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18.09.1981

Die Super-Minis

Die Minis, zumindest die stärksten unter ihnen, schicken sich an, den Universalrechnern den Rang abzulaufen. Von kommerziellen DV-Anwendern lange Zeit als reine Prozeßrechner abgestempelt, erzielen sie mittlerweile auch außerhalb ihrer eigentlichen Domäne erste Achtungserfolge. Doch die Auseinandersetzung mit den Mainframes findet nicht auf dem Feld der Butter-und-Brot-Anwendungen statt: Mit ihrer transaktionsorientierten Struktur sind die Minis insbesondere für Aufgaben des Distributed Data Processing, in Netzwerk-Applikationen sowie im Multi-Terminal-Betrieb durchschnittlichen Universalrechnern eindeutig überlegen.

Nun wachsen aber auch die Mini-Bäume nicht in den Himmel. Universalrechner-Ambitionen wurden bislang durch einen Engpaß im Bereich kommerzieller Software gebremst. Anzeichen für einen Wandel sind indes erkennbar, vor allem seit die Mini-Produzenten mit sogenannten "Superminis" verstärkt im Windschatten der Mainframes segeln. Markenzeichen der Mini-Luxusklasse: 32-Bit-Architektur, hohe Performance, Online- und Datenbank-Fähigkeiten - sowie verhältnismäßig saftige Preise.

Wiege auf dem Campus.

Die Wiege des Minicomputers stand auf dem Campus. In den Lincoln Laboratories des Bostoner Massachusetts Institute of Technology (MIT) werkelten Ken Olsen und eine Schar Gleichgesinnter Mitte der fünfziger Jahre an Prozeßschnittstellen für DV-Systeme und schmucklosen, aber fixen Steuerrechnern ohne herkömmliche Papier-Peripherie.

Aus dem MIT-Team scherte als erster Ken Olsen aus. Er löste sich von der traditionellen Rechner-Lehre. und schuf einen kompakten Number-Cruncher, den "Minicomputer", der mit der Anwendungsumgebung erstmals direkt kommunizieren konnte - nicht notgedrungen über den Batch-Tresen.

Olsen gründete 1957 die Digital Equipment Corporation und trug seine "Mini"-Idee in den von unbeweglichen Stapel-Jumbos beherrschten Computermarkt.

Fortan ohne Fortran.

Bis Mitte der siebziger Jahre vegetierten die Minis im Kunstlicht der Fabrikhallen und Labors dahin. Mit der von Perkin-Elmer (früher Interdata) erstmals herausgebrachten 32-Bit-Architektur wurde 1974 die Voraussetzung für einen universellen Einsatz geschaffen: Die Minis gaben sich fortan zivilisiert und bürotauglich.

Durch die zunehmende Miniaturisierung elektronischer Bauelemente konnten sie schließlich Aufgaben übernehmen, die bis dahin Universalrechnern vorbehalten schienen. So gesellte sich folgerichtig zu den Begriffen "Mikro-Mini", "Midi-Mini" und "Maxi-Mini" das Schlagwort vom "Supermini". Wichtigste Vertreter der neuen Klasse: Die VAX-Modelle von Digital Equipment, Perkin-Elmers Serie 3200, die MV/8000 von Data General, Primes 50er Modelle, die 32/7780 von Systems Engineering Laboratories (SEL) sowie die ND-500 von Norsk Data.

Vor allem der Erfolg der plattenorientierten Bürocomputer, die aus den klassischen Buchungs- und Fakturierautomaten hervorgegangen waren, veranlaßte die Mini-Anbieter endgültig, in den Kommerz-Markt einzusteigen. Der Start verlief allerdings eher in Zeitlupe: Noch 1975 war der Bekanntheitsgrad der Minihersteller lächerlich gering. Bei einer IDC-Umfrage kannte seinerzeit nur jeder zweite der befragten Anwender die "Kleinrechner"Anbieter.

Doch weniger der geringe Bekanntheitsgrad als vielmehr das Fehlen geeigneter Software ließ die Mini-Macher mit ihren Produkten gegenüber den Rechnern der mittleren Datentechnik und dem unteren Universalrechnerbereich ins Hintertreffen geraten: Die MDT bot schlüsselfertige Lösungen, während Mini-Kunden ihre Computer in der Regel selbst programmierten.

