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28.01.1994

Die Siemens-Aktie befindet sich auf rasanter Talfahrt Von Arnd Wolpers*

Nach dem Bericht ueber das erste Quartal des laufenden Geschaeftsjahres (1. Oktober bis 31. Dezember 1993) und der fuer Ende des Fiskaljahres in Aussicht gestellten Gewinnreduktion um zehn bis 15 Prozent buesste der Kurs der Siemens-Aktie 100 Mark ein.

Im Zuge der Jahresendrallye 1993 hatte die Siemens-Notiz das Niveau der Jahre 1985/86 und 1990 erreicht und war auf 800 Mark geklettert. Ein Durchbrechen dieser Grenze gelang auch 1993 nicht. Die Gewinnqualitaet des operativen Siemens-Geschaeftes hat sich im abgelaufenen Geschaeftsjahr 1992/93 (30. September) noch einmal verschlechtert. Von den 2,9 Milliarden Mark Vorsteuergewinn stammen fast zwei Drittel aus Geld- und Finanzanlagen. Das ausgewiesene Zinsergebnis lag bei gut einer Milliarde Mark. Die auf Pensionsrueckstellungen entfallenden Ertraege wurden aus bilanztechnischen Erwaegungen neu bewertet. Bereinigt man das Resultat vom Vorjahr um diese Veraenderung, so ergibt sich ein minimaler Rueckgang des Zinsergebnisses.

Auffaellig ist, dass sich das "uebrige Finanzergebnis", das sich im wesentlichen aus realisierten Kursgewinnen mit Wertpapieren, Aufwendungen hierfuer und Abschreibungen auf Wertpapiere und Schuldscheine errechnet, um mehr als 800 Millionen Mark von minus 109 auf plus 714 Millionen Mark verbesserte. Hier liegt die eigentliche Quelle der scheinbaren Stabilitaet des Siemens- Gewinnes. Die in diesem Segment erfolgte Steigerung von 800 Millionen Mark hat die deutliche Verschlechterung der operativen Ertraege im wesentlichen ausgeglichen. Dieses Kunststueck wird das Finanzressort der Siemens AG im laufenden Geschaeftsjahr jedoch kaum wiederholen koennen. Zum einen wird der kraeftig gesunkene Durchschnittszins zu einem deutlich niedrigeren Ergebnis fuehren. Zum anderen lassen sich Kursgewinne nur einmal realisieren. Zufliessende Mittel aus mit Kursgewinnen verkauften-hochverzinslichen Anleihen muessen anschliessend entweder zum niedrigeren aktuellen Marktzins oder unter Eingehung von Bonitaets- beziehungsweise Fremdwaehrungsrisiken neu angelegt werden.

Der Kapitalmarkt war Siemens 1993 gewogen. Die Entwicklung insbesondere des deutschen Rentenmarktes wird sich jedoch im laufenden Jahr nicht wieder so guenstig gestalten. Selbst fuer die auf diesem Sektor erfolgreichen Siemensianer war das Finanzergebnis des vergangenen Geschaeftsjahres die positive Ausnahme. Vor diesem Hintergrund ist die Ankuendigung eines Gewinnrueckganges im laufenden Geschaeftsjahr nur realistisch. Andererseits verfuegt der Siemens-Konzern auch ausserhalb seines Anleihe-Portefeuilles ueber ganz erhebliche stille Reserven. Man kann nur hoffen, dass die notwendigen Einschnitte im operativen Geschaeft aus dem Wissen um diese stillen Reserven auch tatsaechlich vorgenommen werden.