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19.04.1991 - 

Anwender vermissen noch die notwendige Transparenz

Die PPS-Anbieter stellen sich auf den Mittelstandsmarkt ein

19.04.1991

Auf der CeBIT waren heuer rund 180 Anbieter von PPS-Produkten für die Grundstoff- und Fertigungs-Industrie vertreten. Das sind schätzungsweise etwa 70 Prozent der im deutschen Raum ansässigen PPS-Anbieter. Dieses massive Aufgebot regte Karin Bäck* an, einmal das PPS-Angebot speziell für den Mittelstand unter die Lupe zu nehmen.

Die mittelständische Industrie bedeutet zweifelsohne eine attraktive Zielgrupe für Anbieter mit Standardlösungen im PPS-Bereich beziehungsweise im Rahmen einer CIM-Konzeption. Das gilt inzwischen auch für die großen Häuser: SAP hat den Grundstein dazu mit seiner Mittelstandsorganisation gelegt; die junge Daimler-Benz-Tochter Debis bezieht ebenfalls den Mittelstand in ihre strategischen Überlegungen ein - im Rahmen der Aktivitäten "Systemhaus-Industrie". Die Entwicklung läßt eindeutig die Tendenz zu ausgereiften Standards und die Konzentration auf starke Anbieter erkennen.

Unterschiedliche Anforderungsprofile

Schwer tut man sich allerdings damit, den Begriff Mittelstand zu klassifizieren. Sind es nun die Unternehmen von 10 bis 500, von 100 bis 800 oder von 300 bis 1000 und mehr Beschäftigten? Gemessen an der Bandbreite wird deutlich, welche Vielzahl an unterschiedlichen Anforderungsprofilen bedarfsgerecht bedient werden soll-und das in einem angemessenen Preis-Leistungs-Verhältnis. Der Forderung nach mehr Transparenz in diesem Punkt wird immer noch in ungenügendem Maße Rechnung getragen; das heißt, dieser Punkt bleibt weiterhin unbefriedigend gelöst.

Dem individuellen Zuschnitt werden die PPS-Standardprodukte in mehrfacher Weise gerecht: Baukastenprinzip, Parametrisierung sowie Maskengeneratoren und SQL -Schnittstellen bieten flexible und auf die typischen Varianten der Ablauforganisation zugeschnittene Lösungen. Darüber hinausgehende individuelle Adaptionen beeinträchtigen meist die Wartungsmöglichkeiten seitens der Anbieter und seitens der Anwender das Budget. Die Vorteile einer Standardlösung bleiben deswegen auch nur solange erhalten, wie der überwiegende Teil der Anforderungen im Rahmen des Standards abgewickelt werden kann.

Den unternehmensbezogenen Anforderungen hinsichtlich der Adaption werden heute insbesondere die Anbieter gerecht, die in den letzten drei Jahren mit dem Einsatz moderner Werkzeuge ihrem Produkt ein gründliches Redesign verordnet haben; sie können für sich zusätzlich die optimale Nutzung der modernen Hardware-Technologie verbuchen und bieten andererseits einen sicheren Investitionsschutz im Hinblick auf sukzessiven Ausbau und bestmögliche Integration von vor- und nachgeschalteten Funktionsbereichen .

Ablösung alter Lösungen mittelfristig empfohlen

Was sich heute im Fachjargon als "state of the art" präsentiert, beinhaltet die Einbindung von frei wählbaren Datenbanken, eine Benutzeroberfläche in Windowtechnik und die "vollständige Integration". Die herausgestellte Integrationsfähigkeit von PPS -Lösungen hat sich mehr oder weniger für folgende Standard-Funktionalität durchgesetzt: Vertrieb, Einkauf, Materialwirtschaft, Produktionsplanung- und -steuerung sowie in einigen Fällen das Rechnungswesen.

Um die Vorteile der Integration voll nutzen zu können, ist dem Anwender allerdings die Ablösung bereits bestehender Teillösungen zumindest mittelfristig zu empfehlen. Es sei denn, der Anbieter kann auf ein spezialisiertes Integrations-Know-how zurückgreifen.

Integration bedeutet funktional einerseits die automatisierte, wechselseitige Aktualisierung von Stamm- und Bewegungsdaten in den Bereichen Fertigung, Einkauf und Vertrieb; der Nutzen für den Anwender liegt hier in der erheblichen Reduzierung von Doppelerfassungen. Andererseits bedeutet Integrationsfähigkeit die zwingende Voraussetzung für Fertigungsstrategien wie beispielsweise "Just-in-time" oder

"Simulationsfähigkeit", "Netchange" oder "belastungsorientierte Auftragsfreigabe". Das gleiche gilt für die Möglichkeit der Kundenauftrags-bezogenen Abfrage über alle Stufen der Fertigung hinweg.

