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25.01.1980 - 

Dietz modifiziert für Strom, Gas und Wasser:

Die Stadt-Werker wußten, was ihr Computer soll

"Wir sind überzeugt, so ziemlich das Optimale erreicht zu haben, was heute für kommunale Versorgungsbetriebe auf dem EDV-Sektor möglich ist", stellt Heinrich Behrens, Leiter der Verbrauchsabrechnung der Stadtwerke Peine GmbH, in einem ersten Erfahrungsbericht fest. Das Anwenderlob bezieht sich sowohl auf das seit Oktober 1977 eingesetzte hauseigene Computersystem 600/40 von Dietz, als auch auf die von Neutrasoft-MDT geschaffene Applikationssoftware für eine integrierte Gesamtlösung. Der "Fall Peine" zeichnet sich durch eine für mittlere DV-Anlagen ungewöhnlich intensive Systemauswahl und durch Programme aus, die die organisatorischen Bedürfnisse vieler mittelständischer Versorgungsbetriebe abdecken.

Die Stadtwerke Peine GmbH - alleiniger Gesellschafter ist die Stadt Peinesind ein mittleres kommunales Versorgungsunternehmen, das seine Kunden mit Strom, Gas und Wasser (Bezug und Verteilung) sowie mit Fernwärme (Erzeugung und Verteilung) beliefert. Die Entsorgung ist dagegen Sache der Stadt Peine selbst. Von den 48 000 Einwohnern werden einige eingemeindete Ortschaften noch von anderen Versorgungsunternehmen bedient. So kommt es, daß die Stadtwerke Peine "nur" rund 38 000 Einwohner mit Strom (zirka 19 000 Zähler; Verbrauch 1979. knapp 98 Millionen kWh), etwa 33 000 Einwohner mit Gas (zirka 9000 Zähler; Verbrauch 1979: fast 32 Millionen cbm) und ungefähr 27 000 Einwohner mit Wasser (zirka 6200 Zähler; Verbrauch 11979: rund l"8 Millionen cbm) beliefern. Auf dem Fernwärmesektor sind rund 1050 Zähler installiert, zirka 400 "Zweitzähler" für Gebrauchswasser mitgerechnet. 1979 würden rund 196 000 Gigajoule abgenommen. Die Stadtwerke Peine beschäftigen um die 85 Mitarbeiter. In der Verbrauchsabrechnung wird bereits seit 1962 das rollierende System praktizierte

Testprogramm für Systemauswahl

Bis 1977 arbeiteten die Stadtwerke

Peine mit zwei Magnetkontencomputern von Hohner (das Unternehmen hat in der Zwischenzeit seine EDV-Aktivitäten eingestellt). Aufgrund von quantitativen, aber auch qualitativen Engpässen in der DV hatte das Versorgungsunternehmen schon geraume Zeit nach einem leistungsfähigerem System Ausschau gehalten. In einem Anforderungsprofil wurden die Wünsche an den neuen Computer präzisiert. Die Zusammenarbeit mit einem kommunalen oder sonstigen Rechenzentrum war für das Peiner Versorgungsunternehmen eigentlich nie eine Alternative. Kaufmännischer Leiter Günter Stuckenberg: "Ein eigener Computer ist nicht nur flexibler, sondern richtig dimensioniert auch billiger." Hohner offeriert ein System, das laut Verkäuferaussagen die erforderliche Leistung für die reorganisierten DV-Arbeitsabläufe der Stadtwerke Peine bringen würde. Da der Hardwarehersteller bereit war, seine Zusagen vertraglich zu fixieren, bestellte das Versorgungsunternehmen einen Hohner-Computer. Die Neutrasoft-MDT Software-Entwicklungs- und Vertriebs-Gesellschaft für Datentechnik mbH, Greven, "unabhängiges Software-Unternehmen der Mittleren Datentechnik" sollte die Programme liefern.

Schon bald mußte das Softwarehaus feststellen, daß sich Hohner in bezug auf die Leistungsdaten seines Systems wohl etwas übernommen hatte. Neutrasoft-MDT schrieb deshalb ein sich an den organisatorischen Bedürfnissen der Stadtwerke Peine orientierendes. Testprogramm für die Verbrauchsabrechnung. Mit ihm sollte zweierlei erreicht werden: Einmal wollte man Hohner damit beweisen, daß seine Hardware nicht geeignet war. Zum anderen sollte mit Hilfe des Testprogramms des geeignetste System gefunden werden. Nachdem Hohner "klein beigegeben" hatte, wurden Systeme von sieben verschiedenen Herstellern näher unter die Lupe genommen. Auswahlkriterien waren das Zeit. verhalten im Multiprogramming, die Eignung des Betriebssystems für die Dialogverarbeitung, die verfügbaren Compiler (Programmiersprachen), die externe Plattenkapazität und das Preis-/ Leistungsverhältnis.