Immerhin setzen MDT-Unternehmen 60 bis 70 Prozent ihrer Mitarbeiter für Beratung und Software-Support im Feld ein, während bei den Mini-Herstellem der gleiche Prozentsatz allein in der Fertigung und Entwicklung arbeitet. Daran hat sich auch bis heute nicht viel geändert.

Lange Zeit hielten sich die Mini-Anbieter aus dem kommerziellen Softwaregeschäft heraus und ließen eine kleine Anzahl spezialisierter Systemhäuser die Kastanien aus dem Feuer holen. Seit jedoch die Mini-Maker weitgehend gleiche Ziele wie die Mainframer verfolgen, sind Ansätze für einen neuen Kurs erkennbar. Wurden Minis bislang nur mit dem Nötigsten (Betriebssystem) ausgestattet, so reicht die Basissoftware mittlerweile vom Systemprogramm bis zur Datenbank.Leistungsfähigkeit und wachsende Installationszahlen der Superminis veranlassen inzwischen auch namhafte Softwarehäuser, in dieses offensichtlich lukrative Geschäft einzusteigen. Der Trend geht dabei deutlich in Richtung schlüsselfertiger Systeme.

Dennoch verfolgen die Hersteller nicht das Ziel, traditionelle administrative Anwendungen wie Buchhaltung und Lohn- und Gehaltsabrechnung abzulösen.

Kraftprobe im DDP-Geschäft.

Interesse zeigen sie allenfalls, wenn beispielsweise ein technischer Bereich aus dem kommerziellen Rechenzentrum ausgegliedert werden soll.

Ihre eigentliche Stärke sehen sie dagegen im Bereich des Distributed Data Processing. Insbesondere zeigen die "Leichtschwergewichtler" als Netzknotenrechner mit starker Terminalbelastung ihre Muskeln. Besonders in hierarchischen Netzen mit einem Universalrechner an der Spitze und Funktionen in darunter liegenden Ebenen haben die Superminis ihren Stellenwert. Sie erledigen Konzentratorfunktionen und bewältigen als Front-End-Rechner auch noch die Textkommunikation mit gleichzeitiger Textverarbeitung, denn Nullachtfünfzehn-Anwendungen nutzen die Fähigkeiten eines Superminis nicht aus.

Ihre Vorzüge entfalten die Superminis vielmehr im Multiterminalbetrieb mit 32 bis 400 Terminals. Nur wenn der Bedarf für derart komplexe Anwendungen tatsächlich vorliegt, tut der Anwender gut daran, sich auf dem Mini-Markt umzusehen. Vor allem Großunternehmen werden aufgrund verfügbarer Software-Produkte für X.25-Paketvermittlung, Emulatoren für die unterschiedlichsten Leitungsprozeduren und realisierten Lösungen im Rahmen von Computer-Dezentralisierung verstärkt Rechner dieser Provenienz einsetzen. Damit dürfte der Mini den Großrechnern Marktanteile abknapsen. Jedoch zeigen Minis im Multiprogramming- oder Multiuser-Betrieb oft ein anderes Verhalten als im Echtzeitmodus - zur Enttäuschung der Anwender.

Kein Peripherie-Poker

Mit offenen Karten spielen die Mini-Macher in Sachen Peripherie. Anders als bei der Mainframe-Konkurrenz, die technische Neuerungen nur bedingt an Alt-User weitergeben kann (oder will), ermöglichen die Mini-Anbieter ihren Kunden, neue Peripherie auch an ihre alten Hobel anzuschließen. Damit verheißen diese Hersteller ihren Kunden einen preiswerteren Aufstieg, wenn die Anlage einmal erweitert werden muß. Dort, wo heute Kommerz-Minis im Einsatz sind, herrscht Zufriedenheit, wie die letzte Datapro-Umfrage ergeben hat.

Ob die Superminis weiterhin gute Noten einheimsen und zusätzliche Marktanteile gewinnen können, hängt nicht zuletzt von der Software-Strategie der Anbieter ab. Denn ohne kommerzielle Pakete läuft nichts.