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12.07.2002 - 

Kolumne

"Die Pleitewelle rollt"

Heinrich Vaske Chefredakteur CW

Schnelles Wachstum auf Pump, Internationalisierung um jeden Preis, Übernahmen ohne Sinn und Verstand - irgendwie war ja klar, dass der Neue Markt ein böses Ende nehmen würde. Aber irgendwie auch wieder nicht. Warum sonst steckten die Bürger ihr sauer Erspartes in horrend hoch bewertete Firmen, deren Geschäftsaktivitäten zum Teil dubios oder gar nicht bekannt waren? Warum sonst empfahlen Banken und Anlegermagazine trotz bereits abenteuerlicher Kurse immer noch diese Aktien?

Nun zeigen alle mit den Fingern auf Brokat und Biodata, Ceyoniq und SER, Heyde und Brain etc. Die Wut wächst in dem Maße, wie sich Betrugs- und Insider-Vergehen häufen. Dabei wären viele Anleger gut beraten, das Börsendesaster sportlich zu nehmen. Schließlich wurden sie vom selben Impuls getrieben wie die Unternehmer: der Gier. Und wer den Firmen Betrug vorwirft, sollte erst einmal vor der eigenen Tür kehren. Ein Gespräch mit Finanzbeamten über die Zahlungsmoral in Sachen Spekulationssteuer gibt hier hinreichend Aufschluss.

Trotzdem sind die Pleiten ein Desaster - für die Kunden und den gesamten IT-Markt. Viele Anwender müssen jetzt Millionenbeträge aufwenden, um auf Softwareprodukte überlebensfähiger Anbieter zu wechseln. Bei deren Auswahl kommt die mittelständische deutsche Softwareindustrie immer seltener zum Zuge. Sie wird für die skandalösen Vorgänge am Neuen Markt in Sippenhaft genommen. Wer sich etwa mit Dokumenten-Management-Software von SER oder mit ERP-Produkten von Brain eingedeckt hat, wird nun auf Nummer sicher gehen und die Lösungen eines stabileren Partners, etwa Microsoft oder SAP, wählen wollen.

Durch die Konjunkturkrise ohnehin schon unter Druck, hat die deutsche Softwareindustrie damit noch schwerere Probleme. Wollen diese Häuser neue Kunden gewinnen, müssen sie Zugeständnisse machen, die weit über die Versprechen der konkurrierenden Marktführer hinausgehen.

Die Palette reicht von großzügigen Preisnachlässen über betriebswirtschaftlich kaum noch zu rechtfertigende Sonderkonditionen bei der Kundenbetreuung bis hin zur Offenlegung von Sourcecodes und Geschäftsgeheimnissen. In manchen Fällen werden die Softwareschmieden sogar Unternehmensanteile an ihre Kunden abgeben müssen, um den Zuschlag für einen überlebenswichtigen Auftrag zu bekommen.

In dem Maße, wie sich die Softwareanbieter so entblößen, werden sie den Ausleseprozess im Softwaremarkt ungewollt vorantreiben. Die Skandale an Deutschlands Wachstumsbörse Nummer eins, dem Neuen Markt, sind dafür entscheidend mitverantwortlich.