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13.04.1990 - 

Kommerzielle Standardsoftware wird in der DDR gefragt sein

Die SAP freut sich auf ein expansives Ostgeschäft

WALLDORF (bk) - Auf Expansionskurs befindet sich nach wie vor die Walldorfer SAP AG. Sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn konnte der Spezialist für kommerzielle Standard-Anwendersoftware für IBM-/370-Umgebungen im Geschäftsjahr 1989 deutlich zulegen. Von der Marktöffnung in Osteuropa erhofft sich SAP weiteren Aufschwung.

"Wir haben ein glänzendes Geschäftsjahr 1989 hinter uns", eröffnete Dietmar Hopp, Vorstandsvorsitzender der SAP AG, die Bilanz-Pressekonferenz in Walldorf. Insgesamt konnte die Gruppe einen Umsatz von 366,9 (1988: 244,8) Millionen Mark einfahren, was einem Plus von 50 Prozent entspricht. Dazu steuerte das Inlandgeschäft allein 244,6 Millionen Mark bei.

In Sachen Gewinn konnten sich die Walldorfer gar um 53 Prozent auf 68,2 (44,5) Millionen Mark steigern. Hier übertraf das Auslandsergebnis mit 34,9 Millionen Mark erstmals den Inlandsertrag, der sich auf 33,3 Millionen Mark belief. Grund: die rege Investitionstätigkeit der Walldorfer im vergangenen Jahr. Freuen können sich auch die Aktionäre: Aufgrund des positiven Geschäftsverlaufs will SAP laut Hopp für 1989 eine Dividende von 15 (12,50) Mark pro Aktie ausschütten.

Rosigen Zeiten sieht die SAP auch in den kommenden Jahren entgegen. Hopp: "Die Marktöffnung im Osten begünstigt besonders die DV-Branche." Vor allem die DDR könne für SAP ein sensationeller Markt werden, da dort in den kommenden Jahren speziell Standardsoftware benötigt würde. "In diesem Bereich ist die DDR ähnlich weit zurück wie im Hardwaresektor. Deshalb werden die Unternehmen kaum Zeit haben, ihre Software selbst zu entwickeln." Allerdings, schränkte der SAP-Vorstandsvorsitzende ein, sei man davon abhängig, wie schnell die Hardwarehersteller in der DDR Fuß fassen. Noch behindern die Cocom-Richtlinien das Durchstarten im Ostgeschäft.

Dennoch bereiten sich die Walldorfer bereits intensiv auf die Märkte im Osten vor. Mit der Siemens AG und dem DDR-Kombinat VEB Robotron traf SAP eine Vereinbarung zur Gründung eines Software- und Systemhauses in Dresden. Dieses soll die SAP-Software in der DDR einfuhren und vertreiben. Darüber hinaus ist auch an die Gründung einer eigenen Tochtergesellschaft im Ost-Sektor gedacht, die über Büros in Berlin, Dresden und eventuell auch Leipzig verfügen soll. Das Personal wollen die Württemberger in der DDR akquirieren, die Ausbildung erfolgt im SAP-Schulungszentrum in Walldorf. Für 40 DDR-Mitarbeiter beginnen die ersten Seminare bereits am 18. April 1990.

Auch die UdSSR hat SAP mittlerweile fest im Visier. Hopp erklärte, sobald das DDR-Geschäft laufe, werde man von dort aus den russischen Markt angehen. Rund 1000 potentielle Kunden sehe man derzeit für die SAP-Software in der UdSSR. In der DDR gehen die Württemberger derzeit von 600 aus. In barer Münze soll sich das Ost-Engagement ab 1991 auszahlen. Erwarten die Walldorfer für das laufende Geschäftsjahr eine Umsatzsteigerung auf rund 500 Millionen Mark, so sollen 1991 durch den Absatz in Osteuropa gut 700 Millionen Mark erreicht werden. "Die Ertragsentwicklung jedoch", baut Hopp vor, "wird mit den Umsatzsteigerungen aufgrund der nötigen Investitionen und Vorleistungen wohl nicht Schritt halten können."

Auch hierzulande ist die SAP nicht untätig. So erweiterte das Softwarehaus jetzt seine Zusammenarbeit mit der Siemens AG, die unter anderem die Einrichtung eines Kompetenz-Centers in Walldorf beinhaltet. Gemeinsam sollen dort spezifische Anwenderprojekte entwickelt und vermarktet werden. Die verstärkte Kooperation, so Hopp, sei für beide Unternehmen von Vorteil. Siemens wolle als Systemintegrator Fuß fassen, SAP hingegen rechne mit mehr Siemens-Kunden als bisher. Zudem spekulieren die Walldorfer auf die Nixdorf-Benutzer von Großsystemen, sobald die Fusion zwischen den beiden Unternehmen erfolgt ist.

Die Zusammenarbeit mit der IBM, so Hopp weiter, sei durch die intensivierte Siemens-Kooperation aber keineswegs beeinträchtigt. Zum einen habe SAP von Beginn an auf Kooperationen gesetzt. "Wir wären heute nicht so stark, wenn wir nicht die Zusammenarbeit suchten."

Zum anderen sei man prinzipiell bereit, mit jedem Hardwareanbieter eine Kooperation einzugehen, um den Kundenwünschen nach Gesamt-Systemlösungen Rechnung tragen zu können. "Und die IBM hat nichts dagegen", bekräftigte der SAP-Vorstandsvorsitzende. Die IBM-Kundschaft macht rund 80 Prozent des SAP-Geschäftes aus.

Auch eine Übernahme können die Walldorfer vermelden. Zum 1. April 1990 erwarb SAP die Dataring GmbH Informations- und Organisationssysteme in Fellbach bei Stuttgart, ebenfalls Hersteller von Standardsoftware und laut Hopp mit dem Produkt "Profis" direkter Konkurrent bei Logistik-Systemen.

Die 45 Mitarbeiter zählende Dataring soll als Unternehmen weitergeführt werden. Die 30 Profis-Kunden wollen die Walldorfer langfristig zu SAP-Kunden machen.

Last, but not least, plant die SAP in den kommenden Monaten Kapitalmaßnahmen, um das angepeilte Wachstum auch finanzieren zu können. Nach der Hauptversammlung am 15. Mai 1990 soll im Rahmen zweier Kapitalerhöhungen das Grundkapital auf 85 (derzeit 60) Millionen Mark aufgesteckt werden.