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Softwaredistribution als Rettungsanker

Die Push-Technik erlebt im Intranet eine Wiedergeburt

09.10.1998

Zwar sind Push-Channels für das Internet offenbar aus der Mode, doch in firmeneigenen Intranets erfreuen sie sich großer Beliebtheit. So konnte Pointcast jüngst einen Deal mit Hewlett-Packard (HP) abschließen. HP will weltweit rund 27000 Mitarbeiter seiner Software and Services Group mit Firmen- und Branchen-News per Push versorgen. Heute nutzen etwa 1000 HP-Angestellte den Dienst. Von einem zentralen Punkt im Silicon Valley aus sollen Content-Manager Daten ins System einspeisen, die über Push-Kanäle wie eine hausinterne Zeitung ausgeliefert werden. Die Mitarbeiter scheinen die Bemühungen zu honorieren: Etwa 70 Prozent gaben bei einer Umfrage an, durch den Push-Channel besser über das eigene Unternehmen Bescheid zu wissen.

Pointcast steuerte seine Software "Intranet Broadcast" zu dem Projekt bei. Um auch hier die Performance zu verbessern, entwickelten die Softwerker eine Caching-Lösung. Der "Caching Manager" arbeitet so ähnlich wie ein Proxy-Server. Dokumente werden in einem Speicher vorgehalten und lassen sich dadurch schneller abrufen. Mit dieser Weiterentwicklung wurde Pointcast bei HP wieder hoffähig, nachdem der IT-Konzern lange einen Bogen um den Anbieter gemacht hatte, da die Mitarbeiter früher das Netzwerk mit ihren Push- Clients überlastet hatten.

Auch in Deutschland weiß man die Vorzüge von Push im Intranet zu schätzen. Beim Chemiekonzern Bayer sollen Manager zukünftig per Push aktuelle Konzerndaten zugestellt bekommen. Unternehmensinformationen, die in Datenbanken sowie in der Business-Software SAP R/3 vorliegen, werden über dieses Verfahren an die leitenden Angestellten verteilt. Da teilweise sensible Daten über das Netz gehen, wünscht sich Bernd-Ulrich Kaiser, Leiter Konzerndaten und Management-Informationen bei Bayer, ein System, bei dem die Verteilung der Inhalte rollenbasiert abläuft. Die dem Angestellten zugewiesene Rolle entscheidet über Art und Umfang der Information, die er bekommt. Ein solches System gibt es nach Meinung des Bayer-Mitarbeiters noch nicht zu kaufen. Deshalb entwickelt der IT-Profi selbst an einer Lösung.

Mit der Push-Technik liebäugelt auch die Münchner Advance Bank. Im nächsten Jahr will das Kreditinstitut einen Internet-Channel speziell für den Dialog mit dem Kunden einführen. Dieser holt sich dann Anlageempfehlungen nicht mehr selbst von der Homepage. Statt dessen stellt ihm das Kreditinstitut ein genau spezifiziertes Informationspaket zusammen, erläutert Ludwig Fensterer, Leiter Online-Dienste und Multimedia bei der Dresdner-Bank-Tochter, die Planungen.

Push taugt aber zu mehr als nur zum Verbreiten von aktuellen Informationen. Nach Ansicht von Andy Smith, Industrieanalyst bei dem Marktforschungsunternehmen Frost & Sullivan in London, zeigen Firmen nun wieder Interesse an Herstellern wie Marimba und Backweb. Zum einen wollen die Anwender mit diesen Lösungen Software in ihren Netzwerken verteilen, um so die Verwaltungskosten für PCs zu senken. Zum anderen sollen Push-Systeme beim Applikations-Management helfen. So stellte Compaq einen Push-Dienst für seine Presario-Kunden auf die Beine. Auf den PCs ist der "Polite Client" der Push-Technikschmiede Backweb bereits vorinstalliert. Über den Kanal "Compaq Service Connection" versorgt der Computerhersteller die Anwender via Internet mit Software-Updates sowie Informationen über Dienstleistungen und Produkte.

Hewlett-Packard nutzt Push nicht nur im Intranet, sondern vertreibt Lösungen, die auf der Technik basieren, auch nach außen. Jüngst stellte der IT-Konzern ein auf Marimbas "Castanet" basierendes System zur Softwareverteilung unter dem Unix-Betriebssystem "HP-UX" vor. Mit diesem Tool, so die Verheißungen des Anbieters, lassen sich die Programme auf allen Rechnersystemen, die an ein IP-Netz angeschlossen sind, auf dem gleichen Release-Stand halten.

