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29.11.1991

Die Schrift an der Wand nicht liinger übersehen

Verschiedene Linien seien bereits anderen Units zugeordnet worden, vermeidet Ellen Hancock, IBM-Vice-President und General Manager der NetworkSystems-Division. So sei das Open Systems Interconnect Communication Subsystem beispielsweise erst kürzlich von der Systems-Division getrennt und ihrer Gruppe zugeschlagen worden.

,Der Markt erzwingt diese Veränderungen", sagte der langjährige IBM-Beobachter Robert Djurdjevic, Präsident von Annex Research in Phönix gegenüber der Computerworld", einer amerikanischen CW-Schwesterzeitung. Im ersten Halbjahr 1991 wurden mit keiner der Produktlinien wirklich gute Ge'. schäfte gemacht', fügt er hinzu. Erfolge in den verkaufsträchtigen Bereichen wie der AS/400oder der RS16000-Familie, wurden durch das schlechte Abschneiden im PC- und Mainframe-Bereich zunichte gemacht.

Im letzten Jahr verzeichnete die IBM das erste negative Quartalsergebnis i ' hrer Gesciiichte und mußte im dritten Quartal dieses Jahres Gewinneinbußen von 85 Prozent hinnehmen. Seit 1986 hat Big Blue insgesamt rund neun Prozent Marktanteil verloren, meldet Montgomery Securities aus San Franzisko. Am verheerendsten ist Insidern zufolge aber, daß das Mainframe-Geschäft mit der ES/9000 nur kurzfristig wiederbelebt werden könne.

Die von Montgomery zusammepgestellten Zahlen für das dritte Quartal zeigen, daß das Auftragspolster gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um 141 Prozent zugenommen hat. Die in der bei 4500 Anwender-Unternehmen durchgeführten Untersuchung gestellte Frage nach der Kaufabsicht beantworteten allerdings nur drei Prozent mehr Anwender positiv als im Vojahr. Darüber hinaus wurden die Gebraucht-Computer-Händler enttäuscht, die wegen der ES19000 eigentlich eine reiche Ernte an Second-handMaschinen erwartet,hatten: Ältere Modelle kommen nur zögerlich auf den Markt.

Die Armonker dürften die Schrift an der Wand' nicht länger übersehen, erklärte john B. jones, ebenfalls Analyst bei Montgomery, der Computer.

world'. IBMs Marschrichtung sei lange von Leuten bestimmt worden die Mainframes entwik. keln können und nichts anderes lieber tun als das'. Dies habe zur Folge gehabt, daß der Mainframe zu lange zu viele technologische Ressourcen verschlungen habe. Nun werde die Mainframe-Krone zusammengeschmolzen, neu gestaltet und herumgereicht.

Im Gegensatz zum Wall. Street journal' berichtet die amerikanische IDG-Publikation "lnfoworld", daß es weder Pläne gebe, das IBM-Hauptquartier in eine Holding umzuwandeln noch die Personal Systems Division (PSD) auszulagern. Big Blue habe vielmehr vor, der PSD unter Leitung vonjim Cannavino größere Unabhängigkeit von der Zentrale zu geben, was Design, Marketing und Produktion von PC-Hard- und -Software betreffe. So könne die Cannavino-Truppe schneller auf Marktveränderungen reagieren und konkurrenzfähigere Produkte anbieten. Allerdings sei der Nachfolger von Don Estridge auch für das Ergebnis allein verantwortlich, berichtet die Infoworld" weiter.

PC"Absetz wahrscheinlich geringer als letztes Jcihr

Wie weit die neue Unabhängigkeit gehen soll, ist unschwer an folgendem Beispiel zu erkennen: Wenn Cannavino entscheidet, verschiedene Microcomputer-Technologien an andere Anbieter zu lizenzieren, kann er das ohne Rücksprache mit dem Hauptquartier tun, schreibt das Blatt weiter. Das gleiche gelte für das Beschreiten neuer Vertriebs- und Distributionswege. Dabei komme die Erschließung neuer Vertriebskanäle keineswegs zu früh, schließlich werde die IBM 1991 höchstwahrscheinlich weniger PCs absetzen als im vergangenen Jahr.