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17.06.1988

Die Roboterkasse im Haus erspart den Ladenschluß

"Rationalisierer leiden unter Auftragsmangel", lautete unlängst eine Überschrift in dieser Zeitung. Denn der amerikanischen Roboterindustrie geht es nicht mehr gut. Zum Glück für die Branche hatte ein findiger Unternehmer aus Florida die rettende Idee: Überall auf der Welt gibt es Supermärkte und unnötigerweise Kassiererinnen.

Das System "Check Robot" macht die Selbstbedienung erst perfekt - statt unfreundlicher Verkäufer(innen) sieht man im ganzen Laden gar keine mehr. Fehlt nur noch der Regal-Auffüll-Roboter, der die frische Ware immer pflichtgemäß hinten versteckt, und das Info-System, das einem sagt, wo der Senf steht.

Der Hersteller des Kassier-Roboters verspricht dem Anwender eine immense Einsparung bei den Personalkosten und sich selbst einen riesigen Markt für das sündteure Ungetüm. Selbst Joe Sixpack, dem amerikanischen Pendant zu unserem Otto Normalverbraucher, soll das System nur Vorteile bieten: Auf die Do-it-yourself-Wägezelle mit Price-Lookup (der wir es verdanken, daß vor uns stets schon Dutzende anderer Kunden die Tomaten befingert haben) folgt eine elektronische Kassendame, die niemanden mehr beschummelt (angeblich).

Wie die "Checkout Line" (früher: Registrierkasse) funktioniert, lernt jeder einigermaßen im Umgang mit Videogames vertraute Käufer blitzschnell im Bildschirmdialog mit der Maschine: Erst scannt man selbst die Ware (Vertrauen). Dann müssen die Artikel durch einen Detektor laufen (Kontrolle). Dieses Gerät überprüft die Abmessungen der gescannten Ware mit einem Soll-Wert. Wer etwas im Einkaufswagen "vergißt", löst damit einen Alarm aus.

Beim letzten Schritt der neuzeitlichen Einkaufsprozedur zeigt sich, daß es sich bei Check Robot um ein echt amerikanisches Produkt handelt: Ein Supermarkt-Mitarbeiter (Mensch!) packt die Ware fein säuberlich in große braune Papierbeutel, dabei ständig auf der Hut, ob König Kunde nicht eine Flasche 12 Jahre alten Whiskys oder sonstige Wertgegenstände am Scanner vorbeischmuggelt. Bevor der eilige Verbraucher, der nur schnell einen Sechserpack Miller's Light kaufen wollte, den Supermarkt verlassen darf, muß er noch einmal an der Zentralkasse Schlange stehen. Denn dem POS-Terminal fehlt Do-it-yourself-Abbuchung.

Ob sich diese Technik durchsetzt? In den USA sind die Roboterkassen noch in der praktischen Erprobung, und die Testkunden sind geteilter Meinung. Was für die Jugend ein attraktives Spielzeug ist, treibt die reifere Kundschaft der Konkurrenz in die Arme.

Doch solche Argumente zählen wenig, wenn sich das System unter dem Strich als wirtschaftlich erweist. Da spielt es nur eine Nebenrolle, wenn der eine oder andere Kunde das Gerät austrickst. Die höhere Ladendiebstahlsquote hat auch die Einführung der Selbstbedienung nicht verhindert. Eher hapert es an den oft miserablen Barcode-Etiketten, die einen handelsüblichen Scanner bei jedem zwanzigsten Leseversuch scheitern lassen. Aber der Vorteil, ständig alle Kassen einsatzbereit zu haben selbst wenn gerade Tischzeit ist, wiegt für den Laden so manchen Nachteil auf.

Speziell deutsche Lebensmittelfilialisten werden sich aus einem anderen Grund für "Check Robot" interessieren: Mit der Drohung, andernfalls die neuen Checkout-Lines einzuführen, könnten sie womöglich der Gewerkschaft HBV die Zustimmung zu verbraucherfreundlichen Ladenöffnungszeiten abtrotzen. Die Manager im Handel wissen: Nach halb sieben würden viele Kunden auch einen Automaten akzeptieren.

Ulf J. Froitzheim