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30.08.1996 - 

Intranet/

Die Technik allein bringt keinen Erfolg

30.08.1996

Obwohl das Internet schon seit Jahrzehnten besteht, verändert es im Moment die Welt schneller und in breiterem Umfang, als das vor wenigen Jahren zu erwarten war. Jetzt wird dem Intranet nachgesagt, es werde die unternehmensinterne DV revolutionieren.

Dabei ist das Grundprinzip weder neu noch revolutionär, denn der Begriff Intranet steht für den Einsatz der Technik des Internet innerhalb von Unternehmen. Da für das Internet mittlerweile leistungsfähige und im allgemeinen günstige Software zur Verfügung steht, ist es eine naheliegende Überlegung, diese auch unternehmensintern einzusetzen.

Vor allem die Tatsache, daß sich über das Intranet und eine Browser-Oberfläche - wie zum Beispiel den "Netscape Navigator" oder den "Microsoft Internet Explorer" - sehr viele unterschiedliche Gebiete abdecken lassen, macht das neue Prinzip interessant. Denn die mit dem Browser und dessen (erst einmal unsichtbaren) Hintergrundprogrammen abdeckbaren Bereiche wurden bisher entweder mit verschiedenen Applikationen oder ganz ohne DV gelöst. Die mit dem Internet identische Bedieneroberfläche und Technik erlaubt außerdem eine lückenlose Anbindung an dieses.

Viele Intranet-Eigenschaften sind aber auch schon nützlich, wenn man sie nur unternehmensintern betrachtet. Dazu gehört beispielsweise der geschickte Einsatz von Web-Servern und - Browsern vor allem zum Informationsaustausch. Richtig interessant wird es aber erst bei der Arbeit über Unternehmensgrenzen hinweg.

Denn hier brachte das Internet Betriebssystem- und Hardware- unabhängige Standards. Wenn sie sich jetzt durch das Intranet auch unternehmensintern durchsetzen, sind viele Wege zum Datenaustausch geglättet.

Zwar muß nicht gleich jeder mit jedem nur noch elektronisch kommunizieren, aber wenn mehrere kooperierende Unternehmen auf das Intranet mit Anschluß an das Internet wechseln, ist ein Informationsaustausch durch dann gemeinsame Standards erheblich effektiver möglich. So lassen sich aktuelle Informationen auf Basis gemeinsamer Intranet/Internet-Standards bequem elektronisch austauschen.

Doch es geht nicht nur um den Informationsaustausch in der Art des World Wide Web (WWW). Auch andere Intranet/Internet-Standards wie Mail und File Transfer Protocol (FTP) sind Teile des Intranet- Konzepts. Diese müssen zwar nicht zwangsläufig bestehende und möglicherweise bewährte Systeme ablösen, aber die zugrundeliegenden Protokolle sind weltweiter Standard.

Lieber ein System als viele

Denn warum beispielsweise zwei getrennte Mail-Systeme für interne und externe Kommunikation einsetzen, wenn sich mit einem Intranet/Internet-kompatiblen System die ganze Welt einschließlich des eigenen Unternehmens abdecken läßt? Das bedeutet wohlgemerkt keinesfalls, daß weltweit überall die gleiche Mail-Software eingesetzt werden soll, denn es existieren auch hier viele unterschiedliche Programme für verschiedenste Betriebssysteme.

Doch zurück zu dem revolutionärsten Bereich des Intranet, dem unternehmensinternen WWW. Dieses hat gute Chancen, sich durchzusetzen, da es sowohl für User und DV-Administration als auch von der Kostenseite her sehr interessant ist.

Die meisten User sind vor allem an einer einfach und intuitiv zu bedienenden Benutzeroberfläche interessiert. Unmengen von Icons, Buttons und Menüpunkten vieler Applikationen sorgen dafür, daß viele Anwender nur einen Bruchteil der Funktionen einsetzen. Die für das Intranet verwendeten Web-Browser, die im Idealfall nur wenige - dafür aber genau die benötigten - Funktionen über Links (meist unterstrichene und farbige Texte oder Bilder) anbieten, entsprechen da den Vorstellungen vieler Anwender schon erheblich mehr.

Auch die Tatsache, daß diese Links genauso einfach Aktionen innerhalb des eigenen Rechners, des Unternehmens oder dem Rest der Welt auslösen, vereinfacht die Bedienung um einiges. Die User müssen sich auch nicht mehr darum kümmern, wo was gespeichert ist. Hinter den Links können nämlich die unterschiedlichsten Funktionen liegen.

Die häufigsten Links sind bisher Verweise innerhalb des angezeigten Dokuments oder Aufrufe von anderen Dokumenten, die entweder innerhalb des Intranet oder im Internet abgelegt sind. Die Bedienung ist dabei vollkommen identisch. Auch der Download beliebiger Dateien mit einem entsprechenden Aufruf des zur Betrachtung oder Bearbeitung notwendigen Programms gehört zum Standardrepertoire. Beispiele sind Videos, Bilder, Sounds, Text- oder Tabellenkalkulationsdateien.

Eine weitere Variante sind dynamische Web-Seiten beispielsweise mit Tickern (wie bei Börsenkursen) oder Formulare, deren Inhalt danach vom Server in eine Datenbank eingetragen wird. Auch Java, die im Internet verbreitete Programmiersprache von Sun, eröffnet vielfältige Möglichkeiten.

