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13.11.1987 - 

Vom Kongreß für Zukunftsfragen zur etablierten DV-Fachveranstaltung (Teil 3 und Schluß):

Die Systems begann mit der Meeresforschung

Wieder einmal stand München ganz im Zeichen der Systems. Bereits zum zehnten Mal hat die DV-Kongreßmesse heuer ihre Tore geöffnet, gaben sich Computerindustrie und Fachbesucher zahlreich die Ehre. Dabei hatte die Systems ursprünglich mit der elektronischen Datenverarbeitung nur am Rande zu tun. Bei ihrer Premiere im Jahr 1969 in Form eines Kongresses bewegten vielmehr allgemeine Zukunfsthemen vom Energiebedarf über Städtebau bis hin zur Meeresforschung die Gemüter der Besucher. Ihren reinen DV-Charakter erhielt die Systems erst zwei Jahre später. Die Entwicklung dieser Münchener Fachveranstaltung zeigt CW-Redakteurin Beate Kneuse in einer mehrteiligen Serie auf. Erstmals hatte sich die Münchener Messegesellschaft übrigens um eine Konzentration von gewissen Produktgruppen in bestimmten Hallen bemüht. Dies war auch nötig, denn angesichts des inzwischen doch ausgeuferten Ausstellungsangebotes, vor allem aber der mittlerweile zehn Hallen mit insgesamt 55 000 Quadratmetern, fiel es immer schwerer, den Überblick zu behalten. So brachte die Münchener Messegesellschaft den Bereich Software und Dienstleistungen in den Hallen I und 2, die Peripherie und Systemhäuser in den Hallen 3 und 5 und die CAD/CAM/ CAE-Produkte in Halle 7 unter, während die Bürocomputer und die Telekommunikation in den Hallen 14 und 16 vertreten waren. Die Halle 16 war darüber hinaus auch Territorium der Belegleser-Anbieter. Schlichtweg alles tummelte sich schließlich in den Hallen 18, 19 und 20.

Alle Rekorde dieser doch stark gewachsenen Systems, ein Fünftel mehr Aussteller und ein Drittel mehr Fläche als 1979, brachen allerdings die Besucher. Mit 44 000 Messegängern hatten sich rund 42 Prozent mehr Besucher als zwei Jahre zuvor die Ehre gegeben.

Interesse an Seminaren hat nachgelassen

Berücksichtigt werden muß dabei jedoch, daß zur gleichen Zeit in München noch zwei weitere hochkarätige DV-Veranstaltungen stattgefunden hatten; nämlich die "Dritte Konferenz der European Co-Operation in Informatics (ECI)", die den gegenwärtigen Stand und die künftige Entwicklung der Informationsverarbeitug beleuchtete, und die elfte Jahrestagung der Gesellschaft für Informatik (GI), beide an der Technischen Universität in München. Die GI-Tagung fand 1981 übrigens zum zweiten Mal in der bayerischen Landeshauptstadt statt, nachdem man hier 1971 mit der ersten Jahrestagung Premiere gefeiert hatte - wie die DV-Systems.

Einen Wermutstropfen mußte die MMG jedoch auch hinnehmen: Gesunken war die Beteiligung an den Symposien und Seminaren. Nach 3500 Teilnehmern zwei Jahre zuvor hatten nur noch an die 3100 Kongreßbesucher den Symposien und Seminaren beigewohnt. Dafür konnten aber auf den darauffolgenden Systems-Kongressen wieder steigende Teilnehmerzahlen verbucht werden.

War die Systems 81 schon als Rekordmesse in die Annalen der Geschichte eingegangen, so nahmen die darauffolgenden zwei Veranstaltungen, 1983 und 1985, nahezu gigantische Ausmaße an. Zwar betonten die Münchener Messemacher, daß man sich gegen jede Art von Messe-Gigantismus wehre und einen unübersehbaren "Informationsdschungel" vermeiden wolle. Doch diese gute Absicht schien kaum mehr realisierbar. 1983 erweiterte sich die Ausstellungsfläche um 45 Prozent auf 80 000 Quadratmeter, und die Anbieterzahl wuchs auf 962 Aussteller an. Wieder erstarkt waren dabei die US-Unternehmen: 105 amerikanische Anbieter fanden sich auf der Theresienhöhe ein und machten damit das größte ausländische Kontingent aus. Immerhin hatten die Münchener Messemacher, wie schon 1981, versucht, das Ausstellungsangebot zu strukturieren und in Zonen einzuteilen.

