Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

03.07.1987 - 

Arbeitsplatzrechner gewinnen Produktivität durch Kommunikation:

Die Supermikros verknüpfen Informationen im Büro

Die Träume vom PC als Nulltarif-Alternative zur zentralen Datenverarbeitung sind ausgeträumt. Der Bedarf an Rechnerleistung hat sich sicherlich verlagert, weg von der zentralen hin zu Abteilungs- und Arbeitsplatz-bezogenen Lösungen. In diesem Zusammenhang hat der Supermikro als Mehrplatz-PC und abteilungsbezogene Zentrale ein neues Gewicht bekommen, doch nicht alleinstehend, sondern in enger Abstimmung mit dem Mainframe-Rechner. Eine Tendenz, die heute bereits durchaus betriebliche Realität ist und in Zukunft immer mehr Freunde finden wird.

Die Rolle und Bedeutung der Verbindung von Mikro-, Supermikro-, abteilungsbezogenen Systemen und Mainframe werden am deutlichsten sichtbar vor dem Hintergrund der Informationsverarbeitung im Unternehmen. Denn gerade hier hat sich eine Umwälzung vollzogen, die durchaus als revolutionär zu bezeichnen ist.

Information zeitkritisch für wirtschaftlichen Vorsprung

In der Vergangenheit, über Jahrhunderte fast unverändert, wuchs die Anzahl der Information nur sehr langsam. Schon die Kaufmannsgilde der Fugger gründete ihre Geschäfte in weiten Teilen darauf, daß sie bessere und schnellere Informationen erhielten als andere Mitbewerber. Doch die Mittel der Informationsgewinnung haben sich von damals bis zum Anfang dieses Jahrhunderts nicht wesentlich geändert. Erst in den letzten Jahren trat ein radikaler Wandel ein. Heute spricht man von einer Verdoppelung der verfügbaren Informationen in einem Zeitraum von zehn Jahren, mit deutlich abnehmender zeitlicher Tendenz. Diese Flut an Informationen gilt es zu kanalisieren und sinnvoll zu verwenden.

Angenommen, ein Sachbearbeiter in einem Unternehmen benötigt zur Bearbeitung eines Vorgangs Informationen, die ihm an seinem Arbeitsplatz mit seinen Mitteln nicht zur Verfügung stehen. Die Beschaffung, ob intern oder extern, ist für ihn zum Problem geworden und kann meist von ihm selbst nicht gelöst werden. Die Beschaffung von Informationen setzt eine innerbetriebliche Informationsstruktur voraus, die auf die Belange des Unternehmens abgestimmt ist. Derzeit zeigt die Praxis in diesem Bereich noch alle möglichen Mischformen von papierloser und papiergebundener Kommunikation, mit Hilfsmitteln von Notizzetteln bis zum Bildschirm-Arbeitsplatz. Noch existieren kaum Standards in bezug auf Transport, Speicherung und Abruf von Informationen. Schlagworte wie ISDN, MAP, TOP, relationale Datenbanken, SQLs helfen dabei derzeit nur wenig, solange firmeninterne Quasi-Standards die internationalen Standards in bezug auf Einsatzhäufigkeit und Preiswürdigkeit in der Praxis noch weit übertreffen.

DV im Nahbereich - das Feld der Supermikros

Eine Studie bei einer Auswahl von mittleren und großen Unternehmen in den USA ergab ein sehr interessantes Bild: Rund 80 Prozent der produzierten Information verlassen den Arbeitsplatz nicht. Von den verbliebenen 20 Prozent werden zirka 80 Prozent in eine Entfernung von zirka 200 Meter transportiert, das heißt, sie verlassen selten die Arbeitsgruppe oder Abteilung oder das Gebäude, in Welchem sie produziert werden. Nur etwa 20 Prozent dieser Restmenge, das heißt 0,04 aller produzierten Informationen werden über die lokalen Gebiete hinaustransportiert, was bedeutet: Es besteht zwar ein sehr hoher Bedarf an zentraler Rechenleistung im Unternehmen, sowie auch an der Nachrichtenvermittlung von Abteilung zu Abteilung. Ebenso groß und stark wachsend ist aber auch der Bedarf an Rechenleistung am Arbeitsplatz und in der Gruppe, dem klassischen Einsatzfeld für Mikro- und Supermikro-Computer. Hier zeigt die Analyse: Diese Geräte sind im isolierten Einsatz, ohne gegenseitige Verbindung und ohne Verbindung zu zentralen Mainframes ganz erheblich weniger effektiv. LANs und WANs für interne und externe Kommunikation binden Supermikro und Mainframe aneinander.

In der Vergangenheit gab es für die Datenverarbeitung nur zentralisierte Systeme, an welche die Arbeitsplätze sternförmig angeschlossen wurden. Als Dienstleistung mußte der Anwender zwangsläufig den Service des jeweiligen Rechenzentrums akzeptieren. Lösungen aus dem Bereich der damaligen "mittleren Datentechnik" waren zunächst rein anwendungsbezogen, das heißt für sich selbst wiederum zentralisiert und nur mühevoll untereinander und mit einem Großrechner zu koordinieren. Auch die ersten Personal Computer, konzipiert als starre Einzelplatzsysteme, konnten dem Anwender nicht viel mehr vermitteln als die Gewißheit, daß es ganz sicher einen besseren Weg geben müsse.

