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22.11.2005 - 

Kolumne

Die Schrotthändler der Softwarebranche

Zurzeit steigen Investorengruppen verstärkt in Unternehmen aus der ITK-Branche ein. Das "Wall Street Journal" veröffentlichte Anfang der Woche eine eindrucksvolle Liste: Silver Lake Partners ist gemeinsam mit anderen Investoren für 10,8 Milliarden Dollar bei Sungard eingestiegen; Golden Gate Capital erstand für eine Milliarde Dollar Geac Computer, und in der letzten Woche erwarb wiederum Silver Lake Partners für 1,2 Milliarden Dollar den Anbieter von Change-Management-Software Serena (siehe Seite 14). Von solchen Übernahmen sind nicht selten Unternehmen betroffen, die ihren Zenit bereits überschritten haben.

Zunächst geht es den Investoren um die Sicherung von Liquidität, dann um die Entwicklung einer Wachstumsstrategie und schließlich um den profitablen Exit. Der Ausstieg wird über eine Börsenplatzierung oder durch den Verkauf an ein anderes Branchenunternehmen vollzogen.

In den genannten Fällen halten sich die Investoren aber nicht an das klassische Vorgehen. Sie verschlanken nicht die übernommenen Einzelunternehmen, sondern packen sie zusammen mit anderen ähnlich gelagerten Investments in ein Portfolio. Beispielsweise plant Golden Gate Capital dem Vernehmen nach, Geacs ERP-Sparte an sein Investment Infor zu geben, in dessen Portfolio sich bereits Brain, Infor, Varial und Mapics befinden. Infor speckt die übernommenen Unternehmen dann rigoros ab, eigene Administrationen, Vertriebsorganisationen, Entwicklungs- und Supportmannschaften sind nur noch bedingt nötig. Den Kunden wird zwar versprochen, dass die Produkte irgendwann einmal zusammenwachsen sollen, aber genaue Zeitpunkte dafür hört man selten.

Die Kapitalgeber legen sich so ungern fest, weil sie in dieser Beziehung einfach keine konkreten Pläne verfolgen. Profitabilität erreichen diese Konglomerate durch das Erfüllen der Wartungsverträge mit den Bestandskunden. Diese bringen jährlich zwischen 18 und 22 Prozent der Lizenzgebühren, im Fall von besonders betagter Software auch mehr. Bei stark geschrumpfter Belegschaft reicht das für einen netten Gewinn. Als Anteilseigner von Infor braucht Golden Gate jetzt nur zu warten und seinen Anteil einzusacken. Ein schönes Geschäft ohne viel Risiko.

Golden Gate ist kein Einzelfall. SSA Global beispielsweise agiert ähnlich. Langfristig gesehen schadet diese Ausschlachterei allerdings der gesamten Industrie. Die Kunden verlieren das Vertrauen und können aufgrund des Lock-ins in alte Software kaum in zeitgemäßere Produkte investieren.

Diese Kolumne finden Sie auch im Blog der Computerwoche unter blog.computerwoche.de. Dort können Sie Ihre Meinung abgeben und sofort veröffentlichen. Wir freuen uns auf Ihre Kommentare.