Der Aussteller-Boom war vor allem darauf zurückzuführen, daß 1983 der Personal Computer nachdrücklich Einzug in die Münchener Messehallen gehalten hatte, weil er in jenem Jahr absolute Hochkonjunktur verzeichnete. Dem mußte die MMG Rechnung tragen, indem sie den PC-Anbietern eine ganze Halle zur Verfügung stellte. Dabei handelte es sich um einen Neubau, den die Messegesellschaft im Teil Süd gemeinsam mit zwei weiteren Hallen aus dem Boden gestampft und just zur Systems '83 in Betrieb genommen hatte. Dieser neue Hallenkomplex 23, 24, 25 ist mit einer Gesamtfläche von 53 000 Quadratmetern und einem eigenen Haupteingang Süd seitdem ein kleines Messegelände für sich. Dies bekamen 1983 vor allem die 44 Aussteller zu spüren, die sich erst spät für eine Teilnahme an der Systems entschieden hatten und deshalb in Halle 25 angesiedelt wurden. Da die Halle 24 geschlossen blieb, war für die meisten Besucher der Messerundgang nach Halle 23 mit der Mikro-Show - ohnehin der Höhepunkt für viele - beendet. Die Anbieter in Halle 25 blieben unter sich und kamen sich wie im Exil vor. Heftige Proteste waren die Folge. Schnell bemühten sich die Messeorganisatoren, mit Lautsprecherdurchsagen und Messebus-Announcements bekanntzumachen, daß auch in Halle 25 noch Aussteller seien. Doch ohne Erfolg. Dieser allzu abgelegene Ausstellungsteil blieb verwaist. Eine bittere Systems für die Anbieter in Halle 25.

Fachmesse wird zum Show-Spektakel

Den etablierten Ausstellern im "alten" Teil des Messegeländes indes kamen die zusätzlichen Hallenkapazitäten sehr entgegen. Ihnen stand dadurch mehr Standfläche zur Verfügung. So betrug 1983 die durchschnittliche Standfläche der größeren Anbieter etwa 250 bis 300 Quadratmeter. Dies ließen sich die Aussteller im Schnitt 50 000 Mark kosten. Noch tiefer in die Tasche griff Triumph-Adler (TA). Für eine Standgröße von 450 Quadratmetern löhnten sie stolze 72 000 Mark.

Doch nicht nur die neuen Hallen und die größeren Standflächen fielen auf der Systems '83 auf. Endgültig passé waren auch die Zeiten, in denen die Atmosphäre dieser Kongreßmesse rein fachlicher Natur gewesen war. Mehr und mehr begann sich die

Systems zu einem Messespektakel ß la Hannover-Messe zu entwickeln. Den Anbietern schien ihr "nüchternes" Ausstellungsgut Hard- und Software nicht länger auszureichen. Show-Einlagen mußten her, etwa in Form von roboternachahmenden Pantomimen, die - je nachdem - die Besucher begeisterten oder erschreckten. Auch präsentierten immer mehr Prominente aus Presse, Funk und Fernsehen bis hin zu Film- und Schlagersternchen die Produkte. Dementsprechend mußten natürlich auch die Stände aufbereitet werden: Glitter und Glamour bestimmten auf einmal das Bild dieser DV-Fachausstellung; und so mancher Experte schien sich zu Recht zu fragen, was solch ein Spektakel eigentlich mit dem Computer zu tun habe.

DV-Schwerpunkte waren auf der Systems '83 eindeutig die Personal Computer und die grafische Datenverarbeitung. Viele Besucher nutzten die Fachausstellung, um sich gerade im CAD/CAM-Bereich kundig zu machen. Auch der Kongreßteil widmete diesem Gebiet mehrere Vortragsreihen. So wurde ein "Internationaler CAD/CAM-Kongreß" abgehalten, der 40 Referate aufzuweisen hatte. Darüber hinaus bestimmten einmal mehr die Benutzergruppenseminare das Kongreßprogramm. 49 Referenten behandelten die Themen vom Bauwesen bis hin zur Versicherungswirtschaft. Einen Blick in die Zukunft gestatteten wieder die Symposien. Sie befaßten sich unter anderem mit "Anwenderstrategien für die 80er Jahre", aber auch mit der Zukunft der Software.