Therese Torris, Direktorin der Europazentrale von Forrester Research in Amsterdam, sieht darüber hinaus ein noch weitgehend ungenutztes Einsatzgebiet für Push. Dieses Verfahren eigne sich hervorragend zur Verbreitung von Informationen auf Internet-fähige Mobiltelefone, Set-top-Boxen und Palmtops. Wegen der verglichen mit dem PC, kleineren Bildschirme und reduzierten Eingabemöglichkeiten seien diese Endgeräte weniger zum aktiven Surfen als zum passiven Empfangen prädestiniert.Eine abgewandelte Form des Push nutzt das Medienunternehmen Medianet aus Brühl bei seinem Broadcast-Dienst "Net on Air". Statt über das Festnetz werden Internet-Inhalte, kategorisiert in Sparten wie Nachrichten und Wetter, Computer und Elektronik, über das Signal des Fernsehsenders DSF übertragen. Zwischen dem PC und dem Satelliten-Receiver beziehungsweise dem Fernsehkabelanschluß hängt ein Decoder. Eine spezielle Software wandelt die Daten in Web-Seiten um. Der Vorteil: Über das TV-Signal lassen sich Inhalte im "Dauer-Push" ohne Datenstau abrufen. Allerdings fehlt hier der Rückkanal. Wer den benötigt, muß sich wie bisher über ein Modem ins Internet einwählen.

Push ist somit nicht tot, sondern lebt, nur eben anders. Nicht mehr die eigenständigen Programme von Pointcast oder Ma- rimba sind gefragt. Vielmehr wird die Technik in bestehende Umgebungen integriert.

Die Hochphase der Push-Euphorie markierten die Browser-Lieferanten Netscape und Microsoft im Jahr 1997. Beide statteten ihre Web-Clients mit, wie üblich untereinander nicht kompatiblen, Push-Channel-Empfängern aus. Netscape nutzte Technik von Marimba, Microsoft entwickelte mit Pointcast das "Channel Definition Format" (CDF).

Keiner der beiden Browser-Kontrahenten jedoch konnte den Markt für sich beanspruchen - das allgemeine Interesse nahm zu rasch ab. Nach Überzeugung von Frost & Sullivan-Analyst Smith ging die Rechnung der Push-Pioniere Pointcast und Marimba nicht auf. Sie hatten sich einem Web-to-Consumer-Modell verschrieben, kehrten aber damit das Prinzip des Web um. Statt sich Informationen zu holen (Pull), werden dem Kosumenten Home- page-Inhalte per Push auf den Rechner kopiert. Unzufrieden mit den langen Download-Zeiten, wandten sich die Browser-Besitzer wieder dem herkömmlichen Surfen zu - zum Leidwesen der Content-Provider. Kritik ernteten die Channels auch deshalb, weil sie dem Anwender zuwenig Möglichkeit boten, die Inhalte einzugrenzen. Die Inhaltsanbieter hatten sich erhofft, ihre Push-Kanäle als Werbemedium anpreisen zu können. Den Anfang damit machte Pointcast.

Im Februar 1996 startete die US-Firma Æhr "Pointcast Network". Über das Internet konnte sich jeder den kostenlosen "Pointcast Client" laden und die Channels abonnieren. Während der User die Inhalte betrachtet, laufen in der rechten oberen Ecke Werbespots ab. News und Informationsdienste aus Industriezweigen, Unterhaltung, Sport, vor allem aber die Börsenkurse und Hintergrundberichte über US-Firmen, machten den Dienst beliebt. Mit dem Niedergang des Push-Marktes sank aber auch der Stern von Pointcast. Push im Internet scheint einfach nicht mehr in zu sein. Statt dessen stehen nun Web-Portale wie die Homepages von Yahoo, Netscape, Microsoft und AOL sowie Online-Com- munities hoch im Kurs.

Pointcast versucht derzeit, mit einer überarbeiteten Software Boden gutzumachen. Nach Unternehmensangaben arbeitet die Version 2.6 der Client-Software wesentlich schneller und geht sparsamer mit den PC-Ressourcen um.

Nicht nur Flops

Nicht alle Web-to-Consumer-Channels erwiesen sich als Flop. Hans-Dieter Degler, Chefredakteur für digitales Publizieren bei der Spiegel Gruppe, hat im Gegensatz zu vielen anderen sehr gute Erfahrungen mit Push gemacht. Der Online-Ableger des Hamburger Nachrichtenmagazins startete seinen Channel zeitgleich mit der Auslieferung des Microsoft-Browsers "Internet Explorer 4.0". Laut Degler war das Angebot aus Gründen der Benutzbarkeit von vornherein sehr eingeschränkt. Neue Inhalte lassen sich dadurch schnell herunterladen. Andere Content-Anbieter überfrachteten ihre Kanäle mit Informationen und verschreckten so die Konsumenten.

Für Spiegel Online stellen die hauseigenen Push-Kanäle jedoch kein allzu wichtiges Produkt dar. Zwar will Chefredakteur Degler auch weiterhin seine Kanäle offenhalten und pflegen, doch dieser Bereich sei für das Unternehmen "nicht so wahnsinnig interessant". An Werbekunden läßt sich Platz in "Push-Kanälen" nämlich nur schwer verkaufen. Seitens der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (IVW) gibt es bis dato noch kein Verfahren, mit dem geprüft werden kann, wie oft ein Anwender die Inhalte anschaut. Der User lädt die Daten auf seinen Rechner herunter und betrachtet sie dann offline. Letztendlich läßt sich nur feststellen, wie viele Anwender den Kanal abonniert haben und wie oft sie ihre Daten aktualisieren.