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15.04.1994

Die Power-Macs im Test

Zweimal - Ende Januar und Mitte Februar - hatten wir Gelegenheit, die Power-Macs unter die Lupe zu nehmen. Waehrend das Betriebssystem trotz Betaversion bereits einen aeusserst stabilen und ausgereiften Eindruck machte, sah die Situation an der Applikationsfront etwas duerftiger aus - wobei einschraenkend gesagt werden muss, dass das Labor von Apple Deutschland nur mit einer gewissen zeitlichen Verzoegerung von den US-Schmieden Proben der Software-Fortschritte erhaelt

Etliche Programme konnten ueberhaupt nicht zum Start bewegt werden, andere machten sich, kaum dass sie geoeffnet worden waren, schnell wieder vom Acker. Einen sehr guten Eindruck hinterliessen zu diesem Zeitpunkt vor allem die Native-Versionen des technischen Illustrationsprogramms Isodraw, das von der deutschen Firma Itedo stammt, sowie Clarisworks.

Da zwischenzeitlich eine Betaversion von Metrowerks Entwicklungsumgebung Code Warrior in die Redaktion geflattert war, brachten wir an einigen Abenden den klassischen Dhrystone- Benchmark sowie unsere selbstgestrickten Quickdraw-Testfolgen auf Native-Power-PC-Kurs.

Die meisten unserer Tests wickelte der Power-Mac noch im Emulationsmodus ab - deren Ergebnisse vermitteln also absolut kein realistisches Bild ueber die wahren Faehigkeiten der neuen Macs. Andererseits stimmen die Werte auf das Leistungsniveau ein, mit dem sich der Power-Mac-Anwender erst einmal bescheiden muss, ehe in den kommenden Wochen und Monaten die Applikationen reihenweise in den Native-RISC-Hafen einlaufen.

Was die Power-Macs in ihren Native-Gefilden leisten, spiegelt sich zum einen in den Native-Dhrystone- sowie in den Quickdraw- Benchmarks wider. Auch anhand der Tests mit den genuinen Power-PC- Versionen von Clarisworks und von Adobe Photoshop koennen Sie sich ein Bild davon machen - wobei es sich um nichtoptimierte PPC- Software im Alpha-Stadium handelt.

Den Benchmark-Reigen eroeffneten wir mit der bekannten Shareware Speedometer von Scott Berfield - einer reinen 68K-Applikation, die nur die Leistungsfaehigkeit des Emulationsmodus erforscht. Hier werden neben der reinen Prozessor-Power auch die Grafikfaehigkeiten sowie die Festplattenmoeglichkeiten unter die Lupe genommen, ehe daraus ein zusammenfassender Performance-Index gebildet wird. Die Testergebnisse geben ein anschauliches Bild davon, wie sich die drei Power Macs in puncto Prozessorleistung abstufen.

Weniger aussagefaehig sind die Werte fuer Massenspeicher und Grafikkarte, die je nach Hardware-Gegebenheit differieren. (Die Festplatten der Testmodelle stammten zwar alle von Quantum, gehoerten jedoch verschiedenen Produktfamilien mit unterschiedlich Speicherkapazitaet und damit Zugriffszeit an.) Der Einbruch des Power Macintosh 7100 bei der Grafik ist darauf zurueckzufuehren, dass er als einziger nicht mit seinem eingebauten Video arbeitete, sondern sich mit dem Prototypen einer neuen Power-Mac-Karte bescheiden musste. Das maessige Grafikergebnis drueckte auch den Gesamtindex.

Hier mussten sich die Kandidaten einer Folge von Low-level- Benchmarks in 68K-Code stellen, bei der so grundlegende Quickdraw- Kommandos wie das Zeichnen von Linien, Rechtecken und Kreisen sowie das Scrollen beziehungsweise Kopieren von grossen Textbloecken abgefragt wird. Saemtliche Testroutinen sind so ausgelegt, dass kein Peripheriezugriff erfolgt, da dies sonst die Ergebnisse verfaelschen wuerde.