Rechnerleistung am Arbeitsplatz, individuelle Lösungen und der Zugriff auf verteilte Informationen waren die Ausgangspunkte für den Trend zur firmenübergreifenden Entwicklung der damals noch fehlenden Bindeglieder: für den Trend zu abteilungsbezogenen PCs als Mehrplatzsysteme hoher Leistung (heute vielfach als Supermikros bezeichnet) und der Vereinbarung von Standards für den Transport von Informationen. Dabei kommt den Supermikros eine besondere Rolle zu: In Form von "Gateways/Servern" übernehmen sie durch Umsetzung von Informationen von der einen in die andere Form auch die Rolle eines Verbindungsgliedes zwischen den nach Standards fest definierten, unterschiedlichen Netzen. Daraus resultieren nicht nur günstigere Kosten, sondern auch ein offener Markt der Telekommunikation, der dem Anwender-Freiheit in der Auswahl der Systeme und Übertragungswege läßt und ebenso offen ist für zukünftige Techniken aus dem Bereich der Sprach- und Bildübertragung, die derzeit noch nicht integriert sind.

Schon jetzt lautet deshalb der deutlich sichtbare Trend in der Anwendung: PCs und Supermikros am Arbeitsplatz und in der Abteilung, verbunden über Netze nach zunächst firmen-, später industrieübergreifend Standards mit Mainframe- oder Abteilungsrechnern; sinnvolle Beschränkung des Einsatzes von Mainframerechnern und gesteuerte, zusätzliche Einführung neuer Techniken aus der Nachrichtenübertragung in dieses Konzept. Supermikros haben darin eine offensichtliche hohe Bedeutung, sowohl für die Versorgung der Arbeitsplätze mit Rechnerleistung als auch für die Verknüpfung der Arbeitsplätze mit Übertragungsdiensten zwischen Rechnern.

Standards haben Supermikros so erfolgreich gemacht

In diesem Anwendungsbereich ist die neue Technik des Supermikros nur deshalb so erfolgreich, weil sie sich in einem zunehmend genormten und durch Standards, international und industrieübergreifend einschätzbaren Umfeld bewegt. Dazu gehören Postnetze, Postdienste, standardisierte Dienste und standardisierte Netze. Zu den Produkten auf diesem Gebiet zählen unter anderem X.4001 ODA, TOP, MAP. In Abgrenzung zu bisher existierenden firmenspezifischen Standards hat gerade die europäische Informationsindustrie durch die Gründung von Arbeitsgruppen wie X/Open und Spag wesentlich dazu beigetragen, Standards zu spezifizieren, zu entwickeln und durchzusetzen.

Die Einbindung der Arbeitsplätze in eine Mainframe-Umgebung wird für die Supermikros durch die Anwendung von Netzwerk-Konzepten ermöglicht. Während Arbeitsplätze untereinander beziehungsweise mit der Rechenzentrale des Supermikros über lokale Netzwerke (zum Beispiel ICL Oslan oder ICL Mikrolan) angeschlossen sind, übernehmen die Supermikros die Kommunikation von dieser Arbeitsgruppe zu anderen Arbeitsgruppen und hin zum Mainframe unter den unterschiedlichsten Netzen und Emulationen. So beispielsweise zu Postnetzen wie HfD, Datex-P oder Datex-L und Btx. Doch damit ist das Leistungsvolumen eines Supermikros als Server noch keineswegs ausgeschöpft.

Supermikros sichern Zugang zu Kommunikationsdiensten

Derzeit und in Zukunft werden sie auch für die Kommunikation nach außen den Übergang vorn Arbeitsplatz zu Postdiensten bilden. Telex, Teletext und Telebox sind bereits realisiert; Telefax und Telemail-Dienste sind gleichfalls technisch möglich und erwarten noch eine weitere Verbreitung. In allen diesen Einsatzfällen kommt dem Mikro besonders unter dem Gesichtspunkt der Kostenentwicklung im Unternehmen Bedeutung zu: Die geringe Auslastung eines Einzelanschlusses kann dann finanziell getragen werden, wenn sich die Anschlußkosten über einen Server auf mehrere Arbeitsplätze verteilen. Und dies gilt auch in Zukunft bei der Einbindung digitaler Nebenstellenanlagen und integrierter digitaler Dienste (ISDN) als eine der möglichen Kommunikationsformen. Auch hier werden Supermikros mit entsprechenden Schnittstellen zur digitalen Nebenstellenanlage die Versorgung einzelner Arbeitsplätze mit Rechnerleistung übernehmen; die Anschaltung eines Mainframesystems wird dann mit Leitungsgeschwindigkeiten von 1,54 oder 2,048 MB pro Sekunde möglich sein.

Neben IBM auch Transdata-Prozeduren gut im Rennen

In der Zwischenzeit übernehmen Emulationen zu Großrechnern die Rolle der noch nicht vorhandenen ISDN-Vermittlungsstellen und industrieübergreifende Protokolle. Besondere Bedeutung für die Verbreitung in der Bundesrepublik hat dabei die Tatsache, daß die Mainframe-Umgebung zahlenmäßig nicht nur von IBM bestimmt wird. Die Emulation von IBM-Produkten (zum Beispiel 3270 BSC oder 2780/3780 BSC, SNA über X.25) ist für PCs und Supermikros bereits Standard. Doch speziell in der Bundesrepublik hat auch der Einsatz von Siemens-Transdata-Prozeduren eine hohe Marktbedeutung.

*Dieter Schmidt ist Marketing-Manager bei ICL in Nürnberg.