Messe platzt aus den Nähten

Dieses Themenangebot schien bei den Besuchern gut anzukommen: Der Systems-Kongreß 1983 konnte an die 5000 Teilnehmer verbuchen. Alle Rekorde indes schlug die Gesamtbesucherzahl: Mit 80000 Messegängern übertraf die Systems '83 die vorangegangene Veranstaltung um fast das Doppelte. Dieses Ergebnis zusammen mit der stark gewachsenen Ausstellerzahl veranlaßte Messechef Gerd vom Hövel auf der Abschlußpressekonferenz, gleich in amerikanischen Dimensionen zu schwelgen. Er verglich die süddeutsche Computershow mit der National Computer Conference (NCC) in den USA: "Rein messemäßig sind wir größer." Keine Rede mehr war davon, daß die Qualität der Standgespräche den Erfolg einer Messe ausmache und nicht die Zahl der Besucher, die den Eingang passieren". So hatte vom Hövel noch im Vorfeld der 83er Veranstaltung geklungen.

Die Systems '85 wurde schließlich die Messe der Superlative. Schon im Vorfeld zeichnete sich ab, daß das gesamte Messegelände, einschließlich der neuen Südhallen, total ausgebucht sein würde. Und obwohl die Messeverantwortlichen die gesamte Bruttofläche von 105 000 Quadratmetern zur Verfügung stellten, war der Andrang der Aussteller so groß, daß eine Warteliste angelegt werden mußte. Die Kapazitätsgrenze des Messegeländes auf der Theresienhöhe war endgültig erreicht; die Münchener Messemacher mußten sich etwas einfallen lassen.

Dies geschah denn auch: Dem Paukenschlag aus Hannover, ab 1986 die größte Industrie-Messe der Welt zweizuteilen und eine eigenständige "Hannover-Messe CeBIT" zu veranstalten, folgte im Vorfeld der Systems '85 der Trommelwirbel aus München: Auch die Systems sollte entflochten werden. Von 1986 an, so verkündete die MMG, werde im Zweijahresrhythmus, alternierend zur Systems, die Systec" stattfinden; einen Kongreßmesse für die Computerintegration in Logistik, Entwicklung, Konstruktion, Fertigung und Qualitätssicherung. Die Begeisterung hielt sich selbst unter CAD/ CAM-Anbietern in Grenzen, man sparte nicht mit Kritik. Viele Anbieter hielten sich denn auch von der ersten Systec fern. Dennoch hat diese neue Messe nach Ansicht von Ausstellern und Besuchern ihre Premiere erfolgreich überstanden.

Zurück zur Systems '85. Tatsächlich zählte sie mit 1204 Ausstellern mehr Anbieter, als die Hannover-Messe im April zuvor unter ihrem CeBIT-Dach hatte versammeln können. Darüber hinaus wartete die Systems '85 mit der größten US-Aussteller-Beteiligung auf, die eine bundesdeutsche Fachmesse je hatte. Die Besucher ließen sich ebenfalls nicht lumpen. 126 000 Messegänger strömten auf das Messegelände, ungeachtet der doch teilweise langen Wege, die ihnen die ausgebuchte System '85 bescherte

Software macht das Rennen

Das Hauptinteresse der Messegänger galt diesmal uneingeschränkt dem Bereich Software und Dienstleistungen. Nach Angaben der Messegesellschaft informierten sich rund 52 Prozent aller Besucher über das Angebot in diesem Sektor. Anziehungspunkt war aber auch wieder die PC-Halle, in der ein derartiges Gedränge herrschte, daß man schon mit den Ellbogen arbeiten mußte, um überhaupt voranzukommen. Erneut wurde den Besuchern von den Ausstellern hohe fachliche Kompetenz bescheinigt. Dabei sei die Zahl der Fachleute gegenüber 1983 weiter gestiegen. Dennoch hatte zumindest Gerhard Karck 1985 den Eindruck daß sich die Besucherstruktur verändert habe. Seiner Meinung nach entwickelte sich die Systems mehr und mehr zu einer Publikumsmesse, da durch den Siegeszug der PCs auch zunehmend Besucher angesprochen würden, die nicht zu den Fachleuten der Informationsverarbeitung gezählt werden könnten. Der Kieler DV-Profi hatte sicher nicht ganz unrecht, wenn man bedenkt, wie viele Jugendliche sich auf dem Messegelände tummelten.

Eine Novität hatte auch der Kongreß aufzuweisen Erstmals veranstaltete die Gesellschaft für Informatik (GI) einen internationalen Kongreß im Rahmen der Systems. Thema: Wissensbasierte Systeme. Ziel der Veranstaltung sollte nach Auskunft der Forschungsgesellschaft sein, insbesondere in die Fragestellungen und Ergebnisse aus dem Bereich der Expertensysteme einzuführen, wie auch in Datenbank- und Wissensverwaltungssysteme sowie intelligente Programmierwerkzeuge. Die Veranstaltung war gut besucht, wie alle anderen Symposien und Seminare auch. Mehr als 5000 Teilnehmer konnte die MMG zählen.

