein und stellen sie Layout-Programmen wie Pagemaker oder QuarkXpress zum Import zur Verfuegung.

Ist das Foto in das Layout eingebaut, kann es ans Belichten gehen. "Wir hatten Muehe, eine Belichtungsanstalt zu finden. Die meisten winkten ab." erzaehlt dazu der Agenturinhaber Reichelt. Als Partner fanden wir schliesslich die Firma Farbfoto Harz in Duesseldorf. Die Testseite hatte ein Datenvolumen von rund 40 MB, und kostete 28 Mark je A4-Film.

Der Austausch dieser Datenmenge kann sich in der DOS-Welt zum Problem entwickeln. Wechselplatten sind hier nicht so verbreitet wie beim Macintosh. Hier setzen sich DAT-Streamer durch.

Bei Lithographie-Systemen wird ein guter Teil des Know-How aufgebracht, um Farbverfaelschungen zu vermeiden. Solche Systeme sind komplett auf die farbgetreue Wiedergabe eingestellt, vom Scanner ueber die Bildschirmausgabe am Monitor des EBV-Systems (Elektronische Bildverarbeitung) bis zur Filmbelichtung. Profis benuetzen dafuer spezielle Gradationskurven und korrigieren prozentual die vier Druckfarben CMYK (Cyan-Blau, Magenta-Rot, Gelb und Schwarz).

Eine gute Portion Erfahrung ist dafuer noetig. Kodak bietet aber eine Loesung an: Fuer das hochwertige Farb-DTP-System "Prophecy" haben die Leute von Kodak schon einmal unter dem Stichwort "Color Management System" ein Kalibrationsprogramm entwickelt, das die intuitive Korrektur nach Sicht auf dem Bildschirm einer Workstation erlaubt. Allerdings besteht noch keine Verbindung zwischen diesem System und der Photo CD.

Juergen Reichelt experimentiert mit einer Software-Kalibration ueber den Photo Styler. Bis Farb-DTP ohne weiteres mit Hilfe der Photo CD funktioniert, sind noch viele Erfahrungen zu sammeln. Aber der Trend zur Zeitschriften-Produktion mit digitalen Bildern von der Photo CD koennte sich vergroessern.

Die Show mit Video und Stereoton wird jedoch von der CD-ROM/XA und von der CD-I kommen. Zwar zielt die CD-I, wie bereits erwaehnt, mehr auf den Consumer-Markt. Doch auch im Industriebereich findet

die CD-I bereits Liebhaber. "Wir haben zu Anfang an den Einsatz eines Personal Computers mit Bildplattenspieler gedacht. Das haette einige Vorteile gehabt, doch am Ende erschien uns diese Loesung zu teuer und nicht sonderlich mobil." berichtet Hans Lammel, Manager des Training Centers fuer die Diagnostic Imaging Systems Division der Agfa-Gevaert AG in Muenchen.

Ein CD-I-Player entspricht in der Groesse einem normalen Audio-CD- Player, und bildet zusammen mit einem TV-Monitor eine wesentlich kompaktere Installation. Das "Agfa Matrix CR 2030 Imaging Center" ist ein Tageslichtprojektor fuer die Diagnose. Die CD-I war zunaechst fuer das Training der Techniker bestimmt. Da jedoch auf einer CD-I viel Raum fuer Daten ist, wurde die Compact Disc mit Praesentationsprogrammen bespielt. So konnten sich Schulung und Marketing die Kosten teilen.

Andere Multimedia-Produzenten behelfen sich mit der Compact Disc nach Art der CD-ROM. Vor allem der Kostenfaktor ist das schlagende Argument fuer diese Interimsloesung. Auch Reinhard Wehner von M.I.T. in Friedrichsdorf hat schon zahlreiche Programme auf CD-ROM und DVI realisiert. "Ein nicht unerheblicher Faktor ist die Verteilung der Programme. Das koennen wir unseren Kunden mit der CD-ROM bieten."

Der Unterschied zur CD-ROM/XA: Alle miteinander verwandten Arten von Compact Discs gehoeren zwei Gruppen an, die sich durch die Art der Speicherung unterscheiden. Computerdaten wie beispielsweise Programme sind in puncto Datenverlust (zum Beispiel durch mechanische Fehler wie Scharten in der CD) sehr sensibel - dafuer sind CD-ROMs mit Algorithmen zur Fehlererkennung und -beseitigung geeignet: Mode 1 (Modus 1) nennt der Multimedia-Fachmann das. Der Mode 2 (Modus 2) ist fuer Daten gedacht, die schneller fliessen muessen, eben Audio- und Video-Daten. Die CD-ROM/XA, die Photo CD und die CD-I zaehlen zu den im Modus 2 beschriebenen CDs. Modus 2 sieht die Moeglichkeit vor, die Daten direkt an die Video- und Audio-Ausgaenge zu leiten, ohne dass der Mikroprozessor die Daten penibel und zeitraubend auf

Fehler ueberprueft wie in Modus 1. Eine mit Video-Daten beschriebene CD-ROM ist also durchaus moeglich - allerdings fliesst dann der Datenstrom durch den Mikroprozessor des Rechners, was somit einige Klimmzuege erfordert, wie beispielsweise das Zwischenspeichern von Daten.

Die nahe Zukunft koennte weitere Entwicklungen bringen, unter anderem, dass die meisten Computer ein CD-ROM/XA-Laufwerk eingebaut haben - vorzugsweise an einer SCSI-2-Schnittstelle mit bis zu 20 MB Datendurchsatz, damit Anwender Audio-CDs, Photo CDs, CD-ROMs und CD-ROM/XAs lesen koennen. Im Massenmarkt werden die CD-Geraete ueber kurz oder lang sowohl Audio-CDs als auch Photo CDs abspielen koennen.

*Karl Mayer ist freier Journalist in Muenchen.

Abb: Einsatz von Multimedia-Anwendungen in grossen Unternehmen. Quelle: a.i.m, Muenchen