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10.10.1997 - 

Komplette Neuorganisation der Informationsverarbeitung

Die Siemens AG streckt sich nach dem "Weltstandard"

Kongruenz von Geschäft und Informationstechnik ist das Schlagwort, auf das sich die Ziele der Restrukturierung zurückführen lassen. Eine neue, der Konzernstruktur angepaßte Organisa- tion des Informa- tions-Managements soll die Grundlage dafür schaffen, daß die IT-Funktionen sowohl der Internationalität des Konzerns Rechnung tragen als auch die jeweiligen Geschäftsprozesse einzelner Unternehmensbereiche unterstützen.

Den Entschluß, diese einheitliche Linie in den Informations- und Kommunikationsbereich zu bringen, trafen die Spitzen der Siemens AG vor etwa zwei Jahren. Eine erste Etappe auf diesem Weg bedeutete die Gründung der Siemens Business Services GmbH & Co. OHG im Oktober 1995. SBS wurde als Profit-Center für die IT-Infrastruktur der Siemens AG ins Leben gerufen - auch wenn der Service-Anbieter mittlerweile heftig um externe Kunden buhlt. In den Aufgabenbereich des Inhouse-Dienstleisters fielen zunächst nur die Rechenzentren, die lokalen Netze und das Corporate Network. Inzwischen ist jedoch auch die Verantwortung für den Betrieb eines großen Teils der Anwendungen an ihn übergegangen.

Organisatorisch gehört SBS zur Siemens-Nixdorf Informationssysteme AG (SNI), mit der die Service-Division folglich besonders enge Geschäftsbeziehungen unterhält. Wolfgang Heimsch, frischgebackener CIO der SNI, bestätigt, daß das konzerneigene Dienstleistungsunternehmen nahezu alle DV-Aufgaben bei Siemens-Nixdorf erledigt.

Anders sieht es auf Konzernebene aus: Hier steht der interne Servicebetrieb durchaus in Konkurrenz zu externen Mitbewerbern - auch wenn er den Status "preferred" (bevorzugt) einnimmt. Was das bedeutet, erhellt Chittur Ramakrishnan, Informatikchef der Siemens AG: SBS habe zumindest das Recht, einen "last call" abzugeben.

Ramakrishnan bekleidet seit kurzem eine Position, die es in dieser Form vorher nicht gab. Als CIO für den Siemens-Konzern ist er für das bereichsübergreifende I+K-Konzept - einschließlich der Informationssicherheit - verantwortlich. Wie der ehemalige SBS-Chef erläutert, war der Konzern an einem Punkt angekommen, wo die bloß koordinierenden Funktionen der Unternehmenszentrale nicht mehr ausreichten, um Information und Kommunikation "nach Weltstandard" zu betreiben.

Siemens habe vor einigen Jahren schon die eigene I+K-Leistung mit der anderer Großunternehmen verglichen und dabei Defizite festgestellt - beispielsweise in bezug auf die Netzinfrastruktur oder die konzernweite Durchdringung von E-Mail-Funktionalität. Sowohl im Hinblick auf den Status quo als auch angesichts künftiger Unternehmensziele habe das Unternehmen damals einen Handlungsbedarf festgestellt.

Sein I+K-Konzept hat der Konzern in einer "Information and Communication Roadmap" niedergelegt, die sich mit vier Grundaspekten auseinandersetzt: Infrastruktur, Anwendungen, Organisation und Knowledge-Management. Zu jedem dieser Themen sind diverse Einzelziele - zum Beispiel die flächendeckende Einführung der E-Mail-Kommunikation - definiert, jeweils mit einem konkreten Zeitplan, der sich über zwei bis drei Jahre erstreckt.

Dafür daß die Harmonie zwischen Geschäftszielen, Prozessen und informationstechnischer Unterstützung keine bloße Floskel bleibt, zeichnen die CIOs der Geschäftsbereiche verantwortlich. Sie sollen aber nicht nur dafür sorgen, daß die übergeordneten Ziele im vorgesehen Tempo erreicht werden. Vielmehr entscheiden sie auch eigenverantwortlich, welche IT-Strukturen und -Leistungen sie für die jeweilige Geschäftsstrategie benötigen. In begründeten Fällen können sie dabei auch von der Roadmap abweichen.

