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31.07.1998 - 

Das Kostenargument hatte ausgedient

Die Porsche AG holt ihre kommerzielle IT zurück

Die Dame am Telefon meldet sich noch mit "IBD", aber die Informationssysteme Betriebs- und Dienstleistungs GmbH, Stuttgart, existiert eigentlich nicht mehr. Genauer gesagt: Deren Bürogebäude und Mitarbeiter gehören seit Ende des vergangenen Jahres zur Porsche Informations- und Kommunikationssysteme GmbH (Piks).

Piks unterscheidet sich von der IBD derzeit vor allem dadurch, daß die Eigentumsverhältnisse quasi auf den Kopf gestellt wurden: An der IBD GmbH war die Porsche AG nur mit einem Viertel beteiligt, während 74,9 Prozent des Unternehmens der IBM gehörten. Bei Piks verhält es sich umgekehrt. Diskutiert wird derzeit, ob der Sportwagenproduzent den IT- Dienstleister zu hundert Prozent übernehmen soll. Allerdings gibt es dazu noch keine konkreten Pläne.

"Geänderte Ziele" lautet die offizielle Antwort der Porsche AG auf die Frage, warum sie ihre betriebswirtschaftliche Informationstechnik wieder unter die eigene Kontrolle gebracht hat. Die IBM interpretiert diese Entscheidung als ein Ergebnis der vom Porsche-Management verfolgten Strategie, alle Tochterunternehmen und Beteiligungen in den Konzern zurückzuholen. Diese Begründung klingt nur bedingt plausibel, da Wendelin Wiedeking dem Porsche-Vorstand bereits seit August 1993 vorsitzt und damit das vor etwa viereinhalb Jahren vollzogene Outsourcing mitgetragen oder wenigstens toleriert haben dürfte.

Eine einleuchtende Erklärung bietet die jüngste Unternehmensgeschichte des Automobilherstellers an. Die Auslagerung der Rechenzentrumsleistungen und des Netzbetriebs für die kommerziellen IT-Applikationen hatte vor allem finanzielle Gründe. Anfang der 90er Jahre befand sich das Unternehmen in wirtschaftlichen Schwierigkeiten, weshalb es sich bei seiner Entscheidung von der Hoffnung auf geringere IT-Kosten leiten ließ. In dieser Hinsicht wurde es auch nicht enttäuscht: Wie der im Dezember 1997 ausgeschiedene IBD-Geschäftsführer Gottfried Rodegra erläutert, konnte das Gemeinschaftsunternehmen dank günstiger Einkaufskonditionen und diverser "Synergie-Maßnahmen" die IT-Betriebskosten der Porsche AG deutlich senken. Um wieviel, will der IBM-Manager nicht verraten.

Diese Medaille hatte allerdings eine weniger schöne Rückseite. Nach eigener Darstellung schob die Porsche AG auf diese Weise die notwendigen IT-Investitionen nur hinaus; zudem verbaute sie sich den Weg in eine zukunftsorientierte IT-Umgebung.

So jedenfalls sieht es Richard Winkler, im Oktober vergangenen Jahres als Turnaround-Manager eingestellt und heute Geschäftsführer der Piks GmbH.

Laut Winkler hat das Unternehmen die Technologie seiner kommerziellen Datenverarbeitung durch die Ausgliederung in die IBD "eingefroren". Nach einigen Jahren seien die Systeme deshalb den Ansprüchen eines dynamischen Fertigungsbetriebs nicht mehr gewachsen gewesen.

Winkler hält die einseitige Konzentration auf den Kostenaspekt nur innerhalb eines begrenzten Zeitraums - maximal zwei Jahre - für akzeptabel. Eine solche Sichtweise auf die IT führe dazu, daß die Nutzenfrage überhaupt nicht mehr gestellt werde. "Am besten kann man die Kosten senken, wenn man gar nichts macht", spottete der IT-Experte anläßlich der von Euroforum veranstalteten "IT-Leiter-Tage" in Bad Homburg. "Aber das ist nicht wirtschaftlich."

Als es dem Automobilhersteller wieder besser ging und er begann, die Informationstechnik als Chance für Wettbewerbsvorteile zu begreifen, hätten die Outsourcing-Partner ihre Beziehung eigentlich neu überdenken müssen. Laut Rodegra ist das auch geschehen. Mehr noch: In seiner Eigenschaft als IBD-Geschäftsführer habe er selbst der Porsche AG vor einem Jahr eine "totale Erneuerung" vorgeschlagen. Die kommerzielle Datenverarbeitung des Automobilproduzenten basierte bis dato auf einer konventionellen Mainframe-Terminal-Architektur mit teilweise selbstgeschriebenen oder aber veralteten Applikationen.

