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07.11.1975 - 

Computer als Seeoffizier

Die Tanker sind für Menschen zu groß

HAMBURG - Je größer das Schiff ist, desto geringer sind die Frachtkosten je Tonne. Diese Rechnung führte dazu, daß die Öl-Tanker immer größer, immer teurer und immer schwerer zu manövrieren wurden. Auf den Reißbrettern in Japan gibt es schon Eine-Million-Tonnen-Tanker, die 510 Meter lang und 85 Meter breit sein müßten.. Solche Riesen können nur noch mit Computerhilfe gehandhabt werden. Irrtümer verbieten sich von selbst: Die Schäden, die bei einer Havarie entstehen können, werden zu groß. Ein Beispiel: Vor einiger Zeit riß ein Tanker bei einem vorsichtigen Angelmanöver in Wilhelmshaven einen Teil der Niedersachsenbrücke ein und verursachte damit einen Schaden von 25 Millionen Mark.

Um solche Pannen möglichst weitgehend auszuschließen, hat der US-Öl-Konzern Texas einen 5-Jahres-Vertrag mit der Marine Safety International Incorp. (New York) geschlossen. Die Texaco-Gruppe, die gegenwärtig über eine Flotte von knapp 200 Hochseetankern, darunter 35 Super-Tanker, verfügt, wird bis 1980 mindestens 300 ihrer Schiffsoffiziere in einer neuen, Ende dieses Jahres betriebsbereiten Schulungsstätte im Umgang mit großen Schiffen trainieren. Marine Safety für diesen Zweck eine Schulungsstätte mit einem Schiffssimulator ein.

Fiktives Schiff im fiktiven Hafen

Geplant ist zunächst die Schulung über den Umgang mit 250 000-Tonnen-Tankern. Es geht vor allem darum, die Einfahrt in größere Häfen im Nahen Osten und in Nordeuropa zu üben. Der "Schüler" steht auf einer nachgebauten Schiffsbrücke und blickt auf eine Panoramaleinwand, auf die eine Hafeneinfahrt projiziert wird. Sicht-, Umgebungs-, Betriebs- und Geräuschbedingungen können beliebig variiert werden. Das projizierte Bild ändert sich von der simulierten Einfahrt bis zum simulierten Festmachen an der Brücke so, wie der zu schulende Offizier das Schiff steuert. Die Simulation übernimmt ein Univac-Rechner.

100 Fahrrouten gespeichert

Computer helfen den Texaco-Offizieren aber auch später in der Praxis: Zur Zeit ist das erste Texaco-Schiff auf den Meeren unterwegs, das einen Computer an Bord hat. Zum neuen "integrierten Brückensystem" auf dem Tanker "Sweden" wird ein IBM-Prozeßrechnersystem 7 mit einem 2,5 MB-Plattenspeicher verwendet. Auf der Platte sind Diagnostikprogramme für elektronische Systeme und die nautischen Instrumente, Anwendungsprogramme entsprechend den Wünschen der Reederei sowie die Anfangs-, End- und Kurswechselpunkte von ca. 100 Fahrrouten gespeichert. Angeschlossen an den Rechner sind Radargeräte, Kreiselkompaß, Fahrtmeßanlage und Navigationsgeräte sowie die Steuer- oder Selbststeueranlage.

Kollisionswarnungen

Das System überwacht die Einhaltung einer eingespeicherten Fahrtroute, verbessert die Selbststeuerung (Treibstoffersparnis zwischen 0,5 und 1,5%), berechnet auf Wunsch jederzeit den Standort des Schiffes nach geografischer Länge und Breite und wertet die Radarechos zu "Kollisionswarnungen" aus. Dazu wird laufend berechnet, wie nahe beobachtete Schiffe dem eigenen Schiff kommen und ob eine Kollision droht - in solchen Fällen berechnet das System mögliche Ausweichkurse und erforderliche Geschwindigkeitsänderungen. Daneben übernimmt der Rechner noch die logbuchartige Aufzeichnung des Geschehens an Bord.

Installation per Kran

Die Offiziere der "Sweden" befreundeten sich mit dem Prozeßrechner, der in Hamburg von einem Autokran an Bord gehievt worden war, so schnell, daß sie ihn schon auf der ersten Reise nicht nur "Percy" tauften, sondern ihn auch noch zum zweiten Offizier beförderten. -py