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15.03.1996 - 

Com-Munic-Kongress diskutiert Chancen neuer "Interactive Services"

Die Suche nach Cash-cows und Killerapplikationen geht weiter

Der Mauszeiger huscht ueber den Bildschirm. Ein dreidimensionales Objekt folgt ihm ohne sichtbare Verzoegerung und laesst sich aus allen moeglichen Blickwinkeln betrachten. So praesentiert Ruediger Knoblach, Manager Products & Promotion bei Silicon Graphics in Grasbrunn, das Produkt "3D-Surf-Zone". Diese Virtual Reality Modelling Language (VRML) wird als potentielle Killerapplikation fuer das World Wide Web (WWW) gehandelt. Anwendungen dieser Art koennten das Internet, wie es auch in Hamburg hiess, zum Massenmedium machen. 3D-Surf-Zone speichert die dreidimensionalen Objekte intern als Gitter, kann auf deren Oberflaeche Texturen aufbringen oder die Umgebung spiegeln.

Doch was nuetzen Hunderte vermeintliche Killerapplikationen, wenn man immer noch zuwenig ueber die potentielle Kundschaft weiss. In der Diskussionsrunde zum Thema "Online-Markt Deutschland: Analyse und Perspektiven" gaben sich Vertreter verschiedener Online- Dienste ihr Stelldichein. Bezueglich der Frage "Wer ist der Benutzer?" herrschte dort zumeist weitgehende Uebereinstimmung. Guido Weishaupt, Produkt-Manager T-Online, Deutsche Telekom, Bonn, formulierte es so: "Online-Kunden gehoeren zur gehobenen Schicht. Sie verfuegen ueber ein hoeheres Einkommen und eine bessere Bildung als der Bevoelkerungsdurchschnitt."

Eine Klientel mit solch einem Profil scheint die ideale Zielgruppe fuer die Werbewirtschaft zu sein. Was aber wollen die User respektive Online-Freaks? "Anwender nehmen das Netz nur in Anspruch, wenn sie einen Nutzen davon haben." Mit diesem fast schon tautologischen Satz fasste Hendrik Fulda, Projekt-Manager bei dem Hamburger Internet-Provider Point of Presence, seine Eindruecke zusammen.

Als weiteres wichtiges Thema kristallisierte sich im Verlauf der Diskussion Sicherheit von Kreditkarten als dem kuenftigen Zahlungsmittel im Internet heraus. Schliesslich macht man Werbung fuer Produkte und Dienstleistungen, die gekauft und bezahlt werden muessen. Point-of-Presence-Manager Fulda vertrat die Position, diese Zahlungsart sei gefaehrlich. Hier erntete er heftigen Widerspruch. Es sei sicherer, mit Karte im Internet zu bezahlen, als die Karte einem unbekannten Kellner zu geben, entgegnete Werner Zucker, Geschaeftsfuehrer bei der Mikroelektronik Anwendungszentrum GmbH (MAZ), Hamburg. Allzu persoenlich wollten die Herren allerdings nicht werden: Der Frage, ob er selbst Finanztransaktionen ueber das Internet taetigen wuerde, wich Ottmar Schipper, Leiter Sales Marketing bei Europe Online Deutschland, Muenchen, aus. "Wer auf die 100prozentige Sicherheit wartet, wird zu den Verlierern gehoeren", war sein Credo.

Exemplarisch stellten einige Content-Provider in Hamburg ihre Projekte vor. Peter Mueller-Bader, Geschaeftsfuehrer der Gesellschaft fuer Betriebswirtschaftliche Informatik (GBI), Muenchen, berichtete ueber die Datenbanken seines Unternehmens in T-Online. "Wir sind auf dem besten Wege, mit Online reich zu werden. Aber es hat lange gedauert", verriet er ganz im Duktus einer fuer die Branche (noch) typischen Goldgraeberstimmung. Er hat allerdings gut reden, seine Firma verfuegt schon seit 13 Jahren ueber ein entsprechendes Angebot, zunaechst in Datex-J. Andere Anbieter sind noch weit davon entfernt, schwarze Zahlen zu schreiben. Zu den Rennern unter den Datenbanken von GBI gehoeren die Volltext-Pressearchive von "FAZ" bis "taz" und Unternehmensprofile wie Hoppenstedt und Creditreform. Die Preise betragen 36 Mark pro Stunde plus Dokumentengebuehr. Wenn jeder nur nachschaue, ob seine eigene Firma richtig eingetragen ist, mache GBI schon einen Gewinn, rechnet Bader-Mueller vor.

Nicht nur Online-Banking, sondern auch die Abwicklung von Wertpapiergeschaeften ueber T-Online bietet Consors, eine Niederlassung der Schmidt Bank, Nuernberg, an. "Unsere Kunden sind Anleger, die keine Beratung benoetigen und sich aktiv beteiligen", beschreibt Reiner Mauch, Geschaeftsfuehrer und Discount-Broker bei Consors. Die Entscheidung fuer T-Online habe vor allem damit zu tun, dass 85 Prozent der Nutzer dieses Dienstes Electronic Banking praktizieren.

Refinanzierung durch Sponsoring

Grosser Beliebtheit erfreuen sich offensichtlich Angebote rund um die Touristikbranche. Der "Info Flyway" der Lufthansa (unter Microsoft Network = MSN) und die Fahrplanauskunft der Deutschen Bahn (T-Online) waren in Hamburg ebenso vertreten wie die Online- Projekte von Merian (Compuserve) und dem Reiseveranstalter L'TUR (AOL, T-Online). Im heissumkaempften Reisemarkt hat Merian Online die Erfahrung gemacht, dass sich der Dienst allein aus den Nutzungsgebuehren nicht rechnet. Um seine Investitionen zu schuetzen und technologisch unabhaengig zu sein, bietet Merian seine Reisedatenbank auf verschiedenen Medien an. L'TUR sieht als Moeglichkeiten zur Refinanzierung vor allem Werbepartner und Sponsoring.