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02.08.1991 - 

Auslieferungstermine endgültig besiegelt

Die Produktstrategie der SAP verwirrt mittelständische Anwender

WALLDORF (hv) - R/2, R/3 oder doch lieber das Steeb-CAS-Paket SC400? Mittelständische SAP-Anwender rätseln derzeit, welche Produktlinie ihr Walldorfer Standardsoftware-Lieferant nun eigentlich für sie vorgesehen hat. Eine neue Anzeigenkanpagne und korrigierte Auslieferungstermine sorgen zusätzlich für Verwirrung.

Die "Mittelstandsorganisation der SAP AG", so der deutsche Software-Überflieger in einer Werbekampagne, heißt SAP Consulting GmbH und hat seinen Sitz in Walldorf. Der Untertitel "Klare Frage. Klare Antwort" entbehrt allerdings nicht einer gewissen Ironie, denn, obwohl bei SAP erklärtermaßen alle Wege in das neue Standardsoftware-Paket R/3 münden, ist die Unternehmenspolitik derzeit nicht unbedingt transparent. Mit der Bezeichnung "Mittelstandsorganisation" wirbt nämlich auch die zweite SAP-Tochtergesellschaft, die seit April dieses Jahres bestehende Steeb-CAS-lnformationstechnik GmbH in Abstatt bei Heilbronn. Dieses auf AS/400-Software spezialisierte Unternehmen setzt sich aus der Steeb und der CAS GmbH zusammen, den beiden mittelständischen Anbietern, die im letzten Jahr von den Walldorfern geschluckt wurden.

SAP Consulting bemüht sich darum, nach den Großunternehmen auch mittelständische Betriebe von den Vorteilen der R/2-Software auf IBM-/370-Mainframes zu überzeugen und der SAP auf diese Weise neue Märkte zu öffnen. Angesprochen sind Unternehmen, deren Umsatz zwischen 40 und 200 Millionen Mark liegt, und die maximal bis zu 1200 Mitarbeiter beschäftigen. Auch das Unix-Geschäft ist bei der SAP Consulting GmbH aufgehängt Anfang 1992 sollen erste R/3-Anwendungen unter Unix erscheinen, Mitte 1993 dann das komplette SAP-Spektrum. Die Steeb-CAS GmbH strebt die Vermarktung ihrer Standardsoftware SC400 auf IBM-Midrange-Systemen der Serie AS/400 an. Mit diesem Paket, das aus der Zusammenführung der Produktlinien beider fusionierten Unternehmen hervorgegangen ist sollen nun die IBM-Midrange-Anwender solange bei der Stange gehalten werden, bis die vor mehr als zwei Jahren angekündigte Mittelstandssoftware R/3 auch für die AS/400 verfügbar ist.

Läuft die R/3-Standardsoftware endlich sowohl auf der AS/400 als auch auf Unix-Rechnern, so werden SAP Consulting und Steeb-CAS zusammenwachsen. "Es wird rechtlich nur noch eine Mittelstandsorganisation geben, mit einem gemeinsamen Management", so Reinhold Hecker, der in der Geschäftsführung beider Unternehmen vertreten ist. Dazu wird es allerdings später als erwartet kommen, denn die R/3-Software soll nach aktuellsten Informationen erst im dritten Quartal 1993 als integriertes Gesamtsystem ohne PPS und Kostenträgerrechnung erscheinen. Komplett, so die Ankündigung der Walldorfer, ist die Anwendungspalette dann ein Jahr später am Markt erhältlich - Mitte 1994 also. Bis dahin können AS/400-Anwender mit den SC400-Produkten arbeiten, die nach Angaben von Hecker bis Ende 1993 weiterentwickelt und danach noch weitere fünf Jahre gewartet werden sollen.

Ob der angekündigte R/3-Auslieferungszeitpunkt tatsächlich eingehalten werden kann, ist allerdings insofern fraglich, als das SAP-Produktangebot entscheidend von der AS/400-Politik der IBM abhängt: Wie die Walldorfer mitteilen, sind noch erhebliche hard- und software- technische Erweiterungen der AS/400 notwendig, damit die R/3-Architektur mit guter Performance auf dem IBM-Midrange-System laufen kann.

Kein Problem sei es, schon auf den heutigen AS/400-Maschinen das Terminal- und DB2-Handling laufen zu lassen und den Application Server auf Unix-Workstations zu verlegen. Dagegen sei der Rechner von seinem derzeitigen Performance-Status her als Zentralsystem noch nicht geeignet.

IBM habe jedoch eine Leistungssteigerung der AS/400 sowie Architektur- und Funktionserweiterungen in Aussicht gestellt, betont Hecker. Erst wenn die versprochenen Vorgaben erfüllt seien, könne der Anwender das R/3-System nicht nur in einer Client-Server-Architektur, sondern auch "konventionell zentral" nutzen.

SC400-Anwender müssen laut Hecker nicht fürchten, auf dem Abstellgleis zu landen, wenn die AS/400-Version von R/3 am Markt erhältlich ist: "Die Funktionalität von SC400 wird kostenlos in R/3 zur Verfügung gestellt." Keineswegs kostenlos ist dagegen der komplette Umstieg von SC400 auf R/3.

Hier winkt den Walldorfern ein interessantes Ablösegeschäft, vor allem dann, wenn sich die Anwender entschließen, über die SC400-Funktionalität hinauszugehen.

"Es wird die gleichen Konditionen wie beim Wechsel von R/2- auf R/3-Systeme geben", kündigt Reinhold Hecker an. Die Anwender dürften sehr "moderate" Übergangsbedingungen erwarten.