Schließlich empfahl das Softwarehaus den Stadtwerken Peine einen Computer aus der Systemfamilie 600 von Dietz. Für die 600 sprachen das günstige Zeitverhalten im Multiprogramming (kein Leistungsabfall), das nach Ansicht von Neutrasoft-MDT für die Computergrößenklasse am weitesten ausgereifte Betriebssystem (in bezug auf die Dialogverarbeitung), die Tatsache, daß in der Programmerstellungsphase Programme sowohl interpretierend als auch generierend gefahren werden konnten, die für Dialoganwendungen leicht zu handhabende Programmiersprache C-Basic, die externe Plattenkapazität (für das dem Testprogramm zugrundeliegende Mengengerüst der Stadtwerke Peine wurden mindestens 45 M Plattenkapazität benötigt) und das günstige Preis-/Leistungsverhältnis (trotz, exzellenter Hardware-Leistungsdaten zählte Dietz zu den günstigsten Anbietern). Neutrasoft-MDT traf seine Empfehlung völlig neutral. Zu Dietz hatten vorher keinerlei geschäftliche Kontakte bestanden. Obendrein wurden die Tests von der Wibera, einer vorwiegend für kommunale Unternehmen tätigen Wirtschaftsberatungsgesellschaft, nachvollzogen und die Ergebnisse bestätigt.

Die Hardware

Die Dialog-Plattensysteme Dietz 600 gehören dank ihrer Systemarchitektur und Systemsoftware zu den modernsten dialogorientierten Computern. Die Hard- und Softwaretechnologie baut auf den im Prozeßrechner- und technischwissenschaftlichen Bereich sowie in der Datenfernverarbeitung gewonnenen Erfahrungen auf. Die 600er Familie ist in sich Hard- und Softwarekompatibel. Das Betriebssystem für Timesharing-Mehrbenützer-Betrieb, Hintergrund-Betrieb und Spooling bietet dem Programmierer kommerzieller Anwendungen Moduln für Plattenverwaltung mit direktem und sequentiellem Dateizugriff sowie einem oder mehreren Satzschlüsseln; Dienstprogramme für Kopieren, Reorganisieren, Sortieren und Mischen von Plattendateien. Das Modell 600/40 kann mit maximal zwölf Bildschirm-Terminals ausgerüstet werden. Der Anwender kann zwischen Hauptspeichern von 64 bis 512 KB und Plattenkapazitäten von 10, 20, 30 und 60 Mio. Bytes wählen. Maximal sind sechs Serial- oder Zeilendrucker anschließbar; alle üblichen Peripherie-Optionen sind erhältlich.

Bei den Stadtwerken Peine ist folgende auf Zuwachs ausgelegte Konfiguration installiert:

Zentraleinheit 600/40 mit 96 KB Hauptspeicher;

6 Bildschirmarbeitsplätze mit je 2000 Zeichen (25 Zeilen ä 80 Zeichen) Kapazität;

2 Plattenstapel (Wechselplatten) mit je 60 Mio. Bytes Kapazität;

3 Zeilendrucker mit je 200 Zeilen/Minute Leistung;

1 Bandstation für den Datenträgeraustausch (1600 Bpi).

In vorstehender Ausbaustufe kostete die Anlage zum Anschaffungsdatum rund 350 000 Mark. Der zweite Plattenstapel ist gegenwärtig noch nicht von ausgelastet. Zu den Gründen, warum die Plattenkapazität so. groß bemessen wurde, bemerkt. EDV-Leiter Hartwig Hasse: ",Wir rechnen mit einem Kundenzuwachs durch die Eingliederung weiterer Ortschaften. Der technische Bereich soll in absehbarer Zeit auch "computerisiert" werden. Durch das zweite Laufwerk wird die Datensicherung auf Platte gemacht. Einschließlich Logbuchprotokollierung dauert das täglich nur rund 15 Minuten.

Alle sechs Bildschirme sind lokal (bis 30 Meter von der Zentraleinheit entfernt) angeschlossen. Vier Displays und zwei Drucker sind für die Verbrauchsabrechnung (einschließlich Kunden-Sofortauskunft) und Kassenbuchungen eingesetzt. Einer fungiert zugleich als Erfassungs- und Masterplatz. Ein Datensichtgerät und ein Drucker dienen der Finanzbuchhaltung, der Lohnbuchhaltung sowie der Anlagenbuchhaltung, einschließlich der Erfassung der Rechnungseingänge auch für den Materialzugang in einem Arbeitsgang. Der sechste Bildschirm schließlich wird für die Materialwirtschaft mit Installationsrechnungen und Auftragsabrechnung benötigt.

