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Die Art der Innovation entscheidet über die Nähe zum Markt:


31.01.1986 - 

Die Risikostruktur gilt als Basis für die Finanzierbarkeit

Finanzierungsprobleme ergeben sich oft daraus, daß die zu finanzierenden Entwicklungen vermehrt von hohem technischen Niveau oder zumindest in sehr komplexem Zusammenhang zu sehen sind. Dies gilt vor allem für die Anwendungen in der Mikroelektronik, der Informations- und Kommunikationstechnik. Peter Braun* setzt sich im folgenden mit der Finanzierbarkeit des Wachstums und den Bewertungskriterien der Banken bei der Kreditvergabe auseinander.

Die Zahl der Unternehmen, die neue Produkte und Verfahren entwickeln und dabei Finanzierungsprobleme haben, nimmt zweifellos zu. Dies liegt einmal daran, daß die Eigenkapitalausstattung der meisten mittelständischen Betriebe im allgemeinen als unzureichend bezeichnet werden muß und die Möglichkeiten der internen Finanzierung, also aus den Umsätzen oder dem Cash-Flow daraus ebenfalls sehr begrenzt sind.

Schließlich sind alle Anlaufphasen eben auch mit Vorleistungen und damit mit erheblichem Finanzbedarf verbunden, wobei es sich dabei nicht nur um Investitionen, sondern vermehrt auch um notwendige Betriebsmittel, also Vorräte und Forderungen handelt.

Die typische Aufgabenstellung ist, Betriebe zu finanzieren, deren finanzielle Ausgangslage als sehr eng bezeichnet werden muß und die erhebliche Finanzierungsmittel für ihre neuen Produkte oder Leistungen benötigen. Das Hauptproblem ist deshalb nicht die Art der Finanzierung, sondern die Finanzierbarkeit als solche.

Bank verlangt Sicherheiten

Traditionell wird gerade in solchen situationen von seiten der Bank nach Sicherheiten gefragt. In vielen Fällen werden sie gefordert: ohne Sicherheiten keine Finanzierung. Sofern es sich um die Finanzierung von Grundstücken und Gebäuden oder Maschinen handelt, entstehen meistens keine Schwierigkeiten, weil diese als Sicherheiten vorhanden sind. Problematisch wird es, wenn Vorleistungen in Form von Entwicklungskosten zu finanzieren sind. Denn diese erscheinen zunächst nicht als Aktivposten in der Bilanz, sondern als Verlust in der Ergebnisrechnung. Und Verluste zu finanzieren fällt den Banken traditionell sehr schwer.

Allerdings hat bei den Banken ein Umdenkungsprozeß stattgefunden. Auf Dauer und in der Breite - das haben die Banker erkannt - läßt sich ihr Geschäft nur betreiben, wenn sie mehr als bisher auf andere Sicherheiten abstellen, nämlich auf die Beurteilung von Unternehmen und Märkten. Die begrenzte Werthaltigkeit von Immobilen und mobilen Gegenständen unterstützt diese Entwicklung. Leere Fabrikhallen sind meist wertlos und Spezialanlagen und -maschinen für Produkte, bei denen es Absatzprobleme gibt, will auch keiner haben.

Mehr denn je sind Banken also an gesunden, gut florierenden Unternehmen interessiert. Und auch an Unternehmen, die über ein starkes Marktwachstum verfügen. Da dies häufig Unternehmen in finanziellen Grenzsituationen sind, sind die Banken noch stärker gefordert, die Unternehmens- und Marktsituationen kompetent "einwerten" zu können.

Die Banken haben aber über ihr traditionelles Instrumentarium hinaus eine Reihe methodischer Ansätze gefunden, die in die Kreditentscheidung miteinfließen. Dies muß ein Kreditnehmer heute einfach wissen, wenn er zur Wachstumsfinanzierung Bankkredite sucht oder bestehende Kredite absichern will.

