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10.08.1979 - 

Produktionsmanagement für mittelständischen Industriebetrieb:

"Die Steuerung aus dem Karteikasten wurde unmöglich"

Höhere Lieferbereitschaft, geringere Lagerbestände und eine transparentere Fertigung sind das Ergebnis einer EDV-Installation in dem mittelständischen Produktionsbetrieb Veit/Hilgertshausen in Oberbayern.

Durch den Einsatz des Fertigungssteuerungspaketes "Safes" in Verbindung mit einem ID-Dialogsystem "Ten" erreichte dieser Industriebetrieb eine wirkungsvolle Steuerung des Personaleinsatzes, der Maschinenkapazität und des Materialflusses im Sinne einer Einsatzoptimierung der Produktionsfaktoren.

Im Fertigungsbetrieb Veit wurden die ersten Überlegungen zu einer eigenen EDV-Anlage im Januar 1978 angestellt: Kernproblem war die Fertigungssteuerung. Mit rund 100 Mitarbeitern fertigt das Tochterunternehmen in Hilgertshausen hauptsächlich für das Mutterwerk in Landsberg Produkte wie Bügelgeräte für die Industrie, Bügeltische, Dampferzeuger und Dampfbügeleisen.

Produziert wird in Serienfertigung mit wöchentlichen Losgrößen von 30 bis 40 Bügelgeräten und rund 150 Bügelreisen, je Typ mit zirka fünf verschiedenen Ausführungen. Es sollte rationalisiert und das Betriebsergebnis verbessert werden.

"Die Lösung der Fertigunssteuerung durch eine EDV-Organisation war immer dringlicher geworden" - berichtet Hans Greisl, der Betriebsleiter in Hilgertshausen - "eine Produktionsplanung und -steuerung wie bisher aus dem Karteikasten war bei steigenden Fertigungsraten unmöglich geworden."

Der Ansatzpunkt dafür lag im Bereich der Fertigungsorganisation. Die zu erreichenden Ziele waren:

- Reduktion der Lagerbestände,

- Erhöhung der Lieferbereitschaft,

- Verkürzung der Durchlaufzeiten,

- Verminderung der Kapitalbildung,

- Verbesserung der Kapazitätsauslastung.

Hans Greisl, verantwortlich für die Fertigungssteuerung, setzte sich für eine Anlage in seinem Produktionsbetrieb ein, da er unabhängig von einem Rechenzentrum bleiben wollte.

Standardlösung mit Minimalkonfiguration

Die Hannover-Messe '78 brachte die erforderliche Klarheit. Nach einer Vorführung des Steuerungspaketes Safes auf dem ICL-Stand wurde gekauft. Für den Fertigungsbetrieb in Hilgertshausen ein ICL Dialogcomputer-System Ten und für das Mutterwerk in Lansberg eine weitere gleiche Anlage.

Im November schließlich wurde die Minimalkonfiguration installiert: Eine Zentraleinheit mit 20 K, eine Platteneinheit mit acht MB, ein Matrixdrucker mit 165 Zeichen pro Sekunde und ein Bildschirm. Der Kaufpreis für die Konfiguration betrug rund 100 000 Mark. Das System ist für Dialogverkehr konzipiert, und nur im Bedarfsfall werden Listen ausgedruckt. Der Dialogverkehr garantiert direkten Zugriff auf das System und kurze Antwortzeiten. Eine Woche nach Installation wurde bereits mit der Einführung der Fertigungssteuerung begonnen, und zwar mit

- der Stücklistenbereinigung und Verwaltung,

- der Lagerbestandsführung und der

- Arbeitsplanung und Kontrolle.

Im April 1979 wurden dann weitere Teilbereiche des modular aufgebauten Fertigungssteuerungspaketes realisiert:

- Auftragsverwaltung,

- Bedarfsplanung,

- Kalkulation und Kostenminderung.

Beim Bereinigen der Stücklisten und der Verwaltung wurden die einzelnen Produkte bis hin zur Basis Rohmaterial "aufgelöst". Es gibt rund 1500 Fertigungsteile aus Blech, sonstigen Materialien und Baugruppen. Ein Endprodukt wurde in die einzelnen Baugruppen zerlegt, von denen jede wiederum in bestimmte Einzelteile. Diese Einzelteile ordnete man nochmals bis hin zu Rohmaterialien wie Blech Guß. Die Stücklistenbereinigung brachte einen erheblichen Rationalisierungseffekt mit sich: "Bis zu 30 Prozent der Teile, die einzubauen waren, fehlten für die einzelnen Produkte in der bisherigen Fertigungsplanung," erklärt Hans Greisl.

Transparenter Betriebsablauf

Durch eine Lagerbestandsführung konnte zugleich Ordnung in dem rund 1000 Quadratmeter umfassende Lager geschaffen werden. Heute lagern gleichartige Teile nicht mehr an zwei oder drei Lagerplätzen, sondern an einem festgelegten Platz. Überflüssiges Bestellen, wie es früher oft vorkam, gibt es nicht mehr.