Aus "Insel"-Lösung wurde Standardpaket

Die Stadtwerke Peine zählen zu den bei kleinen und mittleren Systemen leider noch selten angehenden EDV-Anwendern, die präzise wußten, was der Computer alles machen sollte. Sie lieferten dem Software-Unternehmen nicht nur ein umfangreiches Pflichtenheft, sie spielten auch während der gesamten Softwareproduktionsphase eine aktive Rolle. Durch dezidierte Anwenderwünsche und Parametersteuerung wurde bei den individuell erstellten Applikationen für die Verbrauchsabrechnung einschließlich Sonderabnehmer und Kassenbuchungen, Brutto-Lohn und Materialwirtschaft eine große Praxisnähe und, Flexibilität in den einzelnen Programmbereichen erzielt. Für die Finanzbuchhaltung wurde Dietz-Standard-Software nach den Belangen von Stadtwerken, modifiziert. Und den Standard-Nettolohn des Hardwarelieferanten ergänzte man um die Besonderheiten des öffentlichen Dienstes.

Von Anfang an strebten die Stadtwerke Peine eine integrierte Gesamtlösung an. Da sie maßgeschneidert auf die, eigenen -Belange sein sollte, drohte eine sogenannte Insel-Lösung zu entstehen, Neutrasoft-MDT programmierte die Verbrauchsabrechnung zunächst als ein individuelles, von anderen EDV-Anwendern nicht adaptierbares Programm. Alle weiteren Programme wurden dann in Richtung auf ein Dietz-Standardpaket "Versorgungsbetriebe modifiziert. Später wurde dann auch die Verbrauchsabrechnung nochmals überarbeitet. und von Ballast befreit. Sie deckt jetzt die organisatorischen Bedürfnisse vieler Stadtwerke und sonstiger Versorgungsbetriebe ab. Das nunmehrige Standardpaket "EVU" ist inzwischen auch bei einigen anderen kommunalen Versorgungsunternehmen eingesetzt. Es ist für Betriebe mit bis zu rund 150 000 Zählern ausgelegt und kostet als integrierte Komplettlösung rund 60 000 Mark einmalige Nutzungsgebühr. Es können aber auch nur einzelne Module übernommen werden. Beispielsweise gibt es die Verbrauchsabrechnung einschließlich Statistiken für etwa 18 000 Mark Nutzungsgebühr.

Das Branchenprogrammpaket "EVU" besteht aus folgenden Moduln:

- Verbrauchsabrechnung Kleinverbraucher,

Großabnehmer,

Fernheizungsabnehmer,

Sonderabnehmer;

- Bestabrechnung (drei Varianten möglich);

- Tarifsimulation;

- Debitorensollstellung (organisatorisch in die Verbrauchsabrechnung eingegliedert);

- Materialwesen und Fakturierung,

- Brutto-/Nettolohn und Gehalt;

- Anlagenbuchhaltung;

Finanzbuchhaltung

Heinrich Behrens sieht das Programm "Sonderabnehmer" als das "Paradestück" an Die 600/40 ermittelt die Scheinleistung (kVA) über Wurzelziehurig:, Die drei höchsten Monatswerte des Jahres, werden ausgewiesen und der Durchschnittswert mit der vertraglich vereinbarten Leistung verglichen. - Der höhere Wert wird berechnet und der bereits in Ansatz gebrachte Betrag laut Vormonatsrechnung abgesetzt. Gegenüber der vorherigen manuellen Abrechnung werden mit der Computer-Abrechnung der Sonderabnehmer monatlich rund 15 Arbeitstage eingespart.

Die Stadtwerke Peine bewältigen mit ihrem hauseigenen Computer und den realisierten Programmen mit dem gleichen Personal ein erhöhtes Datenvolumen. In der Buchhaltung und im Materialbereich ist eine starke Entlastung eingetreten. Der Verwaltungsaufwand ist generell gesunken. In der Verbrauchsabrechnung treten weniger Fehler auf. Die erhöhte Datentransparenz (Dialogverarbeitung mit Bildschirmarbeitsplätzen) kommt auch den Kunden zugute (Sofortauskünfte).

*Ulf Bauernfeind ist EDV-Fachjournalist.