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19.02.1982

DIE SKANDINAVISCHE HERAUSFORDERUNG

OSLO - Das kleine, aber hochindustrialisierte Norwegen versucht mit Macht, Versäumnisse der Vergangenheit aufzuholen. Ihre hochentwickelte Technologie und ihr Erfindungsreichtum sollen ihnen dabei helfen. Magne Lein, Chefredakteur des Tesknisk Ukeblad, nimmt den norwegischen DV-Markt unter die Lupe.

In Norwegen sind viele junge Hochschulingenieure auf dem Offshoresektor beschäftigt, deren Kreativität beachtenswert ist. Doch zeichnet sich auch ein Trend ab, der nicht so positiv ist: Ihr Vertrauen zu Datenverarbeitungsanlagen als Hilfsmittel zur Simulation außerordentlich komplexer Belastungen von großen Stahl- und Betonkonstruktionen ist nahezu unbegrenzt.

Professor Konstantin Kokkinowrathos von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen erkannte diese Gefahr. Er schlägt vor, in verstärktem Maße praktische Versuche mit Modellen in verhältnismäßig großem Maßstab durchzuführen, um die durch Simulationsrechnungen erhaltenen Werte zu kontrollieren.

Gesinnungswandel in der Ausbildung

In der norwegischen Industrie- und Forschungsbranche zeichnet sich auf dem Gebiet der Datentechnik für technische Forschung und Entwicklung ein umfassender Wachstumsprozeß, gekoppelt mit großem Erfindungsreichtum, ab. Die Anwendung der EDV im Verwaltungsbereich liegt allerdings etwas unter den Erwartungen. Die wesentliche Ursache ist bei den Ausbildungsstätten zu suchen. Sie waren bisher zu wenig bemüht, ihre Studenten in der Datenverarbeitung auszubilden. Allerdings ist hier seit einiger Zeit ein Gesinnungswandel erkennbar.

Eine gewisse Skepsis gegenüber der Datentechnik läßt sich nicht übersehen. Geschürt wurde diese Skepsis oft durch Berichte über negative Auswirkungen der DV in anderen Unternehmen. Auch gab es zahlreiche Beispiele aus dem Verwaltungsbereich für relativ hohe Investitionen in der DV, die nicht sehr erfolgreich waren.

DV-Studium in den USA

Heute hat die Datenverarbeitung in Betrieben, Banken sowie im Schiffahrtswesen große Zwachsraten zu verzeichnen. Die Tendenz der letzten Jahre zu kleineren, flexibleren Datensystemen ist charakteristisch für die norwegische Wirtschaftsstruktur mit ihren kleinen und mittelgroßen Unternehmen. Die jährliche Wachstumsrate von fast 30 Prozent auf dem DV-Markt zeigt, daß man die Versäumnisse der Vergangenheit auf dem Gebiet verwaltungstechnischer Datenverarbeitung aufholen will.

Viele Industrie-Forschungsinstitute und technische Ausbildungszentren waren auch früher schon auf DV ausgerichtet. Dies dürfte darauf zurückzuführen sein, daß eine große Zahl norwegischer Studenten in den sechziger und siebziger Jahren an Bildungszentren in den USA ausgebildet wurden. Typische Beispiele sind das Massachusetts Institute of Technology, die Stanford University, das California Technical Institute und die Cornell University. Fast alle Pioniere der norwegischen Datentechnik haben in ihrer beruflichen Laufbahn an einer oder mehrerer dieser Institutionen studiert.

Eine norwegische Ausbildungsstätte ist das Institut für Kybernetik (vormals Institut für Regulierungstechnik) an der Technischen Hochschule in Trondheim. Hier wurden Ende der fünfziger Jahre eine Gier-Anlage und später die ersten PDP-Anlagen von Digital Equipment in Betrieb genommen. Die Universität Trondheim bildete Pioniere wie Lars Monrad-Krohn, einer der Gründer der Norsk Data A/S und heute Direktor der Mycron, Rofl Skar von Norsk Data A/S und Ralph Hoibakk, Leiter der Tandberg Data, aus.

Ein anderes wichtiges Zentrum in der Entwicklung des norwegischen Datentechnik-Sektor ist das Forschungsinstitut der Norwegischen Verteidigungsstreitkräfte (FFI). Hier entstand unter anderem die Idee, bei Norsk Data und Kongsberg Vapenfabrikks DV-Anlagen zu produzieren. Als der Entwicklungschef des FFI, Karl Holberg, im vergangenen Jahr seinen sechzigsten Geburtstag beging, feierte man ihn als eine hervorragenden Technologen, dem die norwegische Datenverarbeitung viel zu verdanken hat. Er ist unter anderem für die Gründung der Norsk Data A/S verantwortlich und setzte die Forschungsergebnisse in Einzelprodukte bei einigen norwegischen Elektronik- und Datenausrüstungslieferanten um. Die rechnergesteuerten Navigationssysteme der Norcontrol und Simrads Sonar- und Laser-Ausrüstung sind Beispiele hierfür.