Bei Siemens bezeichnet der Begriff CIO eine Management-Funktion. Das Doing soll hauptsächlich den externen und internen IV-Dienstleistern überlassen bleiben; zu letzteren zählt neben SBS auch die der österreichischen Siemens AG angegliederte Software-Entwicklungs-Division PSE. Aber auch von dieser Regel gibt es Ausnahmen: Einige Geschäftsbereiche halten nach wie vor Entwickler-Kapazität vor.

Im Unterschied zu den früheren, eher technikorientierten Organisations- und Informationstechnik-Leitern sollen die neuen Siemens-CIOs fundiertes Verständnis für die Geschäftsziele und die Prozesse mit soliden IT-Kenntnissen verbinden. Rama- krishnan verdeutlicht den Umdenkprozeß: "Die CIOs müssen erkennen, daß die Unternehmensbereiche beziehungsweise die Regionen die Träger des Geschäfts sind und die IT-Funktionen die Unterstützung dafür liefern."

Auf die Frage, wo die Notwendigkeit der CIO-Aufgaben offensichtlich geworden sei, räumt Heimsch ein, daß in der Vergangenheit bisweilen Diskrepanzen zwischen der nationalen Organisation der Informatik und der internationalen Ausrichtung des Geschäfts aufgetreten seien. Zudem beschreibt er, wie es aussehen kann, wenn sich Geschäfts- und IT-Strategie nicht im Einklang befinden: "Dann installieren Sie in einem Land, in dem Sie vorwiegend Servicegeschäft betreiben, dieselbe Infrastruktur wie dort, wo sie vor allem Produkte vermarkten - mit der Folge, daß die entsprechenden Geschäfte nicht optimal unterstützt werden."

Um solche Fehlentwicklungen zu vermeiden, hat Siemens die neue Ebene des Informations-Managements eingezogen. Sie bedeutet einen weiteren Schritt auf den Weg zur "Informationsverarbeitung nach Weltstandard".

DER REVISOR

Chittur Ramakrishnan, Konzern-CIO

Mehr als die Hälfte seines Lebens hat der 1951 in Bombay geborene Chittur Ramakrishnan schon dem Siemens-Konzern angehört. Trotzdem ist sein Lebenslauf alles andere als langweilig. Seine kaufmännische Lehre absolvierte Ramakrishnan bei der Siemens India Ltd. sowie an den Unternehmensstandorten Erlangen, Essen und Amberg. Nachdem er 1974 an der Industrie- und Handelskammer Nürnberg die Prüfung zum Industriekaufmann abgelegt hatte, arbeitete er als Buchhaltungs- und Planungsfachmann für unterschiedliche Siemens-Niederlassungen in Indien, Deutschland und den USA, wo er 1986 zum Direktor für die Geschäftsadministration in der Communications Systems and Networks Group bestellt wurde. In der Zwischenzeit hatte er an der renommierten "Insead"-Schule in Fontainebleau den M.B.A.-Grad erworben. Drei Jahre später wechselte er als Finanzchef zur Siemens-Tochter Tel Plus Communication, Boca Raton. Nach Ablauf weiterer drei Jahre kehrte er nach München zurück, wo er sich fortan in der Unternehmensrevision engagierte. Im Herbst 1995 übernahm er die Geschäftsführung der neugegründeten Siemens Business Services GmbH & Co. OHG. Knapp zwei Jahre darauf trat er die Position eines Chief Information Officer an, die im Zuge der von ihm selbst vorangetriebenen Neustrukturierung geschaffen worden war.

DER SNI-CIO

Wolfgang Heimsch, Techno-Ökonom

Seiner Ausbildung zufolge ist Wolfgang Heimsch eher ein Techniker. Als promovierter Diplomingenieur beendete der gebürtige Stuttgarter 1986 das Studium an der Technischen Universität München. Im selben Jahr trat er seine erste Stelle in der Siemens AG an - im Bereich Mikroprozessoren oder genauer: in der dortigen Forschungs- und Entwicklungsabteilung. Es folgten neun abwechslungsreiche Jahre, in denen Heimsch unterschiedliche Positionen an in- und ausländischen Standorten sowie in diversen Konzernbereichen bekleidete. 1995 übernahm der heute 40jährige die Leitung des Geschäftszweigs Unterhaltungelektronik im Bereich Halbleiter. Diese Aufgabe verlangte ihm neben technischem auch geschäftliches Know-how ab, also die Art von Wissen, die seiner eigenen Definition zufolge unerläßlich ist, um die Funktion eines Chief Information Officer bei der Siemens-Nixdorf Informationssysteme AG wahrzunehmen.