Zu den vor- und nachgelagerten Bereichen, wie beispielsweise CAD, Leitstand, Betriebsdaten-Erfassung (BDE), Instandhaltung, Personalwesen und Kostenrechnung, werden in den meisten Fällen Schnittstellen zu Partnerlösungen angeboten. Wie jedoch auch im Diebold Management Report Nr. 10 des vergangenen Jahres konstatiert wird, ist das Ziel zum durchgängigen CIM-Konzept damit noch lange nicht erreicht. Dennoch: Erste ernstzunehmende Schritte in Richtung CIM künden einen unaufhaltbaren Trend an.

Der zunehmende Druck auf die Fertigungsindustrie hinsichtlich kürzerer Lieferzeiten und größerer Marktorientierung zwingt eine wachsende Zahl von Unternehmen zu einer Vermischung der Fertigungsstrukturen. Die PPS-Anbieter haben sich auf diese Diversifizierung eingestellt und unterstützen in den meisten Fällen die Abwicklung von der Einzel- und Varianten- bis zur Serienfertigung, allerdings mit unterschiedlichen Schwerpunkten.

Jüngere Entwicklungen heben eine Teilestammkonzeption hervor, die speziell dem Einzel- und Variantenfertiger eine deutliche Reduzierung des Pflegeaufwands verspricht. "Expertensystem-unterstützte Variantenkonfigurationen" - bescheidener: "Entscheidungstabellen" und "regelbasiertes" Variantensystem - lauten in diesem Zusammenhang die Zeichen der Zeit.

In bezug auf die preisliche Angebotsgestaltung hat sich insbesondere im Umfeld der mittelständischen Standard-PPS-Pakete die Differenzierung nach Prozessor -Technologie und nach Modellklassen durchgesetzt. Ein Preisvergleich stellt sich als außerordentlich schwierig dar und bietet sich seriöserweise auch nur in bezug auf den konkreten Bedarfsfall an.

Neben dem reinen Paketpreis sind auf jeden Fall die Einführungskosten in eine vergleichende Betrachtung einzubeziehen. Dabei handelt es sich um ein recht beachtliches Bündel von Dienstleistungen, wie beispielsweise Analyse, Systemanpassung, Installation, Schulung, Wartung und Pflege. Neben dem Hotline-Service gewinnt zunehmend die Ferndiagnose an Bedeutung, insbesondere im Hinblick auf die Reduzierung von Ausfallzeiten.

Den hohen Anforderungen an Beratung und Betreuung tragen die Anbieter mit zunehmend flächendeckender Repräsentanz Rechnung. Dem Zeitgeist entsprechend zeichnet sich ein gesundes Mix zwischen direkter und indirekter Vertriebsstrategie ab. Im indirekten Geschäft übernehmen Softwarehäuser, Systemhäuser, Unternehmensberatungen, aber auch die traditionellen Hardwarehersteller Vertriebs-und / oder Supportfunktionen wahr.

Der Trend zur Herstellerneutralität und damit die Hinwendung zu Unix-basierten Systemen hat sich auch auf der diesjährigen CeBIT bestätigt. Allerdings machen die Angebote weiterhin deutlich, daß Unix noch nicht gleich Unix ist. Insgesamt dominierten aber sowohl die IBM-SAA-Architektur als auch Unix-Systeme.

Der näher rückende europäische Binnenmarkt hat auch in der PPS-Software seine Spuren hinterlassen. Das Angebot enthält-über die mehrsprachige Artikelbetextung und die Verarbeitung von Fremdwährung hinausgehend-vielfach die Option für fremdsprachige Masken und Dokumentationen sowie die Berücksichtigung nationaler Spezifika.

Einen mächtigen Schub nach vorn hat - verglichen mit dem letzten Jahr - das Engagement in den neuen Bundesländern erfahren. Immerhin hat eine beachtliche Zahl von PPS-Anbietern bereits Kooperationspartner gefunden beziehungsweise befindet sich in Verhandlungsgesprächen. Außerdem konnten mehrere Anbieter über laufende Installationen berichten.

Unix spielt eine dominierende Rolle

Sensationelle Veränderungen im Angebot für PPS-Systeme waren nicht erkennbar. Bestehende Trends haben sich bestätigt: Die Zielgrupe Mittelstand gewinnt weiterhin an Attraktivität für die Anbieter; Standardpakete für diesen Kundenkreis sind im Vormarsch; Funktionalität und Integrationsfähigkeit entwickeln sich zum Vorteil der Anwender; Unix setzt sich zunehmend durch.

Der mittelständische Unternehmer könnte zufrieden sein mit dieser Entwicklung. Allein er ist es noch nicht; denn die Transparenz, die er für seine Entscheidungsfindung braucht, läßt weiterhin zu wünschen übrig. Für die Anbieter sollte dies ein Ansporn sein, sich ungeahnte Reserven zu erschließen.