Augenscheinlich stieß Rodegra mit diesem Vorschlag auf offene Ohren. Tatsächlich ist Piks derzeit dabei, die betriebswirtschaftliche Informationstechnik der Porsche AG grundlegend zu überarbeiten - allerdings ohne den IBM-Mann. Winkler deutet an, daß es außer den sachbezogenen auch andere Gründe für die Auflösung beziehungsweise Umwandlung der IBD gab: Die Kulturen der beiden Joint-venture-Partner waren offenbar nur bedingt kompatibel.

Die Porsche AG machte also von einer Option Gebrauch, den ursprünglichen Vertrag mit der IBM nach vier Jahren zu kündigen beziehungsweise dahingehend zu verändern, daß sie wieder die Mehrheit an ihrer ausgegliederten RZ- und Netzwerkabteilung übernahm. Wie Winkler betont, handelte es sich bei der Firmenumwandlung de facto nur um einen Rückkauf der Unternehmensanteile. Die IBD war stets auf dem Porsche-Gelände beheimatet, und die Belegschaft bestand im wesentlichen aus etwa vier Dutzend ehemaligen Porsche-Mitarbeitern. Außerdem ist diese Rückholaktion keinesfalls ein Insourcing. Während die technische DV und die Anwendungsentwicklung nach wie vor in das Automobilunternehmen integriert sind, bleibt der Betrieb der kommerziellen IT-Funktionen bis auf weiteres ausgegliedert - aus Gründen der Kosten- und Leistungstransparenz.

Unter Winklers Regie hat sich die Piks GmbH viel vorgenommen. Zunächst wurden die Prozesse des Unternehmens analysiert und ein darauf abgestimmtes IT-Konzept entworfen. Als neue Plattform für die kommerzielle Informationstechnik installieren Winkler und seine Mitarbeiter eine Client-Server-Architektur auf der Basis neuester Hardwaretechnik. Dazu zählen CMOS-Rechner und Ramac-Platten. Im Gespräch sind auch NC-Clients.

Die derzeit sehr heterogenen betriebswirtschaftlichen Anwendungen sollen weitestgehend auf R/3 von SAP umgestellt werden. Laut Winkler deckt die Standardsoftware mindestens 70 Prozent der Porsche-Anforderungen ab - nicht zuletzt dank der Branchenerweiterung "Automotive". Da, wo die individuellen Geschäftsprozesse es erfordern, soll der R/3-Standard durch Fremdprodukte sowie durch Eigenentwicklungen ergänzt werden, die aber in jedem Fall die R/3-Schnittstellen - beispielsweise das ALE-Konzept - unterstützen.

Geplant sind zudem die informationstechnische Integration der Unternehmenstöchter und die Einführung eines ATM-Netzes. Der Begriff Outsourcing hingegen kommt in Winklers Überlegung nur noch mit dem Adjektiv "partiell" vor.

Das Unternehmen

Die Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG wurde 1931 als Gesellschaft mit beschränkter Haftung gegründet; seit 1972 firmiert sie als Aktiengesellschaft. Das in Stuttgart-Zuffenhausen ansässige Unternehmen steht für extrem sportliche Personenkraftwagen, die sich von ihren Mitbewerbern nicht nur durch eine rennerprobte Technik unterscheiden, sondern auch durch ein Äußeres, das vom launischen Zeitgeschmack kaum beeinflußt wird. Nach einer Durststrecke Anfang dieses Jahrzehnts schreibt Porsche heute wieder schwarze Zahlen - nicht zuletzt wegen der "Boxter"-Serie, die dank ihres vergleichsweise günstigen Preises eine breitere Käuferschicht anspricht. Im vergangenen Jahr erwirtschafteten die knapp 8000 Porsche-Mitarbeiter einen Umsatz von mehr als 2,8 Milliarden Mark. Wer Porsche im Internet sucht, bekommt derzeit leider nur eine englischsprachige Site angeboten (www.porsche.com).

Was Piks will

Die Porsche Informations- und Kommunikations GmbH (Piks) fungiert als IT-Dienstleister für die Porsche AG. Sie gehört zu knapp drei Vierteln dem Mutterkonzern und zu etwas mehr als 25 Prozent der IBM Deutschland GmbH. Piks-Geschäfts-führer Richard Winkler faßt das Credo des 50köpfigen Informatikbetriebs in vier Punkten zusammen. Demzufolge will Piks:

-die Haupterfolgsfaktoren der Porsche AG durch IT-Dienstleistungen unterstützen,

-als kostenorientierter Dienstleister im Unternehmensverbund agieren,

-wirtschaftlich und effizient arbeiten sowie zu marktkonformen Preisen anbieten,

-eine technologisch führende Position erreichen und sie durch geeignete Methoden und Verfahren absichern.