Die Unterprogramme machen bei den vielen Schleifendurchlaeufen sogenanntes Clipping erforderlich. Clipping zaehlt gleichfalls zu den fundamentalen Quickdraw-Funktionen. Es garantiert - vereinfacht gesagt -, dass zu einer bestimmten Zeit nur in einen gewissen Bildschirmbereich gezeichnet wird. Der Window-Manager beispielsweise waere ohne die Clipping-Routinen von Quickdraw verloren.

Der 8100 schneidet in unserer Tabelle nur vermeintlich schlechter ab. Im Gegensatz zu seinen kleinen Bruedern musste er alle Benchmarks im Truecolor-Modus absolvieren - was sich besonders beim Scrollen wegen der zu bewegenden Datenmasse deutlich bemerkbar macht. Bei 256 Farben lag er geringfuegig vor seinen Kollegen.

Hier musste der 8100/80 sich der Native-Version der Quickdraw- Benchmarks stellen. Da sich diese Resultate nur marginal von den Ergebnissen des Emulationsmodus unterscheiden und der Abstand zu den Resultaten unseres Vergleich-Macs, dem Quadra 700, zum Teil erheblich ist, laesst das den Schluss zu, dass Apple diese wichtigen Toolbox-Befehle bereits in Native-RISC-Code portiert hat, so dass auch im Emulationsmodus die Befehle nur durchgeroutet und dann in Native-Code ausgefuehrt werden.

Wie enorm die Leistungsdiskrepanz zwischen dem 68K-Emulationsmodus und dem Native-RISC-Mode ist, belegt die Dhrystone-Testsuite. Die Werte geben ein anschauliches Bild von dem, was rein CPU-maessig in den Power Macs steckt.

Nun zu den Applikationstests: In der PPC-Version von Clarisworks sollten die Power-Macs zeigen, wie lange sie fuer 5187 Ersetzungen in einem ellenlangen Text benoetigen. In den PPC-Photoshop-Tests ging es zunaechst darum, ein Bild von RGB nach CMYK zu modifizieren. Sodann wurde auf das gleiche Bild der Gausssche Weichzeichner angewandt. Die Photoshop-Tests konnten wir nur beim 8100/80 durchfuehren, da die kleineren Brueder in der Testkonfiguration lediglich 8 MB RAM besassen - zuwenig fuer Adobes Bildbearbeitungsprogramm.

Das heikle Thema Benchmarks gewinnt beim Power-Mac an Brisanz. Wenn naemlich Tests gefahren werden, die ausschliesslich im Emulationsmodus laufen - was beispielsweise bei aufwendigen Numerikaufgaben der Fall ist (Mathematica im Emulationsmodus zu testen, erbraechte vermutlich aehnliche Ergebnisse wie auf einem LC) -, fallen die Ergebnisse schlechter aus als beim Quadra.

Das laesst sich am Speedometer-Test gut belegen. Die Whetstone-Suite wird ueber SANE-Traps realisiert, daher schneidet der Power Macintosh 8100/80 besser ab; die Testhuerden Dhrystone bis Sieve sind hingegen ausschliesslich im Emulationsmodus und ohne Toolbox- Aufruf zu nehmen - aus diesem Grund geht der Quadra 700 vor seinem Power-Mac-Kollegen 8100/80 durch die Zielgerade. Folglich ist sein CPU-Index besser als des 8100/80. Solche Benchmark-Folgen entsprechen allerdings nicht der Arbeitspraxis, denn eine Standard-Mac-Applikation verbringt sehr viel Rechenzeit in der Toolbox. Da deren Routi nen aber groesstenteils bereits portiert sind, kann ein Power-Mac es durchaus auch im Emulationsmodus mit einem Mittelklasse-Quadra aufnehmen.