Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

24.02.1978

Die Spezialisierung der Bleifabrik verlangte eine ausbaufähige EDV: Ein Mini entschied das Stechen für sich

HAMBURG - Oft spiegeln einzelne Betriebe die Schwierigkeiten einer ganzen Branche wider. So auch bei der Firma Bleiindustrie Jung + Lindig, Hamburg-Eidelstedt: Seit Anfang der sechziger Jahre gerieten wesentliche Marktbereiche des Bleihalbzeug -liefernden Unternehmens in die Frontaloffensive der Kunststoffindustrie; Bleirohre wurden insbesondere in der Sanitärtechnik durch Kunststoffrohre ersetzt, und auch im chemischen Apparatebau eroberte Kunststoff angestammte Domänen des nicht korrodierenden Schwermetalls. Trotz dieser existenzbedrohenden Entwicklung machte das Eidelstedter Unternehmen keinen Schrumpfungsprozeß durch, sondern expandierte durch die Entwicklung neuer, "veredelter" Anwendungsgebiete.

Heute werden in dem Hamburger Unternehmen rund 200 Mitarbeiter beschäftigt; der Umsatz des pro Jahr etwa 12 000 Tonnen Blei verarbeitenden Betriebes liegt bei 55 Millionen Mark. Gefertigt werden cirka 2000 teilweise sehr unterschiedliche Artikel. Die Hinwendung zur Lösung von Spezialproblemen spiegelt sich eindrucksvoll auch in einer Entwicklung wider, an der das innovationsfreudige Unternehmen drei Jahre gemeinsam mit dem Kamerahersteller Polaroid gearbeitet hat: superdünne Bleifolien als "Entwicklungsbehälter" für Sofortbildfilme. Rund 4000 Tonnen hauchdünne Bleifolie - pro Bild ein Gramm Blei - werden pro Jahr für die Sofort-Bildchen verarbeitet.

In den sechziger Jahren hatte das mittelständische Unternehmen vor allem Magnetkontokarten-Computer (MKC) eingesetzt. Im Jahre 1970 wurden diese Rechner durch ein IBM-System /3 Modell 10 abgelöst, das in den Jahren 1974/75 durch eine Ausdehnung auf IBM-Call-Anwendungen kapazitätsmäßig erweitert wurde. Steigende Personalkosten und der inzwischen im Drei-Schichten-Betrieb arbeitende Mittelklasse -Rechner zwangen die Unternehmensleitung Mitte 70 nach einem leistungsfähigeren System Ausschau zu halten. Dazu wurde ein an sieben EDV-Hersteller gerichteter Auswahlkatalog entwickelt. Wichtige Kriterien, die das neue System zu erfüllen hatte, waren zum Bespiel Ausbau-und Erweiterungsmöglichkeiten, Anwenderfreundlichkeit (vor allem im Bereich des Operating und der Programmierung), Systemverfügbarkeit und-zuverlässigkeit, niedrige System-Gesamtkosten, hohe Programm-und Datenkompatibilität (für vorhandene 400 RPG-Programme) und Leistungsreserven für neue Anwendungen.

Sieger der Entscheidung: Das Minicomputer-System HP 3000 von Hewlett -Packard. Ausschlaggebend für die Entscheidung waren das günstige Preis-/Leistungsverhältnis, die hohe Sprachkompatibilität und ein erfolgreicher Testlauf des "Superminis". Bis zur Installation der HP 3000 erfolgte die Anpassung und der Programmtest per Datenfernverarbeitung mit einem System HP 3000 in Frankfurt. Die Umstellung der 400 RPG-Programme verlief planmäßig.

Der Einsatz der HP 3000 erfolgt heute an 24 Stunden pro Tag und an sieben Tagen pro Woche für kommerzielle und technisch-wissenschaftliche Anwendungen. Hauptanwen- dungsgebiete bei Jung + Lindig sind die Vertriebsabrechnung, die Arbeitsvorbeireitung, die Materialwirtschaft, das Rechnungswesen sowie das Personal-und Berichtswesen.

Kommerziell und technisch-wissenschaftlich

Im Bereich der Vertriebsabrechnung werden täglich - interaktiv - die Auftragsbearbeitung mit Auftragsbestätigung und Fakturierung gefahren. Zudem werden täglich Umsatzberichte, wöchentlich Planungsvorschläge und monatlich Statistiken und ABC-Analysen erstellt. Auch die Arbeitsvorbereitung profitiert von der permanenten Auskunftsbereitschaft des Systems.

In der Materialwirtschaft werden die täglichen Metallbewegungen (in Menge und Wert) aufbereitet; eine interaktive Lagerbuchhaltung mit Auskunftsystem hält den Versand auf dem laufenden. Im Rechnungswesen gehören die Anlagenbuchhaltung, Zahlungsvoran-schläge, Scheckerstellungen sowie die Bearbeitung des Zahlungs-und Rechnungseingangs zu den Hauptaufgaben, während im Bereich des Personalwesens eine Lohn-und Gehaltsabrechnung und Statistiken in den EDV-Ablauf integriert sind.

Programme für schnelle Daten

Die Maschinenbedienung und-steuerung übernimmt eine Mitarbeiterin in der Zeit von 8 bis 17 Uhr; ab 17 Uhr erfolgt die Steuerung der HP 3000 durch ein spezielles Systemprogramm ("SLEEPER"). Dieses Programm aktiviert alle Verarbeitungen ohne Oper-atoreingriff zur vorgesehenen Zeit. Die wichtigsten Anwendungssysteme, die auf der HP 3000 eingesetzt und auch externen Benutzern im Time-Sharing-Service angeboten werden, sind ein parametergesteuertes Selektions-und Auswertungssystem, ein Programm für die Bildschirm-Verarbeitung, der Finanzbuchhaltung sowie technisch-wissenschaftliche Programme für die lineare Programmierung und Mischungsoptimierung.

Finanzbuchhaltung im Dialog

Die Buchungen können über Karte, Band, Platte und Arbeitsbildschirm-unsortiert -eingegeben werden. Im Anschluß an die Eingabe erfolgt ein Prüf -, Abstimm-und Korrekturlauf, mit dem eine Primanota und eine Fehlerliste geschrieben werden. Die eigentlichen Buchungen werden anschließend vorgenommen und in einem Journal ausgewiesen. Die Stamm-und Belegdaten sind miteinander verknetet, damit einerseits einzelne Kontoauszüge schnell erstellt und andererseits beim Übergang zur Dialogverarbei- tung die gleiche Datenbank verwendet werden kann.