Die Marktposition eines Unternehmens ist eben besser oder schlechter, je nachdem

- wie sicher es ist, daß es dadurch seine Anstrengungen auch über das Marktentgelt tatsächlich belohnt bekommt, also eine Innovationsprämie kassieren kann,

- ob die Markteintritts-Bedingungen für andere Anbieter leicht oder schwer sind,

- ob die Zahl der Wettbewerber im betreffenden Marktsegment niedrig oder hoch ist oder

- der Wettbewerb erfahrungsgemäß schnell oder langsam reagiert.

Im technischen Bereich ist die Marktsituation eines Unternehmens unterschiedlich, je nachdem

- ob es eine Technologielücke belegt hat,

- ob es vorhandene Techniken mit Synergie-Effekten bündeln kann,

- ob die Technologie, mit der es sich beschäftigt, sich in einer Wachstums- oder Stagnationsphase befindet oder

- ob es sein technisches Erfolgspotential (zum Beispiel Patente oder Schutzrechte) mehr oder weniger gut und breit abgesichert hat.

Es ist zu beobachten, daß im technischen Bereich die Akzeptanz und im kaufmännischen Bereich die Umsatzentwicklung vielfach als zu optimistisch eingeschätzt werden. Die Folge ist, daß entweder von einem zu hohen Finanzbedarf ausgegangen wird, der eventuell von der Bank nicht nachvollzogen werden kann, oder daß die Planungen sich bereits kurzfristig als überhöht herausstellen. Beides trägt nicht dazu bei, die Wachstumsfinanzierung solide zu gestalten, im Gegenteil: Dadurch wird das Verhältnis zwischen Unternehmer und Bank eher belastet.

Die Finanzierbarkeit von Wachstum steht und fällt mit der Einschätzung des Marktrisikos. Der Markterfolg ist jedoch meist nur dann gegeben, wenn das unternehmerische Verhalten als innovativ bezeichnet werden kann. Der Einschätzung von Innovationen, also von neuen Produkten, Leistungen oder Verfahren, kommt deshalb besondere Bedeutung zu.

Eine unterschiedliche "Nähe zum Markt" ist bei den verschiedenen Arten von Innovationen zu beobachten: Bei Basisinnovationen, das sind neue Grundlagenerkenntnisse, deren Bedeutung und Ausmaß zum Zeitpunkt der "Erfindung" nur in Umrissen bekannt sind, zeichnen sich die marktmäßigen Möglichkeiten in vielen Fällen nur schemenhaft ab. In den siebziger Jahren war es die Lasertechnik, heute ist es der gesamte High-Tech-Bereich, bei dem sich schon wegen des technischen Reifegrades ein besonders hohes Marktrisiko ergibt. Bei erfolgreicher Durchsetzung am Markt eröffnen sich gerade für Basisinnovationen überdurchschnittliche Chancen.

Innovationsrisiko ist unterschiedlich einzustufen

Schrittmacherinnovationen, also solche, die einem Unternehmen wegen ihrer absehbaren direkten Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit einen strategischen Vorteil und damit eine Quasi-Alleinstellung verleihen, sind von ihrem objektiven Risiko anders einzustufen. Ihre marktmäßige Durchsetzungskraft ergibt sich daraus, daß sie durch ihre Neuartigkeit entweder billiger produzieren und anbieten können oder eine Leistung erbringen, die auf ein bereits erkennbares starkes Marktbedürfnis abstellt.

Am leichtesten sind die risikomäßigen Auswirkungen von Verbesserungsinnovationen abzuschätzen, da sie mithelfen, bestehende Märkte abzusichern oder neue zu erobern, ohne daß wesentliche Veränderungen im Hinblick auf die in der Vergangenheit beobachtbare Grundleistung erfolgen müssen. Software, die mit geringen Veränderungen für neue Anwendungen geeignet ist oder Entwicklungen, die auf eine Benutzeroberfläche mit leichterer Bedienung abstellen, eröffnen in der Regel meist zusätzliche Marktchancen, ohne die Risikoposition des Unternehmens zu belasten.

