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10.07.1987 - 

Adabas-Anbieter sieht Zukunftsmarkt bei Expertensystemen, aber:

Die Software AG wächst jetzt langsamer

FRANKFURT (CW) - Auch beim größten deutschen Softwarehaus, der Darmstädter Software AG, flacht die Wachstumskurve ab. Im vergangenen Geschäftsjahr stieg der Umsatz zwar auf 151,8 Millionen Mark; zum großen Teil resultierte der Zuwachs aber aus der Anwendung einer neuen Bilanzierungstechnik. Die Nettorendite sank sogar von 17 auf 13,6 Prozent.

Die auf die Marktsegmente Datenbanksysteme und Sprachen der 4. Generation (4GL) spezialisierte Software AG expandierte im vorigen Geschäftsjahr vor allem im europäischen Ausland. Die meist recht kleinen Vertriebstöchter oder Beteiligungsgesellschaften in zwölf europäischen Ländern sowie dem Nahen Osten verdoppelten ihre Einnahmen auf Zusammen 81,1 (1985: 40,0) Millionen Mark; nur ein Teil davon wird in Form von Lizenzgebühren an die Mutter abgeführt.

In der Bundesrepublik blieb das Wachstum auf 22 Prozent beschränkt; in den USA, dem zweitwichtigsten Markt, betrug es sogar nur zwölf Prozent: Die Lizenzeinnahmen stiegen von 13,2 auf 14,8 Millionen Dollar. In deutscher Währung entspricht dies einem Rückgang um rund sieben Millionen Mark.

Daß die bilanzierten Umsätze trotz dieser Umstände um 37 (Vorjahr: 41) Prozent auf 151,8 Millionen Mark stiegen, ist darauf zurückzuführen, daß erstmals Lizenzeinnahmen von Auslandstöchtern ergebnisneutral konsolidiert wurden. Der Jahresüberschuß wuchs deutlich langsamer - mit 20,6 Millionen Mark oder 13,6 Prozent der Umsätze übertrifft er das 1985er Ergebnis nur um neun Prozent. Damit ging die Umsatzrendite wie schon im Vorjahr zurück. Sie hatte 1984 bei 23,2 und 1985 bei 17 Prozent gelegen.

Angesichts des schwieriger werdenden Geschäfts feuerte Vorstandsvorsizender Peter Schnell, bei dem die Aktien des deutschen Stammhauses liegen, eine Breitseite gegen die IBM und ihre Ankündigungspolitik ab. Daß der Marktführer mit lautstarken Aussagen über künftige Produkte auf sich aufmerksam mache, sei "das legitime Recht für jemanden, der erkannt hat, daß er etwas nachholen muß", sagte Schnell in Frankfurt. Jedoch bewirke IBM auf diese Weise eine Verunsicherung der Anwender, die "massive" Auswirkungen auf das Geschäft der unabhängigen Softwareanbieter habe. Schnell kritisierte die Bündelung einer Vielzahl von Produkt-Announcements, die ihn an Postwurfsendungen erinnere: "160 Produkte auf einmal, das liest ja keiner mehr!"

Für die nächsten Jahre plant die Software AG hohe Investitionen in die Weiterentwicklung ihres Sortiments. Im Mittelpunkt werden weiterhin das Datenbank-Management-System Adabas und die Sprache Natural stehen; weitere Produkte sollen sich im "Baukastenprinzip" zum heutigen Softwarespektrum hinzugesellen. Eines der Hauptziele ist laut Vorstandsmitglied Peter Pagé die Entwicklung von Expertensystem-Anwendungen auf der Basis von Natural. Wie beiläufig zeigte Pagé eine Grafik, auf der mit "Natural Expert" bereits ein Produktname genannt war. Dies sei jedoch, beteuerte er, nicht als Ankündigung zu verstehen. Konkreter hingegen sind offenbar die Pläne für ein Data Dictionary (bei der Software AG unter dem Namen "Datendiktionär" geführt) als "zentrales, aktives Steuerungsinstrument".

Um alle vorgesehenen Entwicklungsarbeiten verwirklichen zu können, stockt die Software AG seit einiger Zeit personell kräftig auf. Im Jahr 1986 stieg die Zahl der Mitarbeiter von 236 auf 338, von ihnen sind knappe 60 Prozent in den Bereichen Entwicklung und Anwendung tätig. Inzwischen liegt der Personalstand bei 372 Beschäftigten, und AG-Chef Schnell will weitere Fachleute engagieren. Die Expansion führt allerdings dazu, daß die Firma an ihren heutigen Standorten schier aus den Nähten platzt. In diesem und dem kommenden Jahr sollen deshalb 30 Millionen Mark in neue Gebäude investiert werden. Unter anderem entsteht bei Darmstadt ein Schulungszentrum.

Obwohl die flüssigen Mittel und Geldanlagen in der Bilanz nur noch mit 35,2 (Vorjahr: 59,6) Millionen Mark oder 30 Prozent der Bilanzsumme ausgewiesen sind - die Forderungen stiegen gleichzeitig um über 90 Prozent auf insgesamt 55,3 Millionen Mark oder 47,1 Prozent der Bilanzsumme -, sieht Schnell keine Probleme, die künftigen Aufwendungen aus Eigenmitteln zu finanzieren Das Hochschnellen der einzutreibenden Außenstände sei ganz einfach zu erklären: Die Mahnabteilung habe wohl vor dem Stichtag, dem 31. Dezember, "nicht richtig gespurt".