Die hausinternen Web-Seiten lassen sich dabei relativ einfach mit HTML-Editoren oder durch die Umwandlung bestehender Dokumente erzeugen. Dabei braucht der Normalanwender kein einziges HTML-Tag (Befehle für fett, kursiv etc.) beherrschen. WYSIWYG-HTML-Editoren sind ähnlich zu bedienen wie moderne Textverarbeitungssysteme. Auch für das Einsetzen von Links ist kein Programmiererwissen erforderlich. Per Maus und Drag and drop sind Verbindungen schnell erstellt.

Auch aus der Sicht der DV-Administratoren hat das Intranet seinen Reiz. Die vom Internet stammende Technik ist meist ausgereift und stabil, und viele DVer sind damit vertraut. Auch TCP/ IP, das dem Internet und Intranet zugrundeliegende Netzwerkprotokoll, wird schon in vielen Unternehmen eingesetzt oder kann parallel zu bestehenden Protokollen betrieben werden. Weiterhin ist der Aufbau eines Web-Servers auch keine allzu große Aktion. Entsprechende Software für alle gängigen Betriebssysteme steht - dank Internet- Boom - reichlich zur Auswahl.

Die obengenannten Features sind zwar für Anwender wie DVler interessant, inwieweit sich die neue Technik jedoch durchsetzt, hängt allerdings auch mit deren Kosten zusammen. Gerade in diesem Punkt ist das Intranet kaum zu schlagen. Gute Browser-, Server- und Mail-Software gibt es oft kostenlos oder sehr günstig. Das liegt zum Teil daran, daß die Programme von Universitäten gratis abgegeben werden, andererseits aber auch am Kampf der Softwaregiganten.

Netscape erreichte seinen Browser-Marktanteil von zirka 85 Prozent durch den zum freien Download verfügbaren "Navigator", der lange Zeit der unumstritten leistungsfähigste WWW-Browser war. Dadurch konnte das Unternehmen die genau auf den Navigator angepaßten Web- Server hervorragend verkaufen.

Der erst mit Verzögerung ins Rennen gegangene Konkurrent Microsoft versucht jetzt aber mit nahezu allen Mitteln, auch in diesem Bereich die Nummer eins zu werden. Hier gibt es zur Zeit Browser- und Server-Software kostenlos. Zusätzlich sind viele andere Software-Unternehmen darum bemüht, die Millionen von Internet- Benutzern als Kunden zu gewinnen. So profitieren Intranet-Anwender kräftig vom Internet-Konkurrenzkampf. Es sprechen also viele Argumente für das Intranet, und viele Zeitungen und Anbieter berichten geradezu euphorisch von den "dramatically more effective business management systems" (O-Ton Microsoft).

Bei all der Euphorie um das Intranet sollte aber die Realität nicht vollkommen aus den Augen verloren werden. Oft entsteht nämlich der Eindruck, daß jetzt alles von allein funktionieren würde. Das Gegenteil ist wohl eher der Fall. Ein Intranet kann nur dann Erfolg bringen, wenn die Inhalte durchdacht sind und nicht jeder einfach drauflos werkelt, wie das im Internet im Moment häufig zu beobachten ist.

Hat es sich bei Textverarbeitungen mittlerweile herumgesprochen, daß möglichst viele verschiedene Schriften noch kein Zeichen eines guten Layouts sind und auch der Informationsübermittlung nicht eben guttun, sind manche Web-Designer wohl gerade dabei, möglichst alle verfügbaren Gestaltungstechniken in ein Dokument zu packen. Inhaltlich belanglose Seiten mit bewegten Bildern, Java- Laufschriften und Sounds sind so im WWW oft leichter zu finden als gut aufbereitete Informationen.

Häufig führen bei Unternehmen mit vielen Web-Seiten Links ins Leere, oder die Informationen sind einfach nur reichlich unstrukturiert und ohne Verweise abgelegt. Wenn dann die hauseigenen Suchmaschinen auch nur mit viel Glück die wirklich relevanten Dokumente zu einem Thema finden, sind Anwender schnell verärgert und wenig motiviert, in solchen Verhauen weiterzurecherchieren.

Diese Internet-Phänomene schleichen sich natürlich auch ganz schnell im Intranet ein, wenn das System nicht ausreichend administriert wird. Eine genaue Planung und Verwaltung ist in diesem Bereich von Anfang an unerläßlich.

Insofern wird sich auch bei den neu entstehenden Intranets schnell zeigen, welche Unternehmen nur neue Technik installieren und wo die Informationen Intranet-gerecht aufbereitet werden und die Arbeit der Anwender wirklich effektiv unterstützen. Von den Möglichkeiten her bietet das Intranet sehr viel. Ob diese Chancen effektiv genutzt werden oder ob nur eine neue bunte und dazu animierte Oberfläche die alte ablöst, liegt weniger an der DV als am Management.

Angeklickt

Internet- und Intranet-Anwendungen sind angeblich besser, praktischer und billiger. So einfach ist es aber nicht. Selbst weltweit akzeptierte Standards können alleine die Unternehmenskommunikation nicht auf Trab bringen. Das neue Konzept hat seine Haken und Ösen und funktioniert nicht von selbst. Gut aufbereitete Informationen sind vor lauter belanglosem Schrott manchmal kaum zu finden. Viele Web-Pfade führen ins Leere, schnell sind dann Anwender demotiviert. Die Netzadministratoren werden weiter zu tun haben.

*Christian Schreiber ist freier Fachjournalist in München.