Generell kann davon ausgegangen werden, daß wegen des unterschiedlichen Marktrisikos die Finanzierbarkeit von Verbesserungsinnovationen eher gegeben ist als bei Schrittmacherinnovationen und deren Finanzierbarkeit wiederum leichter darstellbar ist als die von Basisinnovationen.

Ähnlich differenziert läßt sich die Bestimmung des Risikos auch für die Innovationsfelder vornehmen. Als solche gelten die Technikbereiche, das Marketing und die Organisation. Während die beiden letztgenannten Felder zwar immer mehr an Bedeutung gewinnen, stellt die Technologiebewertung hinsichtlich der Finanzierbarkeit das größte Problem dar. Erstens erhebt sich die Frage der Funktionsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit der neuen Technologie: Wird das vorhandene Problem tatsächlich und mit vertretbaren Mitteln gelöst? Zweitens ist die Frage der Marktrelevanz wegen konkurrierender Techniken auch heute noch weitgehend ungelöst. Neue teure Technologien angewandt auf kleine und mittlere Druckereimaschinen werden anders zu bewerten sein, wenn die Kombination von DV- und Laserdrucker die Leistung "Drucken" mehr vom Druckbetrieb zum bisherigen gewerblichen Kunden verlagert.

Letzten Endes hängt die Bewertung des Marktrisikos entscheidend von der Bewertung der Innovationsträger ab, also den Unternehmen mit ihrem Management. Die Erfahrung hat gezeigt, daß Branchensituationen für die Erfassung des individuellen Einzelrisikos erheblich an Bedeutung verloren haben. Entscheidend ist die Unternehmenssituation, insbesondere die strategische Position, die ein Unternehmen aufgebaut hat. Zu ihrer Einschätzung gibt es heute vielfältige Hilfsmittel, mit denen die jeweiligen Geschäftsfelder zukunftsbezogen gewertet werden können. Da die strategische Ausrichtung vom Management bestimmt wird, erfolgt damit im wesentlichen auch dessen "Bewertung".

Im Hinblick auf das Problem der Finanzierbarkeit von Marktwachstum lassen sich deshalb folgende Thesen ableiten:

1. Je präziser und differenzierter die Risikostruktur des Marktwachstums erkannt wird, um so eher ist die Finanzierbarkeit gegeben.

2. Je eher es dem "Wachstumsunternehmer" gelingt, dem Finanzier die Risikostruktur zu verdeutlichen, um so leichter läßt sich das Wachstum finanzieren.

3. Bei fortschreitendem Verständnis zwischen "Wachstumsunternehmer" und Finanzier erhöht sich die Finanzierbarkeit so, daß auch hochinnovative Vorhaben finanzierbar werden.

4. Je nach Risikobewertung sind jedoch unterschiedliche Finanzierungsarten erforderlich. Bei vertretbarem Risiko deckt das traditionelle Angebot der Bankfinanzierung (Kreditfinanzierung) die Wünsche der Wachstumsunternehmer ab. Für erhöhte Risiko-/Chancen-Situationen sind Kapitalbeteiligungs- oder Venture-Capital-Konzepte vorhanden.

Wenn also die alles entscheidenden Fragen der Finanzierbarkeit gelöst sind, schließt sich die Wahl der Finanzierungsmittel an. Dabei wird häufig der Fehler gemacht, daß ein Finanzbedarf geschätzt und dieser dann kurzfristig über Kontokorrentkredit abgedeckt wird. Dabei stehen für die Wachstumsfinanzierung eine Vielzahl von Finanzierungsinstrumenten zur Verfügung. Dies beginnt schon damit, daß die Arten der internen Finanzierung miteinbezogen werden sollten.

Lieferanten, Händler, Kunden sind unter bestimmten Bedingungen durchaus bereit, Finanzmittel zur Verfügung zu stellen, wenn sie damit für sich schneller einen Vorteil realisieren können. Ebenso verschafft der differenzierte Einsatz der Preispolitik beim Marketing (hoher Anfangspreis, wenig Kunden; spätere Preisanpassung nach unten, um zu einer breiteren Marktdurchdringung zu gelangen) zusätzlichen Finanzierungsspielraum gerade in Wachstumsphasen.