Ein amerikanischer Pionier der Datentechnik entstammt einer norwegischen Emigrantenfamilie: Ken Olsen, Gründer der Digital Equipment Corp., heute Präsident dieser Gesellschaft und Erfinder des PDP-Minicomputers.

High-sophisticated Steuerungssysteme

Die Entwicklung der Zielverfolgungssysteme der in Norwegen entwickelten Raketensysteme Penguin und Terne haben in der ausländischen Fachwelt Aufsehen erregt. Sie verkörpern das hohe Niveau der norwegischen Elektronik und Datentechnik für hochentwickelte Steuerungsvorgänge.

Andere wichtige norwegische Entwicklungen sind die numerischen Steuerungssysteme für Werkzeugmaschinen (Numerical Control/NC-Systems) und die großen Zeichenmaschinen von Kongsberg Vapenfabrikk (KV). Letztere sind bei vielen Kraftfahrzeug- und Flugzeugfabriken der Welt im Einsatz.

IBM liegt vorn

Die Struktur des norwegischen EDV-Marktes erfordert zunehmend "maßgeschneiderte" Steuerungs- und Datenverarbeitungs-Systeme. Diese Entwicklung ist für technisch orientierte Unternehmen wie Norsk Data und Digital vorteilhaft.

Norsk Data A/S hat ihren Umsatz 1981 um zirka 60 Prozent gesteigert, während Marktführer IBM im gleichen Zeitraum 15 Prozent zu verzeichnen hatte. Es ist wahrscheinlich, daß Norsk Data bald IBMs Stellung als größter Anbieter auf dem norwegischen Markt übernehmen wird.

IBMs Anteil mit 235 Millionen Mark Umsatz im Jahre 1981 beträgt 30 Prozent am gesamten norwegischen Absatzmarkt für Hardware- und Software-Produkte. Der Inlandsmarkt -für Datenprodukte liegt bei gut 800 Millionen Mark pro Jahr.

Ergonomie hat Vorrang

Hohe Anforderungen werden in Norwegen an die ergonomische Komponente der Terminalgestaltung gestellt. Darauf ist der große Erfolg der Tandberg Data zurückzuführen, der sich in naher Zukunft auch auf dem amerikanischen Markt auswirken wird. Tandberg Data gehört zu Siemens (51 Prozent) und Industriefondet (49 Prozent).

An dritter Stelle nach IBM und Norsk Data liegt das Unternehmen Scanwest. Es wird jedoch damit gerechnet, daß Digital diesen Platz bereits 1982 erobern wird.

Digital hatte Marktprobleme, befindet sich aber wieder auf dem Weg nach oben. Ihre VAX-Computer sind in Norwegen sehr erfolgreich. Digital nimmt - genau wie Norsk Data - auf dem technischen Markt eine Spitzenposition ein.

Aber der DV-Markt bietet immer wieder Überraschungen. Noch vor kurzem wurde Prime als Renner vorgestellt, heute befindet sich die Gesellschaft mehr oder weniger in Auflösung. Ihr Umsatz ging 1981 stark zurück, und die gesamte Führungsspitze ist zurückgetreten. Auch ICL und NCR haben für den Inlandsmarkt schlechte Zahlen vorzuweisen, während Wang, repräsentiert durch das Familienunternehmen Gallus Plesner Industrier A/S (GPI) auf der Umsatztabelle schnell nach oben rückte. Wangs Zuwachsrate betrug 1981 rund 150 Prozent. Das Unternehmen hat sich zum Ziel gesetzt, bis 1990 zu den sechs größten Lieferanten auf dem norwegischen Markt zu gehören. Die anderen fünf würden laut GPI IBM, Norsk Data, Digital, Scanwest, Rank-Xerox und möglicherweise ein japanischer Lieferant sein.

Honeywell Bull, Philips, Alf G. Johnsen (widmet sich besonders dem Verkauf von Mohawk-Ausrüstung), Hewlett-Packard, Control Data, Logatron, Kienzle, Memorex und Mycron konnten 1981 ein gleichmäßiges Wachstum verzeichnen, während die Neulinge Scanword und Viking Datasystemer sich bereits im ersten Geschäftsjahr durchgesetzt haben. Die Tandberg-Lieferanten Computer Systemer und Norsk Data Systemer waren nach Einführung der Tandberg 2200-Terminalserie ebenfalls erfolgreich. Mehrere kleinere Firmen, mit guter Umsatzentwicklung drängen nach vorn, wie beispielsweise Storm System, Dacom, Datahuset, Siemens Data und Basic System. Auch sie wollen sich ein Stück vom DV-Kuchen abschneiden.