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31.08.2005

Die sieben Sünden der Joblosen

Gerhard Winkler 
Vor frommen Lügen, vagen Versprechungen oder Schuldzuweisungen warnt Gerhard Winkler. Der Bewerbungsexperte sagt, was man unbedingt vermeiden sollte.

Um es gleich vorwegzunehmen: Gründe für die schwierige Situation am Arbeitsmarkt gibt es viele. Doch ausführliche Analysen verschaffen arbeitslosen Menschen keine neue Stelle. Arbeiten schließt an sich selbst arbeiten ein. Und Arbeit suchen heißt, diese Eigenarbeit noch zu forcieren.

Hier lesen Sie …

• weshalb Eigeninitiative für Jobsuchende existenziell wichtig ist;

• dass sich ein Bewerbungsschreiben mit Wut im Bauch keineswegs besser formulieren lässt;

• warum Selbstmitleid schadet.

Mehr zum Thema

www.computerwoche.de/go/

*75176: Sorgfalt bei der Bewerbung zahlt sich aus;

*74447: Fragen und Antworten zur Existenzgründung;

*78080: Chancen und Risiken eines Jobwechseln.

Todsünde: Zorn

Dass man keinen Job für Sie hat, ist nicht persönlich gemeint. Vielleicht ist die Massenarbeitslosigkeit ja vom System bedingt. Andererseits beschäftigen Sie sich in Ihrer Situation besser damit, sich einen Job zu suchen, als das System zu verwünschen. Auch auf die Vertreter in Management, Politik und Gewerkschaft zu schimpfen, hat etwas zutiefst Verlogenes. Wer von "denen dort oben" redet, siedelt sich selbst ganz unten an.

Bei aller höflichen Betroffenheit der Jobinhaber: Nichts trifft im Grunde auf tiefstes Unverständnis als der Zorn der Arbeitslosen, denn in diesen Tagen sind alle damit beschäftigt, zu überleben. Arbeiten Sie für sich, arbeiten Sie mit anderen unaufhörlich daran, dass Sie eine Beschäftigung finden. Lassen Sie nicht nach. Doch dafür brauchen Sie einen klaren, nicht durch Zorn oder Ressentiments getrübten Blick.

Todsünde: Trägheit

Sobald man arbeitslos wird, erlebt man, dass die Allgemeinheit anscheinend wenig von einem erwartet und sich noch weniger mit einem beschäftigen will. Das eigene Zeitbudget wächst ins Grenzenlose. Die Tage verrinnen einem zwischen den Fingern. Länger Arbeitslose erleben ihre Existenz als gedämpft. Sie lassen sich davon lähmen. Trägheit des Denkens: Darauf zu bauen, dass die starke Hand des Staats für einen die Existenzbewältigung übernimmt. Trägheit des Herzens: Keinen Mumm zu haben, sich und seine Umgebung zu verändern. Trägheit des Handelns: Nicht aus den Puschen kommen und ja nichts von sich aus tun.

Zu jedem Zeitpunkt Ihres Lebens ist Zeit Ihr kostbarstes und knappstes Gut. Gerade Arbeitslose haben nicht unendlich viel davon. Die Zeit läuft ihnen davon, während sie recherchieren, Kontakte pflegen, sich präsentieren, Ideen entwickeln, sich weiterbilden und Know-how erwerben, sich selber Arbeit machen, anderen Arbeit und Sorgen abnehmen, sich beschäftigen und insgesamt sich selbst, ihre Agenten, Berater und Betreuer auf Trab halten.

Todsünde: Neid

Neiden Sie den Menschen in Arbeit nicht ihren Job. Sehen Sie Arbeit nicht als ein im Grunde reichlich vorhandenes Gut an, das man nur gerecht verteilen müsste. Arbeit gibt es nur, wenn man sie sich macht. Aus dem eigenen Engagement kann ein neuer Job entstehen.

Erfolg beneidet man nicht. Man kopiert ihn. Freiberufler, Selbständige und andere engagierte Leute erfahren beglückt, dass sich ihr Einsatz, ihre Aufbauarbeit und ihre Vorleistungen auf lange Sicht auszahlen. Folgen Sie ihnen. Achten Sie nicht auf den Besserwisser in der Zeitung oder im Web-Forum, der das Konzept, dass man sein eigener Unternehmer ist, kapitalismuskritisch belächelt. Dahinter steckt der Neid des Konkurrenten oder Hochmut.

Todsünde: Habsucht

Wenn Sie heute die Wahl haben zwischen staatlicher Grundversorgung und einem schlechter bezahlten Job, nehmen Sie den Niedriglohn-Job. Es ist leichter, aus einer Beschäftigung in die nächste und bessere zu kommen, als sich aus einer ewig fortlaufenden Jobsuche heraus in die Traumstelle zu hieven.

Lassen Sie sich allerdings nicht auf Lockangebote ein, die ohne große Anstrengung schnelles Geld versprechen.

Todsünde: Hochmut

In Zeiten echter Not gibt man Ansprüche auf eine bestimmte Jobposition auf. Machen Sie sich klar: Eine mehrmonatige erfolglose Suche nach einem Broterwerb ist ein existentieller Notfall. Die hochmütige Ablehnung eines miesen Jobs resultiert auch aus der Angst, dass man niemals mehr in seinen ursprünglichen Beruf zurückkommt. Wer moderne Arbeitsbiografien kennt, der weiß: Das Arbeitsleben ist eine Achterbahn. Wir leben in interessanten Zeiten. Manchmal ist es der erste Schritt zum Besseren, den schlechteren Job zu nehmen. Der typische Hochmut des Arbeitslosen: seinen Ratgebern zu unterstellen, dass sie nicht in der Lage sind, sich in seine Lage zu versetzen.

Todsünde: Wollust

Mehr Muße für die Freuden der Konsum- und Spaßgesellschaft zu haben ist kein glücklicher Nebeneffekt der Arbeitslosigkeit, sondern leider nur die nächste Eskalationsstufe der privaten Depression. Jede Vergnügung erinnert Jobsuchende nur an die größere Freude, die sie hätten, wenn sie sich jetzt in einer Mannschaft oder für andere nützlich machen könnten.

Eine Arbeitslosigkeit übersteht man am besten, indem man sich selbst in die Pflicht nimmt und nicht viel mehr Zeit für seine Freizeit reserviert, als wenn man in Arbeit wäre.

Todsünde: Völlerei

Alles mitnehmen, was der Staat einem bietet, macht Sie nicht wirklich satt. Staatliche Leistungen sind ein bisschen wie Entwicklungshilfe: Das Geld hilft meist nur denen wirklich, die sich auch von selbst helfen können.

Stopfen Sie nicht wahl- und kritiklos in sich hinein, was Sie an Maßnahmen und Fortbildungen ergattern können. Ihr Lebenslauf darf nicht so aussehen, als bestünde er im Wesentlichen aus Warteschleifen mit Zwischenabstürzen. Selbstinitiierte, punktuelle Weiterbildungen verschaffen Ihnen Wettbewerbsvorteile. Gleichen Sie Ihr Leistungsprofil immer mal wieder mit den Marktanforderungen ab. So steuern Sie weit besser Ihre Vermarktungsfähigkeit.

Und die Bewerbertugenden? Da gibt es einige: Haltung bewahren. Die eigenen Defizite und Chancen klug abwägen. Seine Eigenverantwortung nicht von sich schieben. Sich nicht ins Abseits stellen. Sein Leben selbst in die Hand nehmen. Bereit sein, sich zu entwickeln und sein Leben zu verändern. (iw)