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04.11.1994

Die Re-Engineering-Expertin der Meta Group warnt Kein Unfehlbarkeits-Dogma fuer Management-Consulting-Riesen

MUENCHEN (qua) - Beim Business Process Re-Engineering (BPR) ist Vorsicht vor den renommierten Management-Beratern geboten. Die Kassandra, von der diese Warnung stammt, heisst Natasha Krol. Sie ist als Vice-President und Service-Director fuer den Bereich Advanced Information Management Strategies der Meta Group, Westport, Connecticut, verantwortlich.

Michael Hammer, Tom Peters und andere Management-Gurus haben sich um die Veraenderung des gaengigen Management-Verstaendnisses verdient gemacht. Wenn es um die Implementierung funktionsuebergreifender Prozesse, um die Integration unterschiedlicher Systeme oder um Sinn und Unsinn des Outsourcings geht, verweigern diese Experten ihren Klienten den Rat.

Die Nachfrage nach qualifizierter Beratung und Realisierungshilfe hat allein in den USA einen Markt geschaffen, den die Meta Group auf mehr als 40 Milliarden Dollar schaetzt. Nutzniesser sind zumeist die grossen Beratungsunternehmen: Andersen Consulting, Arthur D. Little, Boston Consulting Group, Coopers & Lybrand, CSC Index, Deloitte & Touche, Ernst & Young, KPMG Peat Marwick, McKinsey und Price Waterhouse, um nur einige zu nennen.

Consulting-Marktfuehrer machen sich gern rar

Nach Krols Erfahrung werden diese hochbezahlten Consulting- Unternehmen ihrem Ruf nicht immer gerecht. Oft saehen die Kunden den erfahrenen Berater, auf den sie gehofft hatten, ganze zwei Mal: am Anfang und am Ende des Projekts. Ansonsten haetten sie es mit "Irocs" zu tun, mit "Idiots right out of colleges".

Zudem entwickeln die Beratungsriesen, so Krol, in vielen Faellen nur ein einziges Loesungsmodell, das dann fuer den jeweiligen Kunden modifiziert werde. Darin liege ein gewisses Risikos fuer die Klientel - vor allem dann, wenn mehrere Unternehmen derselben Branche Kunde bei demselben Anbieter seien.

Viele der grossen Management-Consulting-Firmen sind Toechter oder Geschaeftsbereiche von Steuerpruefungsunternehmen. Laut Krol koennen die dort erstellten Geschaeftsplaene diese Tatsache nicht verleugnen: Die Optimierung setze zumeist bei der Finanzbuchhaltung an, weshalb Business-Plan und Geschaeftsziele oft aneinander vorbeiliefen.

Ein Beispiel fuer diese These hat die BPR-Spezialisten beim Museum of Modern Art in New York erlebt: Die vom Berater vorgeschlagene Veraenderung habe im wesentlichen darin bestanden, sechs unterschiedliche Spreadsheets in eins zu ueberfuehren. Fuer das "Geschaeftsziel" des Museums, naemlich moderne Kunst einem breiten Publikum nahezubringen, sei dies aber voellig unerheblich. Von multimedialen Terminals oder vergleichbaren Einrichtungen sei bei der Beratung keine Rede gewesen.

Jeder der grossen Berater hat seine eigene Methode mit einem jeweils charakteristischen Ansatz. Was sie nach Krols Ansicht alle gemeinsam haben, ist ihre mangelnde Praxistauglichkeit. Dazu zitiert sie gern einen ihrer Freunde, der bei Coopers & Lybrand arbeitet: "Es gibt keine Methodologie auf dem Markt, die den Kontakt mit dem Kunden ueberlebt."

Der Umgang mit Management-Beratern wird dadurch erschwert, dass vor allem die Grossen in diesem Markt eine selten bestrittene Autoritaet geniessen. "Bislang gab es niemanden, der McKinsey und Arthur Andersen auf die Finger gesehen haette", resuemiert Krol. Der natuerliche Antagonismus, der zwischen Verkaeufer und Kaeufer bestehe, sei zwischen Berater und Anwender verlorengegangen.

Die Meta Group will hier in die Bresche springen: Im Rahmen ihrer Pauschalvertraege, die fuer rund 40 000 Mark pro Jahr unbeschraenkten Zugriff auf die Experten eines der neun Servicebereiche erlauben, bietet sie ihren Kunden eine Revision der von den Consulting- Unternehmen erarbeiteten Business-Plaene an. Die Gefahr, dass aus dem Mythos McKinsey ein Mythos Meta Group wird, sieht Krol nicht - schliesslich trete die Meta Group nicht als Konkurrent der Management Berater auf.

Im uebrigen raet Krol den Re-Engineering-willigen Unternehmen, sich auch bei den kleineren, meist spezialisierten "Boutique"-Anbietern umzusehen. Etwas problematischer sei hingegen die Zusammenarbeit mit einem Hardware- oder Software-Anbieter wie DEC, IBM, James Martin & Co., HP oder Oracle. Einige wuerden nur deshalb Beratungleistungen anbieten, weil sie damit einen Fuss in die Tueren der oberen Management-Etagen bekommen.

Denjenigen, die dennoch einen Hersteller zu Rate ziehen wollen, empfiehlt die BPR-Expertin sinngemaess: Beauftragen Sie fuer jede Phase des BPR-Projekts einen anderen Anbieter. Damit vermeiden Sie, dass die Beratung auf eine bestimmte informationstechnische Implementierung hinauslaeuft.