Aber auch Steuererleichterungen und Investitionszulagen sind in den Finanzplan mitaufzunehmen. Wie überhaupt zu beobachten ist, daß, obwohl die Finanzierung in Wachstumsphasen der Engpaßbereich schlechthin ist, diese erstaunlicherweise am wenigsten geplant wird.

Für abnutzbare Anlagegüter, die der Forschung und Entwicklung dienen, können im Jahr der Anschaffung oder Herstellung und/oder in den vier folgenden Wirtschaftsjahren neben der linearen oder degressiven Abschreibung auch Sonderabschreibungen vorgenommen werden.

Bei beweglichen Wirtschaftsgütern sind es immerhin insgesamt 40 Prozent der Anschaffungs- oder Herstellungskosten, bei unbeweglichen Wirtschaftsgütern, soweit sie zu mehr als 66(2/3) Prozent der Forschung und Entwicklung dienen, sind es insgesamt 15 Prozent. Soweit letztere zu mehr als 33(1/3) aber nicht mehr als 66(2/3) Prozent der Forschung und Entwicklung dienen, sind es zehn Prozent.

In jedem Falle werden Sonderabschreibungen allerdings nur unter der Bedingung gewährt, daß die betreffenden Anlagegüter mindestens drei Jahre lang in dem jeweils erforderlichen Umfang in einer inländischen Betriebsstätte des Steuerpflichtigen für Zwecke der Forschung und Entwicklung eingesetzt werden. Die erhöhten Absetzungen können auf das Jahr der Anschaffung beziehungsweise Herstellung und/ oder auf die folgenden vier Jahre beliebig verteilt werden; sie dürfen also auch auf einmal in voller Höhe geltend gemacht werden.

Es ist sogar möglich, die Sonderabschreibungen schon mit Anzahlungen auf Anschaffungskosten und Teilherstellungskosten der Anlagegenstände zu verrechnen. Damit kann ein nicht unerheblicher Teil von Wachstums-Investitionen durch Steuererleichterungen mitfinanziert werden.

Auch die FuE-Investitionszulage trägt zur Finanzierung von Forschung und Entwicklung erheblich bei. Sie wird als steuerfreie Zulage gewährt für den Erwerb abnutzbarer, auch immaterieller Wirtschaftsgüter (zum Beispiel für Patente), zur Anschaffung oder Herstellung abnutzbarer beweglicher Wirtschaftsgüter des Anlegevermögens, die ausschließlich der FuE dienen, und der Herstellung unbeweglicher Wirtschaftsgüter (zum Beispiel Gebäude), die zu mehr als 1/3 der FuE dienen.

Die Zulage beträgt 20 Prozent der Anschaffungs- oder Herstellungskosten, soweit diese den Betrag von 500 000 Mark pro Jahr nicht übersteigen, und 7,5 Prozent der diesen Betrag übersteigenden Anschaffungs- und Herstellungskosten. Für Sonderabschreibungen und für die Investitionszulage gibt es Sonderregelungen für Berlin und das Zonenrandgebiet.

Obwohl als Wachstumsfinanzierung "par excellence" gedacht, spielen die Venture-Finanzierungen trotz überdurchschnittlicher Publicity nach wie vor keine erhebliche Rolle. Dies ist insofern bedauerlich, weil gerade durch das Zur-Verfügung-Stellen von Venture-, das heißt Eigenkapital, das Problem der Wachstumsfinanzierung damit grundlegend gelöst wäre. Während die bisherigen Kapitalbeteiligungsgesellschaften nämlich bei der Beurteilung ihrer Engagements sich eher wie Banken verhalten haben, sind die Venture-Finanziers durchaus bereit, größere Risiken in Kauf zu nehmen.

*Dr. Peter Braun zeichnet verantwortlich für das Marketing im Firmenkundengeschäft bei der Bayerischen Vereinsbank.