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02.02.2001 - 

10 000 Mitarbeiter müssen gehen

Die Talfahrt von Lucent mündet in Entlassungen

MÜNCHEN (CW) - Die Krise bei Lucent Technologies hält an. Die Quartalszahlen des Elektronikkonzerns fielen einmal mehr schlechter aus als von Finanzexperten erwartet. Nun soll die Entlassung von 10000 Mitarbeitern oder acht Prozent der Belegschaft eine Umstrukturierung einleiten.

Das erste Geschäftsquartal 2001 (Oktober bis Ende Dezember 2000) bescherte Lucent Technologies einen Verlust von 1,02 Milliarden Dollar. Umgerechnet auf die Anteilscheine ergibt sich ein Verlust von 30 Cent pro Aktie, die Wallstreet hatte lediglich mit 27 Cent pro Papier gerechnet. Im Vergleichsquartal des Vorjahres hatte der Elektronikkonzern noch einen Gewinn von 1,08 Milliarden Dollar oder 33 Cent pro Aktie eingefahren. Der Umsatz fiel gegenüber dem Vorjahreswert um 26 Prozent auf 5,8 Milliarden Dollar.

Die Krise, die nach Meinung der Marktbeobachter hauptsächlich der bis Oktober letzten Jahres amtierende CEO Richard McGinn zu verantworten hat, will Lucent nach dem üblichen Muster meistern: Rund 10000 Angestellte sollen die Fehler des obersten Managements ausbügeln und müssen gehen. Auch in Deutschland werden Anfang März einige blaue Briefe versendet, Neueinstellungen in Wachstumsmärkten sollen jedoch die Entlassungen kompensieren.

Weitere Maßnahmen des Sieben-Punkte-Plans zur Umstrukturierung des Unternehmens sehen vor, Produktlinien einzustellen, Fabriken zu schließen, Grundstücke zu verkaufen und Inventar abzuschreiben. Zudem sollen Fertigungskapazitäten ausgelagert, also an Partner veräußert werden. Von letzterem Vorhaben sind weitere 6000 Lucent-Mitarbeiter betroffen. Ingesamt hofft der Vorstand, bis zu zwei Milliarden Dollar laufende Kosten pro Jahr einsparen zu können.

Die Anleger reagierten gemäßigt auf die schlechten Quartalszahlen und ließen das Papier nicht absacken. Das hat verschiedene Hintergründe: Zum einen hatten die Investoren nicht mit positiven Nachrichten gerechnet, zum anderen wurde die eingeleitete Neuausrichtung für gut befunden, zumal sie durch Produktneuheiten flankiert wurde. So kündigte der TK-Ausrüster etwa neue Produkte für den Betrieb und das Einrichten von Virtual Private Networks (VPNs) an und versprach, das Switching-Verfahren Multiprotocol Label Switching (MPLS) in der gesamten Produktpalette einzuführen. Bemerkenswert an diesen Neuerungen ist, dass Lucent nun nicht mehr wie noch vor gut einem Jahr das Verfahren Asynchronous Transfer Mode (ATM) als beste Lösung für den Betrieb von Carrier-Netzen preist, sondern auf IP als Vermittlungsprotokoll baut.

Zum Teil empfehlen die Finanzexperten das Lucent-Papier sogar zum Kauf, denn der US-Konzern feilt derzeit am vermutlich größten Börsengang des laufenden Jahres. Aller Voraussicht nach entlässt das Management die Microelektronik-Tochter Agere noch im März in die Eigenständigkeit, und jeder Lucent-Aktionär erhält Anteile an der Neuemission.