Vom 19. bis 23. Oktober fand die diesjährige Systems statt. Da heuer die sogenannten C-Techniken keine Rolle mehr spielen sollten, konzentrierten sich Ausstellung und Kongreß in erster Linie auf die Telekommunikation. "Das Denken in Netzen wird immer wichtiger", hatte denn auch Messemann vom Hövel bereits im Sommer bei der Vorstellung des 87er Systems-Konzeptes betont. Problematisch war jedoch, daß in diesem Jahr parallel zur Systems die Telecom in Genf, die größte internationale Telekommunikationsmesse der Welt und im Vierjahresrhythmus stattfindend, ihre Tore geöffnet hatte und die wichtigsten Telecom-Experten an sich band. Dies wiederum versuchte die MMG zu kaschieren, indem sie mit zahlreichen Direktschaltungen nach Genf aufwartete.

Voll belegt war die Systems auch in diesem Jahr. Alle 25 Hallen wurden genutzt, mehr als 900 Aussteller zeigten ihre Produkte. Auch das Kongreßprogramm war üppig wie eh und je. Neben den bewährten Usergrupppenseminaren wurden zahlreiche Fachseminare abgehalten, unter anderem über Software Engineering, Fehlertoleranz, verteilte Echtzeitsysteme, Datenbank- und Expertensysteme sowie Lokale Netze und PC-Netze. Darüber hinaus veranstaltete die GI den zweiten Internationalen Kongreß "Wissensbasierte Systeme". Die Münchener Messestrategen konnten erneut an die 5000 Kongreßteilnehmer begrüßen. Insgesamt fanden 1987 knapp 150 000 Besucher den Weg auf die Theresienhöhe.

Die MMG war zufrieden. Nicht zufrieden dürfte hingegen so mancher Aussteller mit den Münchener Messestrategen gewesen sein. Denn obwohl man im Vorfeld immer wieder betont hatte, daß keine C-Techniken auf der diesjährigen Systems ausgestellt werden dürften, hatte die 87er DV-Kongreß-Messe gleich am ersten Tag ihren handfesten Skandal. Völlig unbefangen stellte Mannesmann Kienzle CAD-Lösungen aus - mit Einwilligung der MMG, wie von seiten des Unternehmens verlautete Diese jedoch schien sich an ihre Zu geständnisse nicht mehr zu erinnern als nähmlich IBM sich nur wenige Stunden nach Systems-Beginn mündlich und schriftlich bei der Messegesellschaft über Mannesmann Kienzle beschwerte: Noch am gleichen Abend mußten die Schwarzwälder ihre CAD-Systeme abbauen. Andere Aussteller hingegen, so unter anderem Prime, durften weiter ihre C-Lösungen präsentieren. Die Wiesbadener hatten nähmlich den "Stein des Anstoßes" mit viel Holz verkleidet und zudem das Glück, nicht im unmittelbaren Bannkreis von IBM auszustellen. Somit mußte sich die Messegesellschaft auf der diesjährigen Systems den Vorwurf gefallen lassen, mit zweierlei Maß gemessen zu haben.

Systems findet ihre neue Heimat in München-Riem

Ohne Zweifel ist die Systems inzwischen eine der bedeutendsten Fachmesse in der Bundesrepublik Deutschland. Befragt man die Aussteller nach ihrem Stellenwert, so nimmt die Systems vor allem bei den größeren Unternehmen nach der CeBIT den zweiten Rang ein. Deshalb sei noch ein Blick in die Zukunft erlaubt. In den neunziger Jahren wird die Münchener Messegesellschaft in Riem eine neue Heimat erhalten. Dann nämlich soll der heutige Flughafen nach München II (Erding) umgezogen sein. In Riem, so die bisherigen Planungen, soll die Ausstellungsfläche 140 000 bis 200 000 Quadratmeter umfassen, viel Platz also für die Systems und die anderen High-Tech-Messen in München. Messe-Gigantismus ist für MMG-Hauptgeschäftsführer Werner Marzin dennoch ein Fremdwort. Schließlich sei man auch mit dem neuen Messegelände von der Fläche her auf Platz 4, weit hinter Hannover, Frankfurt und Köln. Marzin: "Dies ist auch gut so. Denn die Menschlichkeit einer Messe muß erhalten bleiben."