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26.04.1985 - 

Lehrerfortbildung hinkt nicht hinterher:

Die Schule kommt am Computer nicht vorbei

FRANKFURT/M. (io) - Lehrer Lämpel geht's an den Kragen: Zwar versperren dem rechnergestützten Unterricht vorläufig eine mangelhafte technische Ausrüstung sowie Defizite in der pädagogischen Konzeption den Durchbruch. Auf dem Technologie-Forum "Schule und Computer - Kreidepädagogik im Abseits" wurde indes deutlich: Die Schule kommt um den Mikro nicht herum.

Veranstalter war die Commodore Büromaschinen GmbH in Frankfurt/M. Eingeladen waren Lehrer und Hochschullehrer, Vertreter der Kulturbehörden, der Gewerkschaft sowie Bildungs- und Forschungsinstitutionen.

Als Problem Nummer eins stellte sich die Aus- und Fortbildung der Lehrer, waren sich die Teilnehmer aus Kultusministerium , Hochschule, sowie Gewerkschaft und Bildungs- sowie Forschungseinrichtungen einig. Häufig seien Schüler ihren "Paukern" an Kenntnissen über neue Techniken voraus. Dieser Rollenkonflikt könne nur mit engagierter Fortbildung vermieden werden. Trotz großer Anstrengungen der Kulturministerien gibt es noch zuwenig Lehrer, die mit Computern Umgehen können, wußte Alfons Rissberger, Referent für Informationstechnische Grundbildung am Kultusministerium Rheinland-Pfalz, zu berichten. Meist unterrichteten sie Mathematik oder Physik, und, nebenbei, auch Informatik. Weder von Seiten des Ministeriums noch anderer Bildungsinstitutionen existiere ein abschließendes Konzept, nach dem Pädagogen für den Computereinsatz ausgebildet werden könnten. Selbst wenn Eltern für Schulen Rechner spendeten, fänden sich häufig einfach zu wenig Lehrkräfte, die mitziehen würden.

In gleicher weise deprimierend bezeichnete der Präsident der Deutschen Aktionsgemeinschaft für Bildung, Erfindung und Innovation (DABEI), Professor Dr. Gert von Kortzfleisch, seine Erfahrungen mit Bildungsgewerkschaften. Versuche Kontakte aufzubauen, seien gescheitert, eine Zusammenarbeit abgelehnt worden. Leidtragende seien diejenigen Lehrer, die bereit und willens gewesen wären, sich fortzubilden.

Die Anstrengungen der Kultusministerien steckten in einigen Bundesländern noch im Stadium des Modellversuchs. Wahrscheinlich würden diese Bemühungen erst in einigen Jahren greifen.

Die Forschungsteilnehmer stimmten überein, die herkömmliche "Kreidepädagogik" werde in einen Konflikt mit der heranwachsenden Schülergeneration sowie den wirtschaftlichen Anforderungen geraten. In der Mehrzahl wünschten sich die Schüler "interessantes Lernen" durch einen Unterricht mit Computer. Um einen Möglichst breiten Nutzen zu erreichen, sollte der Rechnereinsatz fachübergreifend angesetzt sein. Gefährlich für die berufliche Zukunft der Schüler sei, kritisierte Hans Peter Müller, Landesgeschäftsführer des Bildungswerkes DAG, Nordrhein - Westfalen, daß bisher in den Konzepten der Bezug auf den Berufsalltag und dessen Konkrete Anforderungen fehle.

Die Inhalte des Lernens mit dem Computer sind bislang unklar, in den Schulen stehen noch zuwenig Computer und die Kenntnisslücke zwischen Lehrern und Schülern kann zur Zeit nicht geschlossen werden, war als Fazit der Veranstaltung zu hören. Die Rolle des Lehrers sei nicht in Frage gestellt. Allerdings werde die Mikroelektronik die herkömmliche Pädagogik "mit Kreide und Schwamm" sicherlich verändern.