Durch Lagern der Teile nach entsprechenden Geräten wurde eine Optimierung der Lagerbewegung erreicht. Die Fertigungssteuerung Safes rationalisierte ebenfalls die Arbeitsplanung und koordinierte die einzelnen Arbeitsabläufe.

Wahrend früher die einzelnen Abläufe nacheinander begonnen und abgewickelt wurden ohne vorherige Rückversicherung, ob die dazu erforderlichen Teile auch am Lager vorhanden waren, bringt heute einen sinnvollen, reibungslosen Ablauf in die einzelnen Arbeitsvorgänge ohne die früher üblichen Wartezeiten. Die Fertigung wird von einer zentralen Planstelle aus geleitet. Nach Beendigung eines Arbeitsauftrages fordert der Arbeiter den Beginn eines neuen an. Über das Dialogsystem wird am Bildschirm geprüft, ob die für den gewünschten neuen Arbeitsvorgang benötigten Bauteile am Lager frei verfügbar sind. Bei negativer Antwort druckt das System einen Bestellschein, und die Planungsstelle sorgt für einen Alternativarbeitsauftrag. Bei verfügbaren Lagerteilen erhält der Arbeiter ein "Start frei" für die Fertigung. Bei Veit erhält heute jeder in der Fertigung beschäftigte Arbeiter einen festen Arbeitsplan, damit keine Wartezeiten entstehen. Dabei schließt sich eine Baugruppenfertigung reibungslos an die darauffolgende Montage an.

"Mit der eingesetzten Fertigungssteuerung haben wir sämtliche Betriebsabläufe transparent gemacht, vom Auftrag bis zur Auslieferung", freut sich Betriebsleiter Greisl, "wir sind endlich nicht mehr gezwungen zu improvisieren."

Auftragsbezogene Fertigung

Fertigungsplanung und automatisches Bestellwesen gehören bei Veit zusammen. Bereits bei Unterschreiten einer bestimmten Losgröße eines bestimmten Lagerteils schreibt das System eine Bedarfsmeldung aus. Durch seine genaue auftragsbezogene Fertigung erreicht Veit eine weitere Rationalisierung. Sämtliche Aufträge werden gespeichert, ist ein Auftrag erledigt, so wird er sofort verbucht. "Damit entfallen eine Fertigungsplanung "ins Blaue" und die Produktion von 'Ladenhütern' ", erläutert Hans Greisl.

Auf der Basis des Auftragseingangs liefert das EDV-System genaue Bedarfsvorschläge für die termingerechte Fertigung sowie für, die Abwicklung sämtlicher Aufträge innerhalb eines gesamten Jahres. Der Bedarfsvorschlag gibt genaue Mengen an Arbeitszeit, Maschinenkapazität und Materialien an sowie die Lieferanten der benötigten Betriebs- und Hilfsmittel. Ein genauer Bestellvorschlag besagt, was wann, in welcher Menge bei wem bestellt werden muß. Bei Lieferverzögerungen druckt das System eine Mahnung an die Adresse des entsprechenden Lieferanten aus.

Lagerkontrolle und reduzierte Kapitalbindung

Ein Kontrollinstrument bietet Safes durch "Kalkulation" und "Kostensimulation". Mittels Kalkulation kann das System den Vergleich Effektiv-/Standardkosten auswerten. Die Kostensimulation gibt Auskunft über zu erwartende Produktkosten bei steigenden Lohn- oder Materialkosten. Nach Eingabe der erwarteten relativen Steigerungsrate errechnet das System die entsprechende Kostenerhöhung für das betreffende Produkt.

Damit verfügt die Betriebsleitung über eine, permanente Kontrolle der eigenen Wettbewerbsfähigkeit am Markt. Safes teilt weiterhin mit der sogenannten ABC-Analyse den Umsatz wertmäßig den einzelnen Produktteilen und Baugruppen zu. Das garantiert eine exakte Lagerdisposition.

Teile mit geringer Umschlaghäufigkeit werden klar erkenntlich, und der Disponent kann eine Bereinigung des Teilesortiments aufgrund der exakten Angaben durch das EDV-System vornehmen. Maschineneinsatzzeiten, ebenfalls durch den Computer registriert, geben genaue Auskunft über die Belastung einzelner Maschinen. Die Informationen durch das System bieten dann die Basis für Entscheidungen über Stillegung oder Zusatzinvestitionen.

Über sein EDV-System und die in kurzer Zeit realisierte Fertigungssteuerung ist Hans Greisl natürlich sehr froh. "Wir sind endlich frei von Improvisation und Klimmzugaktionen. - An die Stelle von Unklarheit ist Transparenz getreten.

Durch Terminierung der Bestellungen und Fertigungszeiten konnten die Wartezeiten abgebaut werden und durch Lagerkontrolle eine Reduzierung der Kapitalbindung erzielt werden. Das wirkt sich in höherer Produktivität aus, die wiederum die Wettbewerbsfähigkeit steigert."