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Computer in der UdSSR


24.10.1975 - 

Die Sowjets bemühen sich aufzuholen

MÜNCHEN - Spricht man über Computertechnik und Computereinsatz in der UdSSR, so darf man nicht vergessen, daß dort die Rechner-Entwicklung von drei besonderen Faktoren geprägt worden ist: der Isolation der östlichen Wissenschaftler und Techniker - die allerdings nachläßt, dem Fehlen konkurrierender privater Großbetriebe als Designer und Produzenten von Rechner-Linien und die weniger kommerziell als administrativ und wissenschaftlich ausgerichteten Anwendungsschwerpunkte der Rechner.

Dies betonte einer der prominentesten sowjetischen Computerpioniere, Prof. Andrej P. Erschow aus Nowosibirsk, gleich zu Beginn seines Einführungsreferats in die sowjetische Computerwelt vor der 31. Diebold-Konferenz in Rom. Nach Erschow geht die Computer-Entwicklung in seinem Land in vier Zehnjahresperioden vonstatten, deren erste, die 50er Jahre vor allem Rechner der ersten Generation für Wissenschaft und Technik hervorbrachte. In ihr wurden auch in der Sowjetunion bereits die grundlegenden Hardware- und Softwaresowie Anwendungskonzepte erarbeitet.

Die 60er Jahre brachten dann mit der zweiten Generation den Serienbau von Rechnern, die nun im laufenden Jahrzehnt, technisch inzwischen in der dritten, Generation, auf breiter Ebene in viele Sektoren von Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft vordringen. Bei gleichzeitiger Computerisierung des Datenbestandes wird damit der Grundstein für die 80er Jahre gelegt, in denen die einzelnen Anlagen und Terminals zu einem landesweiten automatisierten Informationsnetz zusammengefaßt werden sollen.

Seit 1971 wird die Computer-Produktion in der UdSSR als eigener Industriezweig aufgefaßt; lieferten die Werke damals Anlagen im Wert von 710 Millionen Rubel, so werden es in diesem Jahr bereits mehr als 2,6mal soviel sein. Den Produktionsschwerpunkt stellen dabei die zusammen mit den übrigen COMECON-Ländern produzierten Rechner der ESER-Serie (Einheitliches System Elektronischer Rechenanlagen) dar, im Westen besser als "Ryad" bekannt. Für diese Linie arbeiten im Osten 20 000 Menschen in der Entwicklung und 70 000 in der Produktion, berichtete "Datamation".

Womit arbeiten die EDV-Zentren des Ostens heute in erster Linie? Noch gehört die Mehrzahl der Geräte der zweiten Generation an, wobei die BESM-6, die etwa der amerikanischen CDC 3600 entspricht, ihrer Software wegen besonders hervorzuheben ist. Der GE 600 entspricht der MINSK-32, die IBM 7040 findet ihr Gegenstück in der BESM-4.

Zur dritten Generation gehören die kleine und kompakte NAIRI-3 mit ROM-Speicher, sowie die verschiedenen ESER-Modelle 1020, 1030, 1040, 1050, 1060), die in etwa der IBM 360-Serie (Modelle 30 bis 65) entsprechen; außerdem gibt es drei Mini-Modelle namens ES 1010, ELECTRONIKA und M 6000. (Tabelle)

Bemerkenswerterweise wurden die Computer sowjetischer Produktion anfänglich ohne weitere Wartungsverpflichtungen der Produzenten installiert, doch heute stehen auf Vertragsbasis im ganzen Land eigene Wartungsteams für die einzelnen Anlagen bereit.

In der Software unterscheidet man in der SU zwischen offizieller - die als Teil des Systems und auf die vorgegebenen Anwendungsgebiete zugeschnitten vom Produzenten mitgeliefert wird - und inoffizieller, die von den Anwendern entwickelt und inzwischen im ganzen Lande rege ausgetauscht wird.

"Datamation" berichtet über Vergleichsläufe mit einem meteorologischen Programm. Auf der 1 MOPS (Millionen Operationen pro Sekunde) BESM-6 Maschine lief dieses Programm in Alpha zwei Minuten. Der gleiche Algorithmus in OPTI FORTRAN brauchte auf der 3 MOPS CDC 6600 ganze vier Minuten.

FORTAN wurde in der UdSSR erst in der zweiten Hälfte der 60er Jahre im Gefolge der internationalen Kooperation bekannt und wird heute mit jedem größeren Allzweck-Computer ebenso mitgeliefert wie COBOL.

Egon Schmidt ist freier Wissenschaftsjournalist.

Foto: Novosti/Sovfoto